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AKADEMIE
05.01.2021

Mein TSG-Moment (23): Paul Tolasz und die Dolmetscher-Aufgabe

Der Fußball steckt voller Emotionen, vor allem, wenn der eigene Verein beteiligt ist. In unserer Serie „Mein TSG-Moment“ blicken aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, Trainer und Spieler der Akademie auf ihre ganz besonderen Momente mit der TSG zurück – ob als aktiv Beteiligte oder als Zuschauer. Heute: Paul Tolasz, Scouting-Koordinator in der Akademie, der zwei Jahre lang im Teammanagement der Profis und als Übersetzer für Anthony Modeste arbeitete und besonders gerne an ein Sommer-Trainingslager im Jahre 2013 denkt.

»Ich bin mittlerweile seit zwölf Jahren bei der TSG und habe in dieser Zeit viele emotionale Momente erlebt. Vor meiner Stelle im Scouting-Bereich war ich als Koordinator und Trainer im Bereich der U13 bis zu den Kinderperspektivteams tätig. Von 2013 bis 2015 durfte ich jedoch auch mal einen Ausflug zu den Profis machen, was natürlich etwas ganz Besonderes war.

Es begann im Juli 2013. Ich hatte an der Uni Heidelberg gerade mein erstes Staatsexamen in Biologie und Geografie abgelegt und bereitete mich darauf vor, das gleiche in meinem dritten Fach Politikwissenschaft zu tun. In einem halben Jahr sollte ich zudem mein Referendariat antreten. Neben meinem Studium war ich damals leitender Trainer im Kinderperspektivteam der TSG sowie Co-Trainer der U12 – und mit dem 2003er-Jahrgang gerade auf einem Turnier, als ich einen Anruf erhielt.

Am Telefon war Christian Fornoff, der schon damals im Teammanagement der Profis gearbeitet hat. Er hatte erfahren, dass ich Französisch spreche, und fragte, ob ich mir generell vorstellen konnte, ihn bei einem Neuzugang aus Frankreich zu unterstützen. Ich sagte natürlich zu und bekam schon einen Tag später einen Anruf vom damaligen Leiter der Lizenzspielerabteilung Thomas Richter, der wissen wollte, ob ich direkt anfangen könne. Nach einem Gespräch mit dem Trainer Markus Gisdol sowie mit Alexander Rosen und Thomas Richter ging es dann schon ins Hotel, wo ich den Spieler kennenlernte. Es war Anthony Modeste.

Vor der ersten Begegnung war ich etwas nervös. Ich war ja gerade mal 25 Jahre alt, eigentlich noch auf der Uni und hatte jetzt in solch einer verantwortungsvollen Aufgabe mit einem Fußballprofi zu tun. Mit Anthony war es dann aber vom ersten Moment an sehr entspannt und lustig. Wir waren uns sofort sympathisch und ich habe ihn direkt zur sportärztlichen Untersuchung am Olympiastützpunkt in Heidelberg begleitet. Danach sind wir dann gemeinsam ins Trainingszentrum nach Zuzenhausen gefahren, wo ich erstmals so richtig in die Profiwelt eingetaucht bin.

Es war dann relativ schnell klar, dass ich regelmäßig bei den Profis dabei sein sollte, um für Anthony zu übersetzen. Auch im Trainingslager in Leogang. Also bin ich Mitte Juli gemeinsam mit Betreuer Heinz Seyfert nach Österreich gefahren und war dort mit César Thier für die ausländischen Spieler zuständig, die kaum Deutsch sprachen. Neben Anthony waren das noch Tarik Elyounoussi, Roberto Fimino, David Abraham und Bruno Nazário.  

In dem Trainingslager herrschte von Anfang an ein toller Spirit und nach dem Klassenerhalt in der Relegation ein paar Wochen zuvor auch eine Art Aufbruchstimmung. Für mich als Kindertrainer war es einfach ein total intensives Erlebnis, so nah an unserer Bundesliga-Mannschaft dran zu sein und recht schnell sogar ein Teil dieses großen Teams zu werden. Das ist bis heute mein TSG-Moment.

Auch während der Saison behielt ich meine Stelle und war daher bei den Bundesliga-Spielen auf der Trainerbank dabei, um Markus Gisdols Anweisungen an Anthony zu übersetzen. Wir hatten in der Runde tolle Erlebnisse – etwa das 3:3 bei den Bayern, den 6:2-Sieg gegen Wolfsburg oder einen 3:1-Erfolg im Pokal auf Schalke. Das sind Spiele, die ich sicherlich nie vergessen werde. Besonders war natürlich auch Stefan Kießlings Phantom-Tor in unserer Arena für Bayer Leverkusen und das Rückspiel in Leverkusen, das wir 3:2 gewonnen haben. Anthony hat damals in der 89. Minute das Siegtor geschossen und seinen legendären Tornetz-Jubel zelebriert. Das alles waren tolle Momente, für die meiner Meinung nach im Trainingslager in Leogang der Grundstein gelegt worden ist.

Insgesamt habe ich zwei Jahre im Teammanagement und Players‘ Service gearbeitet. Es war eine extrem schöne und intensive Zeit. Vor allem ist mir die gute Stimmung in der Truppe und im Trainer- und Betreuerteam in Erinnerung geblieben. Auch mit Markus Gisdol hatte ich immer einen super Austausch, aber irgendwann wollte ich doch lieber wieder selber Trainer sein und da mir die Akademie eine feste Stelle anbot, habe ich mich letzten Endes dafür und sowohl gegen das Referendariat als auch gegen die Aufgabe im Players‘ Service der Profis entschieden. Vergessen werde ich diese zwei Jahre mit Anthony und den anderen Spielern, Trainern und Betreuern der Profis – und vor allem mein erstes Trainingslager im Sommer 2013 – aber nie.«

 

DIE BISHERIGEN TSG-MOMENTE

1 | Noelle Schweizer und der perfekte Tag

2 | René Ottinger und dieses 4:2

3 | Gabriel Meister und die weiße Weste

4 | Melanie Fink und ihre KPT-Premiere

5 | Torsten Berger und das Döner-Tor

6 | Claudio Lanzillotta und der Liverpool-Trip

7 | Harald Steidel und die Reise nach Braga

8 | Martin Schenk und der Balljungenwirbel

9 | Kai Herdling und das erste Bundesliga-Tor

10 | Dominik Drobisch und das Happy End

11 | Savaş Erinç und der erste Aufschlag

12 | Marco Terrazzino und das Gänsehaut-Tor

13 | Matthias Born und der Sixpack in Berlin

14 | Kai Rosar und das 6:0 bei den Bayern

15 | Kai Kraft und der letzte Arbeitstag

16 | Robin Szarka und das Dortmund-Spiel

17 | Emin Birinci und das Unterzahl-Spektakel

18 | David Otto und das Erweckungserlebnis

19 | Thorsten Stoll und das alte Klubhaus

20 | Wolfgang Heller und sein ewiger Co-Trainer

21 | Bob Schoos und Geigers Premiere

22 | Markus Althof und der Aushilfsjob

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