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AKADEMIE
11.12.2020

Mein TSG-Moment (17): Emin Birinci und das Unterzahl-Spektakel

Der Fußball steckt voller Emotionen, vor allem, wenn der eigene Verein beteiligt ist. In unserer Serie „Mein TSG-Moment“ blicken aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, Trainer und Spieler der Akademie auf ihre ganz besonderen Momente mit der TSG zurück – ob als aktiv Beteiligte oder als Zuschauer. Heute: Emin Birinci. Der Koordinator Scouting U16 bis Kinderperspektivteam wurde von einem Champions-League-Spiel der Profis hingerissen – obwohl sie es unglücklich verloren haben.

»Das erste Mal ertönte die Champions-League-Melodie in unserem Stadion im August 2017, als in der dritten Qualifikationsrunde Liverpool zu Gast im Kraichgau war. Leider hat es damals nicht gereicht, aber kein Wunder, schließlich standen bei Liverpool acht Akteure auf dem Feld, die zwei Jahre später diesen Wettbewerb gewannen.

Ein Jahr nach dem ersten Vorgeschmack hat sich die TSG dann direkt für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert. Die Auslosung bescherte uns drei europäische Top-Klubs und die Vorfreude auf die Heimspiele war nicht nur bei mir riesengroß. Am vorletzten Spieltag haben wir den ukrainischen Meister Schachtar Donezk empfangen und benötigten dringend einen Sieg, um die Chance auf die K.o.-Runde oder zumindest auf Platz drei und die Qualifikation für die Europa League zu wahren. Dieses Duell mit Donezk liegt fast auf den Tag zwei Jahre zurück. Die zweite Halbzeit wurde zu meinem TSG-Moment.

Die erste Hälfte war fantastisch. Schachtar ging zwar schnell 2:0 in Führung. Andrej Kramarić verkürzte aber mit einem tollen Lupfer auf 1:2, und Steven Zuber besorgte mit einem sehenswerten Kopfball noch vor der Halbzeit das 2:2. Es gab Chancen auf beiden Seiten.

Der Schiri machte eine unglückliche Figur und schickte Ádám Szalai nach einer Stunde mit Gelb-Rot vom Platz. Was danach folgte, waren die packendsten 30 Minuten Fußball, die ich live je gesehen habe. Wer dachte, dass wir uns jetzt hinten reindrängen lassen, sah sich getäuscht. Wir waren auf einen Schlag besser als Donezk! Mutig erspielten wir uns viele gute Aktionen und Schachtar konterte nur noch. Das kleine Hoffenheim, zu zehnt, gegen den Champions-League-Veteranen aus der Ukraine. Die Mannschaft hätte, zumal in Unterzahl, auf Unentschieden spielen können, um wenigstens die Europa League nicht zu gefährden. Stattdessen kreierte sie Chancen über Chancen.

Nico Schulz hatte zehn Meter vor dem Tor eine Riesenmöglichkeit, vergab aber mit seinem rechten Fuß. Kurze Zeit später ließ Reiss Nelson eine hundertprozentige Chance aus und setzte den Ball ein paar Zentimeter neben den Pfosten. Davor hatte Zuber die Latte getroffen. Das war Wahnsinn! Keeper Oli Baumann rettete zwei Mal in der Schlussphase und auch uns stand bei zwei Pfostentreffern das Glück zur Seite. Leider kam es dann so, wie es kommen musste: Donezk erzielte in der Nachspielzeit das 3:2 und versetzte der TSG den Königsklassen-K.o.

Auf der einen Seite war ich aufgrund der Niederlage sehr enttäuscht. Auf der anderen Seite überwog aber der Stolz. In der heutigen Zeit geben viele Mannschaften medienwirksam an, „offensiv und mutig“ spielen zu wollen. Nur sieht man das selten. Bei uns in der Jugend sind wir es gewohnt, dass unsere Teams sich nicht verstecken, dominant auftreten und so den Spielen ihren Stempel aufdrücken. Unsere Profis zelebrierten auch in der Bundesliga erfrischenden Offensiv-Fußball und erzielten sehr viele Tore. Diese Spielweise dann aber in der Champions League im Duell mit den besten Mannschaften Europas geboten zu bekommen, war ein fantastisches Gefühl.

Schon gegen Manchester City hatten wir ein wirklich gutes Spiel abgeliefert, obwohl wir stark ersatzgeschwächt gegen dieses Starensemble antreten mussten. Die 30 Minuten in Unterzahl gegen Donezk waren, vom fußballphilosophischen Standpunkt aus gesehen, aber die Krönung. Den Umständen trotzend hatte das Team weiterhin offensiv gespielt und dabei sicher nicht nur mich in seinen Bann gezogen. Ich war begeistert.«

Ein Blick zurück: 27. November 2018 | TSG verliert kurz vor Schluss gegen Donezk

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