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U23
01.03.2021

„Hoffe zwo“-Serie (9): Emilian Lässig und ein halbes Leben TSG

TSG Hoffenheim II, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen. In den „U23-Wochen“ blicken wir auf ehemalige wie aktuelle „Hoffe zwo“-Protagonisten und denkwürdige Ereignisse. Heute: TSG-Dauerbrenner Emilian Lässig im Porträt.

Zehn Jahre und sieben Monate – so lange ist es her, dass Emilian Lässig ein echter Hoffenheimer wurde. Exakt sein halbes Leben lang ist der 21-Jährige damit nun schon Klubmitglied. „Ich identifiziere mich mit dem Verein. Als Kind habe ich den Bundesliga-Aufstieg im Dietmar-Hopp-Stadion erlebt, bin in der ersten Bundesligasaison zu den Heimspielen nach Mannheim gefahren und war bei der Eröffnung der Rhein-Neckar-Arena vor Ort“, sagt er. „Die TSG ist einfach mein Verein.“

Streng genommen trägt der gebürtige Bruchsaler das TSG-Trikot sogar schon länger als sein halbes Leben. Denn als er noch in der E-Jugend seines Heimatvereins Germania Forst spielte, war er bereits Teil des Kinderperspektivteams (KPT), das damals gerade erst aus der Taufe gehoben worden war. Gemeinsam mit langjährigen Akademie-Spielern wie Lennart Grimmer oder seinem aktuellen Teamkollegen in der U23, Alfons Amade, fand sich Lässig im Sommer 2009 auf dem Kunstrasen-Kleinfeld hinter dem Dietmar-Hopp-Stadion wieder, um zum ersten Mal bei der TSG zu trainieren. „Ich weiß noch, dass ich ziemlich aufgeregt war und alle Kinder damals in irgendwelchen Trikots oder Klamotten von ihren Heimatvereinen trainiert haben, weil es noch keine einheitliche Trainingskleidung gab.“

Wechsel auf die Sechser-Position

Ein Jahr später folgte der Wechsel zur TSG und damit zu dem Verein, bei dem sein Vater Andreas Lässig bereits einige Jahre zuvor als U17-Trainer tätig gewesen war und zu dem dieser später als sportlich Verantwortlicher für den Bereich U14-U16 zurückkehren sollte. Von der U12 bis zur U23 durchlief Emilian Lässig alle Akademie-Teams. Obwohl er als Spätgeborener – Geburtstag am 30. November – immer etwas kleiner und schmächtiger als seine Teamkollegen war, schaffte er Jahr für Jahr den Sprung in die nächste Altersstufe der Akademie.

Während er aktuell als Sechser im Mittelfeld spielt, lief Lässig von der U12 bis zur U19 stets als Linksverteidiger auf. „Eigentlich ist das meine Stammposition, aber es macht mir jetzt auf der Sechs viel Spaß. Dort ist man als Spieler noch mehr gefordert, führt viele wichtige Zweikämpfe und muss Präsenz ausstrahlen.“ Das tat er in der jüngsten Vergangenheit zur Zufriedenheit seines Trainers Kai Herdling. Bevor er zuletzt aufgrund von Adduktorenbeschwerden zwei Partien aussetzen musste, spielte Lässig siebenmal in Folge durch.

In drei Jahren nur drei Spiele verpasst

Die Rolle des Dauerbrenners ist ihm durchaus vertraut. In den drei Jahren Junioren-Bundesliga verpasste er für die U17 und die U19 von 84 Pflichtspielen nur drei. Und im zweiten U19-Jahr bestritt der nimmermüde Linksverteidiger in der A-Jugend-Bundesliga, dem DFB-Pokal und dem Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft alle 32 Partien. Überhaupt dieses letzte Junioren-Jahr, die Saison 2017/18: Für Lässig war sie der krönende Abschluss seiner Zeit als Jugendfußballer. „Wir hatten damals eine super Mannschaft. Viele von uns 99ern kannten sich schon jahrelang und waren perfekt aufeinander abgestimmt. Und dann haben wir mit Spielern wie Christoph Baumgartner oder Moody Chana die idealen Ergänzungen dazubekommen.“

Lässigs Trainer war zudem noch Marcel Rapp, unter dem der Linksverteidiger fast durchgängig seit der U16 gespielt hatte. „Mit ihm kam ich immer sehr gut klar. Am Anfang der U16 war er sich zwar nicht sicher, ob ich es körperlich bis zum Ende der U19 schaffen würde. Aber er hat mir dann gemeinsam mit Co-Trainer Jens Schuster über die Jahre sehr geholfen, mich zu verbessern.“

Besondere Erinnerungen ans Meisterteam 2018

Diese perfekte Mischung führte zur Süddeutschen Meisterschaft, den damit verbundenen Halbfinalspielen um die Deutsche Meisterschaft sowie zum Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal. „Vor allem in der Hinrunde haben wir damals super gespielt. Das war Wahnsinn“, erinnert sich Lässig, dem nur die beiden K.o.-Spiele im Kampf um die „Deutsche“ noch etwas nachhängt: „Da war Schalke einfach einen Tick besser.“  

In der Folgesaison ging der Wahnsinn mit den Auftritten in der Youth League und dem Vorstoßen bis ins Halbfinale jedoch nahtlos weiter. Lässig war damals einer von fünf Akteuren, die als U20-Spieler noch in der Youth League eingesetzt werden durften. Doch da immer nur drei Alt-Jahrgänge auf dem Platz stehen konnten und David Otto, Alfons Amade und Domenico Alberico meistens gesetzt waren, reichte es für Lässig nur zu einer einzigen Kadernominierung für das Auswärtsspiel bei Manchester City. „Natürlich habe ich mir bei den tollen Spielen in der Youth League ab und zu mal gedacht, dass es cool wäre, dabei zu sein. Aber insgesamt war das schon okay für mich und ich habe auf der Tribüne mitgefiebert.“

Abitur mit 17 Jahren

So konnte sich Lässig immerhin ganz und gar auf die U23 konzentrieren. Schließlich war auch die Schule schon längst erledigt. Sein Abitur hatte er bereits 2017 im Alter von 17 Jahren gemacht. Heute studiert Lässig Bauingenieurwesen via Fernstudium, doch als er neu zur U23 kam, lag sein Fokus erst mal voll und ganz auf dem Sport. „Am Anfang habe ich schon gemerkt, dass es etwas ganz anderes ist als in der Jugend. Was das Körperliche, das Tempo und die Abgezocktheit der Gegenspieler angeht, musste ich mich erst umstellen.“

Doch das gelang ihm relativ schnell. In der Hinrunde machte er als Linksverteidiger unter Trainer Marco Wildersinn zehn von 17 Partien und spielte dabei neunmal durch. „Für die Rückrunde habe ich mich dann körperlich auf einem noch besseren Niveau gesehen und wollte richtig angreifen“, erinnert sich Lässig. Doch es kam anders: Anfang Februar 2019 riss er sich im Training das Kreuzband.

Eine schwere Verletzung – eine ganz neue Erfahrung für den Dauerbrenner. „Davor hatte ich noch nicht mal kleinere Muskelverletzungen oder Zerrungen. Ein paar Tage war ich ziemlich niedergeschlagen, aber dann habe ich es angenommen.“ Auf die Operation in Straubing folgten mühsame Monate der Reha. „Ich kam mir in dieser Zeit vor wie ein Individualsportler, weil ich nicht viel vom Training gesehen habe, oft zu anderen Zeiten in der Kabine war als meine Mitspieler und jeden Tag mein eigenes Programm durchgezogen habe.“

Nach dem Kreuzbandriss kam Corona

Auch das Miteinander mit den Teamkollegen vermisste Lässig. „Gemeinsam in der Kabine zu sitzen und zu lachen, wenn jemand was Witziges erzählt - so etwas hat mir schon auch sehr gefehlt.“ Mehr als ein Jahr sollte es dauern, bis Lässig wieder voll da war. „An den ersten beiden Spieltagen nach der Winterpause wurde ich noch geschont, aber im dritten Spiel in Elversberg sollte ich dann zurückkehren.“ Es blieb bei dem Vorhaben, denn unmittelbar vor dem Comeback kam Corona. Die Saison wurde abgebrochen.

Auf ein Jahr Verletzungspause folgten noch einmal sieben Monate ohne Wettkampfpraxis. „Das war bitter für mich, aber ich habe das Beste daraus gemacht und während des Lockdowns zusammen mit meinem Bruder (U19-Spieler Valentin Lässig, Anm. d. Red.) und meinem Papa viel zu Hause trainiert und an mir gearbeitet.“

Abstiegskampf angenommen

Emilian Lässig steckte die ungewohnt lange Pause gut weg. In der aktuellen Runde stand er in 15 von 22 Saisonspielen auf dem Feld. Die Saison verläuft für „Hoffe zwo“ zwar anders als gewünscht, aber Lässig ist trotzdem optimistisch für die am vergangenen Wochenende mit einem Sieg bei Mainz 05 II begonnene Rückrunde. „Wir haben genügend Potenzial in der Mannschaft, um da unten rauszukommen.“

Der Abstiegskampf ist etwas ganz Neues für ihn – aber auch für seine Mitspieler. „Die meisten von uns sind das nicht gewohnt, aber wir wollen da jetzt positiv rangehen. So eine Herausforderung kann ja auch reizvoll sein und wichtig für unsere Karriere werden.“

Lässigs persönliche Entwicklung ging in zehneinhalb Jahren TSG stets in die richtige Richtung. „Ich denke, ich habe mich immer weiterentwickelt und bin nun langsam bereit für den nächsten Schritt.“ Den möchte er am liebsten bei der TSG machen. Bei seinem Verein – sein halbes Leben lang.

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