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U23
13.05.2021

„Hoffe zwo“-Serie (28): Vestergaards perfekter Schritt

TSG Hoffenheim II, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen. In den zurückliegenden „U23-Wochen“ haben wir auf ehemalige wie aktuelle „Hoffe zwo“-Protagonisten und denkwürdige Ereignisse zurückgeblickt. Mit dem Interview mit dem heutigen Premier-League-Profi Jannik Vestergaard biegen wir auf die Zielgerade unserer U23-Serie, die nächste Woche endet, ein.

Jannik Vestergaard meldet sich während der Heimfahrt nach dem Abschlusstraining. Am Folgetag trifft er mit seinem Southampton FC auf Crystal Palace, wird wie gewohnt 90 Minuten durchspielen, eine Gelbe Karte sehen und sich am Ende über einen 3:1-Sieg freuen. Über zehn Jahre ist es her, dass der dänische Nationalspieler als Teenager nach Hoffenheim wechselte und über „Hoffe zwo“ den Weg zum Profi-Fußball einschlug, der ihn nach 71 Bundesliga-Einsätzen für die TSG zu Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und schließlich in die Premier League zum Southampton FC führte.

Der Sohn eines dänischen Vaters und einer deutschen Mutter kam 1992 im Kopenhagener Vorort Hvidovre zur Welt. Großvater Hannes Schroers spielte einst für Fortuna Düsseldorf und West Ham United, Onkel Jan Schroers wurde mit der A-Jugend Bayer Uerdingens 1987 Deutscher Meister und Cousin Mika Schroers gehört zum aktuellen U19-Kader Borussia Mönchengladbachs.

Über die Stationen BK Vestia, BK Frem und Kjöbenhavns Boldklub (KB) kam Vestergaard schließlich zu Brøndby IF, wo ihm ein Wachstumsschub derart zu schaffen machte, dass seine Karriere als B-Jugendlicher ins Stocken geraten war. Bei einem Derby gegen den FC Kopenhagen, als ein Hoffenheimer Scout eigentlich einen Spieler des Gegners beobachten sollte, fiel der Abwehrhüne dann aber sehr positiv auf – und räumte bei einem Hallenturnier in Linkenheim bei Karlsruhe letzte Zweifel an seiner Verpflichtung aus dem Weg. Im Sommer 2010 wagte der damals 17-Jährige den Sprung aus dem Großraum Kopenhagen in den beschaulichen Kraichgau, wohnte zunächst in Wiesloch und später in Heidelberg.

Jannik, kannst Du Dich noch an Deine Anfangszeit in Hoffenheim erinnern?

„Das ist schon eine Weile her. Ich weiß nur, dass das ein Riesenschritt in den Erwachsenenfußball war und ich als Jugendspieler erschrocken bin. Nach meiner Ankunft ging es mit der U23 sofort ins Trainingslager, wo ich mit der deutschen Laufschule Bekanntschaft machte. Der damalige Co-Trainer Otmar Rösch lief mit uns los – und wir wussten nicht, wie lang die Strecke sein würde. Am Ende waren es 15 Kilometer. Da habe ich mich schon gefragt, wo ich hier eigentlich gelandet bin.“

Aber anschließend lief es für Dich doch ganz gut!

„Ich musste mich aber an viele Dinge erst noch gewöhnen. Unter der Woche habe ich bei den Profis trainiert und am Wochenende in der U23 gespielt. Das war zwar nicht die Bundesliga, aber eben doch Herren-Fußball und das auf einem physischen Niveau, das ich nicht kannte. Das war ‚richtiger Fußball'. Auch das größere Zuschauerinteresse wie etwa in Kassel, Saarbrücken oder Mannheim war neu für mich.“

Dein erstes Pflichtspiel für „Hoffe zwo“ liegt fast elf Jahre zurück, ein 5:1 in Worms. Ein Zuschauer auf der Tribüne bezeichnete Dich wegen Deiner Körpergröße von fast zwei Metern als „Laternenmast“…

„Ich weiß noch, dass ich mit Kai Herdling und Alexander Rosen zusammengespielt habe und kann mich noch gut an Kevin Conrad erinnern. Mit Dominik Kaiser habe ich noch hin und wieder Kontakt, er hat ja vor kurzem auch bei Brøndby gespielt. Da waren einige gute Leute dabei. Ich denke zwar nicht oft an die Vergangenheit, aber wenn, dann blicke ich mit Nostalgie auf diese Zeit zurück.“

Es kam auch durchaus vor, dass Du an einem Wochenende 180 Minuten im Einsatz warst…

„Daran erinnere ich mich dunkel. Die U19 stand etwas unter Druck, Denis Thomalla und ich wurden gefragt, ob wir aushelfen können. Da stand ich dann am Freitagabend 90 Minuten für die U23 und am Samstag nochmal 90 für die A-Jugend auf dem Platz. Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich einmal sogar ein Tor geschossen, das war verrückt.“

Wenige Wochen später standst Du das erste Mal im Bundesliga-Kader, im April 2011 hast Du Dein Profi-Debüt gegeben. Die U23 war also ein gutes Sprungbrett für Dich?

„Der Wechsel nach Hoffenheim war ein großer, aber richtiger Schritt. Zu Beginn war es sehr hart, aber es war die perfekte Entscheidung und ich bin dadurch definitiv schneller erwachsen geworden. Der Verein hat an mich geglaubt und mir eine große Chance gegeben. Mit Spielern wie Demba Ba, Luiz Gustavo, Sejad Salihović oder Vedad Ibišević zu trainieren, war eine sehr große Herausforderung, die mich aber auch enorm weitergebracht hat. Genau wie die Art und Weise, wie in Hoffenheim Fußball gespielt wurde, mit hohem Pressing und so weiter: Damals innovativ und heute noch immer aktuell. Eine schöne und lehrreiche Zeit.“

In einem Interview mit dem TSG-Stadionmagazin hast Du Dich damals noch bewundernd über die Profis geäußert und gesagt, Du musst noch lernen, schneller zu denken, als die Stürmer. Jetzt gehörst Du selbst zu den Spielern, auf die der Nachwuchs hochschaut…

„Ich überlasse es anderen, meine Karriere zu beurteilen. Natürlich ist es eine Ehre, wenn mich tatsächlich jemand als Vorbild sieht.“

Immerhin bist Du Nationalspieler und stehst bei einem Premier-League-Klub unter Vertrag!

„Ich bin mit meinem Weg durchaus zufrieden. Aber als Profi vergisst man, den Moment zu genießen. Man ist immer gestresst, will immer mehr erreichen und sich immer weiter verbessern.“

Hast Du noch Kontakt zu ehemaligen TSG-Weggefährten?

„Von den aktuellen Spielern sind das Sebastian Rudy und Oliver Baumann. Wir sehen uns selten – aber wenn, dann ist es wie in alten Tagen, als wäre keine Zeit vergangen. Auch zu Andreas Beck, Tobias Strobl, Kevin Volland, Dominik Kaiser und Mattthias Jaissle hatte ich ein gutes Verhältnis und freue mich, wenn wir voneinander hören.“

Während Deiner U23-Zeit in Hoffenheim wurdest Du in Deiner Heimat als U19-Spieler des Jahres 2010 ausgezeichnet. Mittlerweile bist du etablierter Nationalspieler, „Danish Dynamite“ ist mit drei Siegen und 14:0 Toren hervorragend in die WM-Quali gestartet. Seid ihr derzeit überhaupt zu schlagen?

„Nein … Doch, natürlich, jede Mannschaft ist schlagbar.“

Was ist euer Erfolgsgeheimnis?

„Wir wissen, dass wir nur als Mannschaft funktionieren und nicht Frankreich sind, das drei Teams zusammenstellen könnte und mit jedem Titelchancen hätte. Umso wichtiger ist es für uns, eine verschworene Gemeinschaft zu sein, und das sind wir. Der Zusammenhalt in unserer Kabine ist unglaublich.“

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