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U23
03.02.2021

„Hoffe zwo“-Serie (2): Fisnik Asllani auf den Spuren seines Co-Trainers

TSG Hoffenheim II, TSG-Reserve, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen und sie auf das höchste Niveau zu bringen. In den kommenden „U23-Wochen“ blicken wir in unserer neuen Serie unter anderem auf denkwürdige Momente seit dem Oberliga-Aufstieg 2003 zurück, sprechen mit „Ehemaligen“ und stellen aktuelle Hoffnungsträger vor. Heute: Sommerneuzugang Fisnik Asllani im Porträt.

Der Weg von Fisnik Asllani erinnert bisweilen stark an den seines Co-Trainers und Mitspielers bei der U23. Ebenso wie Sejad Salihović ist auch der 18-jährige Stürmer in Berlin groß geworden und dann zur TSG gekommen, um im Kraichgau den Durchbruch zu schaffen. „Wir haben schon ab und zu mal darüber gesprochen und gelacht. Natürlich ist es mein Ziel, auch so weit zu kommen wie Sali“, sagt Asllani. Zum Status der Klublegende und den beinahe 200 Bundesligaspielen des Bosniers ist es zwar noch ein Stückchen, aber Träumen ist ja erlaubt.

Ein Träumer ist der im Sommer von Union Berlin zur TSG gestoßene Asllani allerdings eigentlich nicht. Trotz seines jungen Alters – Asllani wäre sogar noch für die U19 spielberechtigt – weiß der Angreifer, was er will, ohne dabei die Demut zu verlieren. „Ich möchte natürlich mal Profi werden und in der Bundesliga spielen, bin aber momentan erst mal froh, durch die Spiele in der U23 im Herrenfußball Fuß zu fassen.“

Seine ersten fußballerischen Schritte machte Asllani in Berlin-Hohenschönhausen. Durch den fußballbegeisterten Vater entdeckte der kleine Fisnik schon früh seine Liebe zum Ball. „Anfangs war ich mit meinem Vater und Freunden viel auf dem Bolzplatz oder habe auf der Straße gekickt“, erinnert sich Asllani. Im Alter von sechs Jahren fing er dann in der Jugend des früheren DDR-Serienmeisters und heutigen Regionalligisten BFC Dynamo auch im Verein an.

Fachabitur trotz hoher Belastung

Dass er besser war als seine Mitspieler, merkte der Stürmer erst relativ spät. „So richtig bewusst wurde mir das erst in der U16, als ich bereits bei Union war. Ich glaube, ich war schon eher ein Spätentwickler, aber dann ging alles ganz schnell.“ Nachdem der heutige Bundesligist aus dem Stadtteil Köpenick ebenso wie Hertha BSC schon zuvor mehrfach Interesse an ihm hinterlegt hatte, war Asllani zur U15 zum 1.FC Union gewechselt. „Ich war mir lange nicht sicher, ob ich den Schritt wagen sollte und habe es mir mit meiner Familie sehr gründlich überlegt.“

Bereut habe er den Wechsel nicht, auch wenn sein Leben damit anstrengender wurde. „Um von Hohenschönhausen nach Köpenick zu kommen, musste ich eine Stunde mit der Bahn fahren. Ich hatte häufig bis nachmittags Schule, bin dann direkt zum Training gefahren und habe in der U15 trotzdem oft die Hälfte des Trainings verpasst.“

Die Schule und den Fußball unter einen Hut zu bringen, gelang Asllani trotzdem gut. Aktuell steht er kurz vor seinem Fachabitur, für das er nur noch ein Praktikum absolvieren muss. „Meine Familie, Lehrer und Trainer haben mich immer sehr unterstützt. Das hat mir geholfen.“ Sportlich lief es bei Union zudem bestens. „Ich bin sehr froh, dass man mir dort viel Zeit gegeben hat, damit ich mich in Ruhe entwickeln konnte.“ Die Geduld mit dem talentierten Angreifer zahlte sich aus. In der Saison 2018/19 traf Asllani für die U17 der Köpenicker in der B-Jugend-Bundesliga Nord/Nordost 23-mal in 23 Spielen.

Starke Torquoten in der U17 und U19

Durch seine Leistungen geriet der Stürmer auch in den Fokus von Unions Profi-Trainer Urs Fischer, der Asllani in der Aufstiegssaison der Köpenicker mit ins Wintertrainingslager nach Spanien nahm. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt wirklich noch gar nicht damit gerechnet. Aber natürlich war es eine sehr schöne Erfahrung. Auch weil ich gemerkt habe, dass ich fußballerisch schon mithalten kann. Aber das Tempo und das Körperliche waren etwas ganz Anderes, als ich es gewohnt war.“

Die starke Torquote und der erste Auftritt im Kreis der Profis als damals 16-Jähriger machte Klubs aus ganz Deutschland auf Asllani aufmerksam. „Das war anfangs keine leichte Situation für mich, denn die Gefahr, bei all diesen Anfragen etwas arrogant zu werden und abzuheben, war schon da. Zum Glück haben mich meine Eltern dafür zu gut erzogen.“ Nicht nur für seine Erziehung ist der 18-Jährige seiner Mutter und seinem Vater dankbar. Schon bei den ersten Anfragen von Klubs außerhalb Berlins beschloss die Familie, dass sie Fisnik begleiten werde – ganz egal, wo es ihn hinziehen würde. „Das war sehr wichtig für mich und trotz dieser Entscheidung haben mir meine Eltern nie Druck gemacht.“

Die Anfragen wurden auch in der ersten U19-Saison nicht weniger, denn die starke Torquote behielt Asllani bei. Bis zum Abbruch durch die Corona-Pandemie traf er in 16 Spielen 15 Mal. Vor allem durch ein Spiel machten der Union-Nachwuchs und insbesondere Asllani auf sich aufmerksam: Im August 2019 schlugen die Berliner Holstein Kiel mit 13:0, was gleichbedeutend mit dem höchsten Sieg in der Geschichte aller A-Jugend-Bundesligen war. Allein Asllani gelangen fünf Treffer, womit sein Name es endgültig in die Notizbücher von so gut wie jedem Scout schaffte.

Länderspiele in Israel

Auch beim DFB durfte sich der Angreifer nun beweisen. Nachdem er zuvor schon an einigen Lehrgängen teilgenommen hatte, absolvierte er bei einer Israel-Reise im Dezember 2019 seine ersten beiden Länderspiele für Deutschland. Natürlich traf er direkt bei seiner Premiere in der Partie gegen Serbien.

Wenige Monate später entschied sich Asllani dann nach reiflicher Überlegung, eines der vielen Angebote anzunehmen. Es war das aus dem Kraichgau. „Ich habe mir viele Ratschläge eingeholt, aber nur Gutes über die TSG gehört. Die Hoffenheimer Jugendarbeit gilt einfach als eine der besten in Deutschland und als junger Spieler bekommt man hier eine echte Chance, es nach oben zu schaffen.“

Also zog die Familie Asllani im Sommer 2020 von Berlin nach Sinsheim. Die Eltern hatten zuvor 25 Jahre in der Hauptstadt gelebt, Asllani selbst 17, seine Schwester 16 und sein Bruder zwölf Jahre. „Es haben sich aber alle schnell in Sinsheim eingelebt. Nur meine Mutter und meine Schwester vermissen das Stadtleben und das Shoppen manchmal“, sagt Asllani.

Mit Verletzung gestartet

Während die Familie privat schnell in der neuen Heimat ankam und Asllani mit Alexandar Borković schon bald auch jemanden innerhalb der Mannschaft gefunden hatte, mit dem er privat etwas unternahm, musste der Angreifer sportlich erst einmal einen Rückschlag wegstecken. Kaum bei der TSG angekommen zog er sich eine Schambeinentzündung zu. Eine unangenehme und langwierige Verletzung, die der Sturmhoffnung von „Hoffe zwo“ knapp vier Monate auf dem Trainingsplatz und im Kreis der Mannschaft kostete. „Das hat mich schon zurückgeworfen, aber es hatte auch etwas Gutes: In dieser Zeit konnte ich körperlich viel an mir arbeiten und mich somit auf den Herrenfußball vorbereiten.“

Es sollte sich auszahlen: Mitte Dezember gab Asllani beim 2:0-Sieg gegen Eintracht Stadtallendorf als Joker sein Debüt für die TSG und wenige Tage später stand er gegen den FC-Astoria Walldorf erstmals in der Startelf. Beim 3:0-Erfolg im Derby zeigte Asllani sein Potenzial und erzielte mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze sein erstes Tor im Hoffenheimer Trikot. „Das war natürlich schön für mich. Schließlich hatte ich wegen Corona und meiner Verletzung zuvor ein Jahr nicht gespielt und zuletzt in der Reha hart für diesen Moment gearbeitet.“

Für die Unterstützung in der Verletzungszeit und überhaupt in seiner ganzen Karriere empfindet Asllani große Dankbarkeit: „Vor allem meiner Familie habe ich sehr viel zu verdanken. Aber auch ohne die Hilfe meines Fußballlehrers in der Schule, Ulrich Netz, und meiner früheren Trainer Rejhan Hasanović, André Vilk und André Hofschneider hätte ich es nicht so weit geschafft.“

„Zusammenspiel klappt immer besser“

Sportlich ist der gebürtige Berliner mittlerweile im Kraichgau und in der Regionalliga Südwest angekommen. „An den Herrenfußball habe ich mich inzwischen gewöhnt. Ich spiele jetzt eben schon mal gegen Zwei-Meter-Männer, die auch ein bisschen Gewicht auf die Waage bringen und dir einmal öfter auf die Füße steigen als in der Jugend. Aber ich kriege meinen Körper immer besser in die Zweikämpfe und kann auf jeden Fall dagegenhalten.“

Von seinem Team ist der Jungstürmer trotz der durchwachsenen Ergebnisse in der bisherigen Saison überzeugt: „Ich finde, wir sind eine sehr gute Mannschaft, die häufig versucht, fußballerische Lösungen zu finden und immer Spaß am Spielen hat. Und auch für mich klappt das Zusammenspiel mit den Jungs nach der langen Pause immer besser.“

Asllani ist also bereit, um durchzustarten. Dass sein Weg in die Bundesliga trotz seiner rasanten Entwicklung noch steinig sein wird, weiß er. Doch wie schnell es dann manchmal doch gehen kann, hat der Stürmer aus Berlin gerade erst bei seinem Kumpel Marco John gesehen, den er von DFB-Lehrgängen bereits kannte und der zuletzt bei Profi-Cheftrainer Sebastian Hoeneß gesetzt war. Und dann wäre da ja auch noch das prominente Vorbild, das 14 Jahre vor Asllani den gleichen Weg von Berlin nach Hoffenheim genommen hat, neun Jahre geblieben und 171-mal für die TSG in der Bundesliga aufgelaufen ist. „Ich hätte nichts dagegen, wenn es bei mir so ähnlich wie bei Sali laufen würde“, sagt Asllani mit einem Schmunzeln.


DIE "HOFFE ZWO"-SERIE

| Streifzug durch Zahlen und Fakten

 

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