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U23
08.02.2021

„Hoffe zwo“-Serie (3): Als „Schippo“ den Fünferpack schnürte

TSG Hoffenheim II, TSG-Reserve, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen und sie auf das höchste Niveau zu bringen. In den kommenden „U23-Wochen“ blicken wir in unserer neuen Serie unter anderem auf denkwürdige Momente seit dem Oberliga-Aufstieg 2003 zurück, sprechen mit „Ehemaligen“ und stellen aktuelle Hoffnungsträger vor. Heute: Der Rückblick auf ein denkwürdiges „Hoffe zwo“-Spiel, in dem gleich zwei Rekorde aufgestellt wurden, die heute noch Bestand haben.

Die U23 strotzte im September 2011 vor Selbstvertrauen. Das Team von Trainer Frank Kramer hatte gerade in der Regionalliga Süd vier Siege in Serie eingefahren und einem 7:0 beim TSV 1860 München II weitere Dreier in Memmingen (2:0), gegen Worms (6:0) und in Kassel (3:1) folgen lassen. Jetzt kam der SC Pfullendorf in die Silbergasse und die Favoritenrolle war klar vergeben: Durch ihren positiven Lauf hatte sich die Kramer-Elf auf Platz zwei katapultiert. Der SCP kam als siegloses Schlusslicht daher. Elf Jahre zuvor waren die Rot-Weißen noch knapp am Zweitliga-Aufstieg gescheitert, nun drohte der Sturz ins Bodenlose.

Kramer musste auf seinen Stürmer Denis Thomalla verzichten, der sich eine Innenbandverletzung am Knie zugezogen hatte und zwei Wochen pausieren musste. Für ihn kam Verstärkung aus dem Profi-Kader: Sven Schipplock, zu Saisonbeginn vom VfB Stuttgart in den Kraichgau gewechselt, sollte Spielpraxis sammeln und sein Debüt für „Hoffe zwo“ geben. „Besser kann man sich natürlich nicht empfehlen“, sollte Kramer später den Auftritt des 22-Jährigen kommentieren. „Aber genau so etwas wird von einem Profi auch erwartet.“

Vier Tore in 23 Minuten

Mit Koen Casteels, Jannik Vestergaard, Tobias Strobl, Kai Herdling – und Schipplock selbst – standen für die TSG-Reserve fünf Akteure auf dem Rasen, die im Laufe ihrer weiteren Karriere in der  Bundesliga spielen sollten. Alleine im ersten Durchgang dröhnte der Name „Sven Schipplock“ vier Mal über die Lautsprecheranlage. Zunächst in der 17. Minute, als „Schippo“ nach Zuspiel Herdlings SCP-Keeper Sebastian Willibald umkurvte und zum 1:0 überwand.

Fünf Minuten später war die Profi-Leihgabe erneut zur Stelle. Vestergaard bediente Nicolai Groß, zu diesem Zeitpunkt mit acht Treffern bester Torjäger der Liga, der selbst hätte abschließen können, aber auf den noch besser postierten Sturmpartner ablegte – 2:0. Das 3:0 (27.) und 4:0 (40.) fielen nach demselben Muster: Vorarbeit Groß bzw. Herdling, Torschütze Schipplock, der nur noch an Willibald vorbeischieben musste und es einfach aussehen ließ.

Die drei Punkte waren zur Halbzeit bereits unter Dach und Fach, es ging jetzt nur noch um die Höhe des Sieges – und ob „Schippo“, der seine Schuldigkeit längst getan hatte, noch ein paar Tore draufpacken würde. Ihm gelang tatsächlich ein weiteres. Weil der etatmäßige Elfmeterschütze Herdling – zwei Tage zuvor stolzer Vater eines Mädchens geworden und entsprechend übermüdet – bereits ausgewechselt war, trat Schipplock an und hämmerte die Kugel zum 8:0-Endstand in den Winkel. Zuvor hatten zur Abwechslung Herdling (Strafstoß nach Foul an Schipplock), Marco Schäfer und Robin Neupert getroffen.

Zwei Bestmarken bis heute

8:0, Fünferpack Sven Schipplock. Beide Leistungen bildeten eine neue Bestmarke für „Hoffe zwo“. Bis heute ist es der höchste Sieg einer Hoffenheimer U23 in der Regionalliga, nie zuvor oder danach traf ein Hoffenheimer fünf Mal in 90 Minuten. Überhaupt ist dieses Kunststück in der Regionalliga Süd (1994-2012) nur einem Spieler gelungen: Dem Fürther Frank Türr im März 1997 beim 5:0 der SpVgg gegen die TSF Ditzingen.

„Hoffe zwo“ legte eine Woche später ein 5:0 in Ingolstadt nach, ehe die Erfolgssträhne am Monatsende beim 0:1 gegen den späteren Meister Stuttgarter Kickers riss. Am Ende der Saison belegte die Kramer-Elf Platz sieben, Pfullendorf hielt die Klasse nur aufgrund der Liga-Reform: Die Anzahl der Staffeln wurde von drei auf fünf erhöht, die „Süd“ aufgelöst und durch die „Südwest“ ersetzt. Seitdem hat es übrigens auch von keinem anderen Spieler einen weiteren Fünferpack gegeben.

Und wie ging es mit „Schippo“ weiter? Der absolvierte in jener Saison und den kommenden drei Spielzeiten noch in Summe sieben weitere U23-Spiele, in denen er seinem Konto fünf Treffer hinzufügte. Acht Einsätze, zehn Tore – ein ordentlicher Schnitt. In der TSG-Historie hat der Reutlinger einen festen Platz. Wegen des Elfmeters, den er im „Nicht-Abstiegsspiel“ 2013 bei Borussia Dortmund herausholte und den Sejad Salihović zum 2:1-Siegtreffer verwandelte. Aber auch wegen seines Fünferpacks gegen Pfullendorf.

TSG 1899 Hoffenheim II – SC Pfullendorf 8:0 (4:0)
Hoffenheim:
Casteels – Klingmann, Vestergaard, Neupert, Szarka – Conrad, Strobl (52. Ruck), Schäfer – Herdling (63. Sassi), Groß (59. Gyau), Schipplock.
Pfullendorf: Willibald – Straub, Ovuka (71. Biggel), Schinn (46. Werne), Dicklhuber – Braun, Schreyeck, Falkenmayer – Saccone, Jeske (12. Beran) – Teever.
Tore: 1:0 Schipplock (17.), 2:0 Schipplock (22.), 3:0 Schipplock (27.), 4:0 Schipplock (40.), 5:0 Herdling (47., Strafstoß), 6:0 Schäfer (66.), 7:0 Neupert (70.), 8:0 Schipplock (90., Strafstoß). Zuschauer: 300. Schiedsrichter: Dirk Wijnen (Hannover). Karten: Gelb für Straub; Gelb-Rot für Schreyeck (73., Foulspiel).
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 18. September 2011

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