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AKADEMIE
01.12.2020

Mein TSG-Moment (13): Matthias Born und der Sixpack in Berlin

Der Fußball steckt voller Emotionen, vor allem, wenn der eigene Verein beteiligt ist. In unserer Serie „Mein TSG-Moment“ blicken aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, Trainer und Spieler der Akademie auf ihre ganz besonderen Momente mit der TSG zurück – ob als aktiv Beteiligte oder als Zuschauer. Heute: Matthias Born. Der ehemalige sportliche Leiter der Akademie (2004 bis 2009) und heutige Trainer des FC-Astoria Walldorf schwärmt vom 6:1 der B-Junioren gegen Hertha BSC, das 2008 den Weg zur Deutschen Meisterschaft ebnete.

»Das Halbfinal-Hinspiel um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft 2008 war etwas Besonderes für uns. Die Nachwuchsabteilung der TSG steckte praktisch noch in der Kinderschuhen, während die Profis gerade im Eiltempo in Richtung Bundesliga rasten. Doch in der Saison 20007/08 hatte unsere U17 mit dem Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft bundesweit für Aufsehen gesorgt. Somit hatten sich unsere Jungs für das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, die Auslosung bescherte uns Hertha BSC. Zum ersten Mal in meiner Zeit als sportlicher Leiter nahm ich das Flugzeug, um bei einem Auswärtsspiel dabei zu sein.

Ich hatte meinen Job im Sommer 2004 angetreten und ließ meine aktive Laufbahn parallel dazu in der Saison 2004/05 in der ersten Mannschaft ausklingen. Nach dem Aufstieg der A-Junioren in die Bundesliga wollten wir uns in der Saison 2006/07 auch mit den B-Junioren für die oberste Spielklasse qualifizieren, die in der darauffolgenden Spielzeit eingeführt wurde. Wir erreichten mit Trainer Guido Streichsbier dieses Ziel und bastelten parallel am Kader für die Premieren-Saison.

Seit der D-Jugend hatte ich bereits an den 1991er-Talenten des VfL Neckarau „gebaggert“, die von vielen anderen Bundesliga-Klubs umworben waren. Es war viel Arbeit, bis wir die sieben Jungs, die auf unserer Liste standen, davon überzeugt hatten, in ihrem zweiten B-Jugend-Jahr in den Kraichgau zu kommen. Darunter die späteren Bundesliga-Profis Pascal Groß, Manuel Gulde und Marco Terrazzino sowie Robin Szarka, der noch immer für die TSG am Ball ist. Mit einigen weiteren Top-Talenten, die schon zwölf Monate zuvor zu uns gestoßen waren, hatten wir im Sommer 2007 eine richtig starke Truppe zusammen.

Es gab damals noch kein Spielerwohnheim, aber die Jungs kamen ohnehin alle aus der Umgebung, so dass das gar nicht nötig war: Mannheim, Heddesheim, Neckarsulm, Östringen, Heilbronn, Frauenweiler. Mit Ausnahme von Torhüter Daniel Strähle, der in einer Gastfamilie wohnte, lebten alle Jungs noch bei ihren Eltern.

Dass wir mit den Besten würden mithalten können und in diesem Kader viel Potenzial steckte, war uns durchaus bewusst. Wie weit unsere Reise gehen würde, konnten wir jedoch nicht genau vorhersagen. Die Meisterschaft in der Staffel Süd/Südwest feierten wir am letzten Spieltag. Sie war ein erster Zwischenstopp, doch nun war das Team heiß und wollte mehr. Die Jungs waren schon einige Tage zuvor mit dem Bus nach Berlin gefahren, ich flog nach. Hauptstadt. Halbfinale. Das war Neuland für uns.

In das Amateurstadion neben dem großen Olympiastadion waren auch viele Hoffenheimer gekommen, darunter der damalige Manager Jan Schindelmeiser, und auch Stephan Groß, der Vater von Pascal, der die Neckarauer jahrelang beim VfL trainiert hatte. Die Hertha hatte sich in der Nordost-Staffel dank eines um einen Treffer besseren Torverhältnisses gegen den VfL Wolfsburg durchgesetzt und war zu Hause ohne Niederlage geblieben. Mit Lennart Hartmann hatten die Berliner einen „Star“ in ihrem Team, der schon ein gestandener Juniorennationalspieler war, während unser Jungs gerade erst nach und nach dazu wurden.

Das Spiel lief von der ersten Minute an in unsere Richtung. Bis zur Pause hatte Pascal Groß einen lupenreinen Hattrick erzielt, nach dem Wechsel packten Robin Neupert, Christian Grassel und Pascal zum Vierten innerhalb von einer Viertelstunde drei weitere Tore drauf, der Ehrentreffer der Hertha fiel nicht mehr ins Gewicht.

Die Gefühlslage nach dem Schlusspfiff war mein TSG-Moment. Wir hatten mal eben 6:1 in Berlin gewonnen, um mich herum nur Jubel, Stephan Groß strahlte über beide Ohren. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass wir im Finale – sofern wir es erreichen – Heimrecht haben würden, und bei allem Respekt: Wann hat ein Team schon mal einen 6:1-Hinspielsieg vergeigt? Dass die Jungs das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Dietmar-Hopp-Stadion bestreiten würden, daran bestand nach dem Gala-Auftritt in Berlin kein Zweifel, und sie hatten es sich redlich verdient!

Selbstvertrauen hatte die Mannschaft über die gesamte Saison getankt, aber jetzt hatte sie die „Wer will uns eigentlich schlagen?“-Mentalität. Die Truppe war heiß auf das Finale. An das 1:3 im Rückspiel gegen Hertha habe ich keine Erinnerungen. An das Finale gegen Dortmund – in dem die Jungs beim 6:4 wieder einen Sechserpack schnürten – umso mehr. Aber das ist eine andere Geschichte.«

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