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U23
15.03.2021

„Hoffe zwo“-Serie (13): Alfons Amade, der Pionier

TSG Hoffenheim II, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen. In den „U23-Wochen“ blicken wir auf ehemalige wie aktuelle „Hoffe zwo“-Protagonisten und denkwürdige Ereignisse. Heute: Alfons Amade im Porträt.

Als Alfons Amade im Sommer 2009 zum ersten Mal den Kunstrasenplatz hinter dem Dietmar-Hopp-Stadion betrat, war er eingeschüchtert. Der neunjährige Junge aus Mannheim-Vogelstang war nach Hoffenheim gekommen, um am Training des Kinderperspektivteams (KPT) teilzunehmen – und er hatte gehörigen Respekt. „Die ganze Anlage, die TSG-Trainer – das war für mich schon beeindruckend und größer als alles, was ich bis dahin kannte“, erinnert sich Amade.

In den Jahren danach sollten die Plätze, die Kabinen und die Mitarbeiter der TSG-Akademie ein zweites Zuhause für den vielseitig einsetzbaren Abwehr- und Mittelfeldspieler werden. Kaum ein „Hoffe“-Talent absolvierte so viele Partien für die U-Mannschaften der TSG wie „Alfi“. Als KPT-Akteur der ersten Stunde war er zudem in vielerlei Hinsicht ein Pionier: So war Amade nicht nur der erste KPT-Schützling, der Junioren-Nationalspieler wurde. Er war gemeinsam mit Emilian Lässig und Lennart Grimmer auch der Erste, der es vom Kinderperspektivteam in die Junioren-Bundesliga geschafft hat. Und dann feierte Amade im März 2019 auch noch sein Bundesliga-Debüt bei den Profis – natürlich als erster Hoffenheimer, der schon im KPT das TSG-Trikot getragen hatte.

Von den Käfigen ins KPT

Angefangen hat für den heute 21-jährigen Amade alles in den Käfigen des Mannheimer Stadtteils Vogelstang. „Ich war als Kind immer viel draußen. Oft zusammen mit meinem Vater, der ein großer Fußballfan war und dann auch mein Interesse für Fußball geweckt hat“, erzählt Amade. Auf den Bolzplätzen und kurze Zeit später beim SSV Vogelstang jagte er begeistert dem Ball hinterher. Und er hatte Talent. Zur U9 wechselte Amade zu Waldhof Mannheim. Den Traum, Profi zu werden, hatte er damals genauso wie viele andere Jungs. Cristiano Ronaldo und Ronaldinho waren seine Helden.

Als 2009 dann die Einladung zum Probetraining für das KPT kam, tat sich die nächste große Chance für das Talent auf. Amade wurde in das noch ganz frisch gegründete KPT aufgenommen und ein Jahr später folgte der feste Wechsel in die U12 der TSG. Von da an war Amade in den Hoffenheimer U-Teams gesetzt. Erst als Sechser im Mittelfeld, dann von der U15 bis zur U19 als Innen- und anschließend als Rechtsverteidiger sowie heute wieder als Sechser oder Achter im Mittelfeld.

Stammgast beim DFB

Verletzt war er bis zur U19 so gut wie gar nicht und gegen interne Konkurrenten setzte er sich stets durch. „Ich wusste irgendwann schon, dass ich was draufhabe. Aber ich habe mich nie als was Besseres gefühlt. Für Hoffenheim auf dem Platz zu stehen, war für mich immer das Größte.“

Nach der U15 übersprang Amade einen Jahrgang und spielte als 1999er-Jahrgang bereits bei den 98ern in der U17 mit. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits deutscher Junioren-Nationalspieler. Für den DFB durchlief der zurückhaltende Mannheimer von der U15 bis zur U20 alle Nachwuchsteams. „Auch wenn ich relativ oft dabei war, habe ich mich jedes Mal wieder darauf gefreut, zum DFB zu kommen. Das Nationaltrikot zu tragen und die Hymne zu hören, war immer etwas Besonderes“, sagt Amade.

Mit dem Adler auf der Brust lief es gut: 2016 erreichte er etwa mit der U17 bei der Europameisterschaft in Aserbaidschan das Halbfinale. Und auch bei der TSG war Amade weiterhin gesetzt. Zur Saison 2015/16, in seinem zweiten U17-Jahr, bekam er mit Marcel Rapp zudem einen Coach, unter dem er drei Jahre bis zum Ende der U19 spielen und der ein wichtiger Förderer für Amade werden sollte. „Er war ja früher auch Defensivspieler. Das war für mich ein großer Vorteil, da er vieles, was mich betroffen hat, gut nachvollziehen konnte. Außerdem war er immer sehr nah an der Mannschaft und ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihm.“

Harmonische Zeit bei Gastfamilie

Ein gutes Miteinander mit seinen Trainern und Mitspielern sowie mit seiner Gastmutter Magdalena Frank war für Amade entscheidend dafür, dass er sich in der TSG-Akademie immer zu Hause gefühlt hat. Im Alter von 16 Jahren sein Elternhaus in Mannheim zu verlassen und in eine Gastfamilie nach Sinsheim zu ziehen, war nicht einfach, doch Gastmutter Magdalena Frank war für Amade ein Glücksgriff. „Magda war das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin sehr froh, dass ich drei Jahre bei ihr wohnen durfte. Sie war immer für mich da.“

Nach einem zweiten und einem dritten Platz mit der U17 und einem vierten Rang mit der U19 beendete Amade seine Zeit im Jugendfußball 2018 mit dem Gewinn der Süddeutschen A-Jugend-Meisterschaft. Die U19 der Saison 2017/18 war für den Rechtsverteidiger eine ganz besondere Mannschaft: „Da hat einfach das Gesamtpaket gestimmt: Wir waren eingespielt, hatten starke Neuzugänge und eine gute Verbindung zum Trainer.“

Die Saison endete mit der Niederlage im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04. Für Amade nicht nur das Schlusskapitel seiner Jugendzeit bei der TSG, sondern auch der Abschied von langjährigen Mitspielern wie Lennart Grimmer, mit dem er acht Jahre gemeinsam in Hoffenheim gespielt hatte. „Viele der 99er haben sehr lange zusammen gespielt. Da war es natürlich krass, dass dann so ein Cut kam. Aber wir waren auch stolz auf unseren gemeinsamen Weg und die erfolgreiche Zeit.“

Hartes erstes Herrenjahr

Für Amade ging der Weg bei der TSG weiter. Seine guten Leistungen hatte der Verein mit einem Profivertrag belohnt – und so nahm das Eigengewächs im Sommer 2018 die Vorbereitung beim Bundesligateam von Julian Nagelsmann auf. „Das war ein großer Schritt. Der Trainer hat jeden Tag sehr viel von uns verlangt. Für mich war es eine große Herausforderung, auf diesem Niveau zu spielen. Da habe ich gesehen, wo ich mal hinwill.“

Seine Spielpraxis holte sich Amade in seiner ersten Herrensaison zunächst bei der U23, für die er regelmäßig auflief. Nebenbei machte er an der Max-Weber-Schule in Sinsheim noch sein Fachabitur und war immer wieder mit der deutschen U20-Nationalmannschaft unterwegs. „Die Belastung in diesem Jahr war schon sehr groß. Oft bin ich direkt von der Schule ins Training gegangen und musste dann abends noch lernen oder Hausaufgaben machen.“

Unvergessliche Youth-League-Erlebnisse

Hinzu kam dann auch noch die UEFA Youth League. Als einer von drei einsatzberechtigten U20-Spielern durfte Amade bei der Premiere der TSG-Akademie auf internationalem Parkett mitwirken. Doch auch wenn der Terminkalender dadurch noch voller wurde, will Amade dieses Erlebnis nicht verpasst haben. „Die Spiele in der Youth League hatten einen ganz besonderen Reiz und die Art und Weise, wie wir dort gespielt haben, war toll.“

Unglücklicherweise musste Amade, der zuvor bei allen sieben Youth-League-Partien in der Startelf gestanden hatte, ausgerechnet bei dem legendären Viertelfinalsieg gegen Real Madrid zuschauen. Eine Rückenverletzung machte seinen Einsatz unmöglich. „Ich hatte noch versucht mich aufzuwärmen, aber habe dann gemerkt, dass ich nicht bei 100 Prozent wäre. Da musste ich an die Mannschaft denken.“ Es spricht für seinen Charakter, dass Amade das Spiel gegen Real, obwohl er es 90 Minuten auf der Bank erlebte, als seinen persönlichen Höhepunkt dieser Youth-League-Saison sieht.

Bundesligadebüt in Frankfurt

Einen Monat zuvor hatte Amade ein weiteres großes Highlight erleben dürfen. Nachdem er in der Vorwoche bei RB Leipzig erstmals im Bundesligakader aufgetaucht war, feierte er am 2. März 2019 bei Eintracht Frankfurt sein Debüt bei den TSG-Profis. „Als ich reinkam, habe ich sofort in allen Gesichtern der Spieler auf dem Platz gesehen, dass es hier um alles geht. Das war schon etwas anderes. Zumal die Kulisse und die Stimmung in Frankfurt beeindruckend waren. Leider ist das Spiel mit zwei späten Gegentoren und der 2:3-Niederlage etwas unglücklich gelaufen.“

Für regelmäßige Auftritte in der Bundesliga reichte es jedoch noch nicht. „Ich war damals noch nicht so weit und daher froh, dass ich in der U23 Spielpraxis sammeln konnte.“ Um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu machen, wechselte Amade im Sommer 2019 für ein Jahr auf Leihbasis zum Drittligisten Eintracht Braunschweig. Doch er kam in der ganzen Saison nur vier Mal zum Einsatz. „Sportlich war das natürlich enttäuschend. Die Spielphilosophie war eine ganz andere, als ich es von der TSG gewöhnt war“, gibt Amade zu. „Aber die Erfahrung, mal aus Hoffenheim rauszukommen und auf sich allein gestellt zu sein, war trotzdem sehr wichtig.“

Optimistisch für Abstiegskampf

Das Jahr in Braunschweig endete immerhin mit dem Aufstieg in die Zweite Liga. Dennoch war Amade froh, im vergangenen Sommer wieder zurück zur TSG zu kommen und einen Neuanfang in der U23 zu machen. „Es macht mich einfach glücklich, für diesen Verein zu spielen. Und jetzt bin erst mal froh, dass ich wieder regelmäßig auf dem Platz stehe.“

Auch bei Profitrainer Sebastian Hoeneß ist Amade wieder auf dem Radar aufgetaucht. So mischt er immer mal wieder im Training der Lizenzspieler mit. Beim Gastspiel bei Schalke 04 stand der 21-Jährige bereits im Kader und Mitte Dezember gab er beim 4:1-Erfolg in der Europa League gegen die KAA Gent sein Europapokaldebüt.

Und dann ist da ja auch noch der Abstiegskampf mit der U23 in der Regionalliga. „Da lernen wir jetzt mal die harte Realität des Herrenfußballs kennen. Man merkt einfach, dass es nun in jedem Spiel ums Ganze geht“, sagt Amade, der trotz der bislang enttäuschenden Ergebnisse optimistisch ist. „Wir sind jetzt auf einem guten Weg.“

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