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U23
21.04.2021

„Hoffe zwo“-Serie (23): Der Gala-Auftritt, der nicht zählte

TSG Hoffenheim II, U23 oder einfach nur „Hoffe zwo“ – der Unterbau unseres Bundesliga-Kaders hat viele Bezeichnungen, aber nur ein Ziel: den TSG-Talenten beim Sprung von den Junioren zu den Senioren den letzten Schliff zu verpassen. In den „U23-Wochen“ blicken wir auf ehemalige wie aktuelle „Hoffe zwo“-Protagonisten und denkwürdige Ereignisse. Heute blicken wir auf ein hochklassiges Spiel in der ersten Regionalliga-Saison zurück, das später jedoch aufgrund der Insolvenz des Gegners aus der Wertung genommen werden musste.

Die U23 hatte einen perfekten Start in ihre Premierensaison 2010/11 in der Regionalliga Süd hingelegt und die ersten drei Begegnungen klar gewonnen. Die Tabellenführung war nach dem Auftaktsieg gegen den FSV Frankfurt II (4:0) sowie den deutlichen Erfolgen in Worms (5:1) und zu Hause gegen Memmingen (6:0) zwangsläufig.

Es folgte zwar ein kleines Loch mit drei Niederlagen in Serie, doch als am 16. Oktober 2010 der SSV Ulm 1846 in der Silbergasse aufkreuzte, hatte sich die Elf von Trainer Markus Gisdol wieder gefangen und war fünf Partien hintereinander ungeschlagen geblieben. Vor der Länderspielpause hatte sie sogar einen 0:1-Pausenrückstand beim SV Wehen Wiesbaden in ein 5:2 gedreht. Fünf Tore auswärts in einer Halbzeit – dieses Kunststück gelang „Hoffe zwo“ in der Regionalliga seitdem nicht mehr.

Nun also die „Spatzen“. Der Klub, den Markus Gisdol 15 Monate zuvor noch trainiert und für den Andreas Ludwig noch gespielt hatte. Und der zehn Jahre zuvor noch in der Bundesliga war – und sich nach einer Insolvenz sowie einem Neustart in der Verbandsliga zumindest wieder bis in die Regionalliga hochgearbeitet hatte.

Gebürtiger Ulmer Ludwig mit Doppelpack

Kapitän Kai Herdling kehrte nach seiner Gelbsperre, die er beim 5:2 in Wiesbaden abgesessen hatte, zurück, dafür fiel Robin Szarka mit einer Prellung aus. Dominik Kaiser ersetzte ihn als linken Verteidiger. Nach anfänglichem Abtasten nahm die U23 nach und nach das Heft in die Hand und schlug nach einer Viertelstunde mit ihrer zweiten Chance gnadenlos zu. Marco Terrazzino, der als „Zehner" hinter den beiden Spitzen Kai Herdling und Adam Jabiri eine starke Partie ablieferte, steckte auf Andreas Ludwig durch, der Keeper Holger Betz ausspielte und zum 1:0 einschob. Nach einigen weiteren guten Möglichkeiten durch Philipp Klingmann, Pascal Groß und Jabiri ging die Führung auch vollauf in Ordnung.

Als Innenverteidiger Robin Neupert mit Verdacht auf Muskelfaserriss vom Feld ging, musste sich „Hoffe zwo“ neu sortieren. Dann aber folgte die stärkste Phase der Platzherren, die dem Nieselregen im Dietmar-Hopp-Stadion trotzten und teilweise herrlichen Kombinationsfußball zeigten. Wieder steckte Terrazzino gekonnt die Kugel durch und schickte Klingmann auf die Grundlinie. Dessen Hereingabe wurde von Daniel Reith unglücklich ins eigene Netz abgefälscht (33.). Keine 60 Sekunden später war wieder Ludwig zur Stelle. Jabiri leitete ein Klingmann-Zuspiel direkt auf den durchstartenden gebürtigen Ulmer durch, der diesmal den herauseilenden Betz überlupfte. „Das 3:0 zur Pause geht vollkommen in Ordnung", erkannte auch Ulms Trainer Ralf Becker neidlos an, zumal Jabiri und Groß noch weitere gute Szenen hatten.

Dreier wird später aus der Wertung genommen

In der 59. Minute war schließlich für Reith der Arbeitstag beendet, als er gegen Jabiri kurz vor der Strafraumgrenze die Notbremse zog. Zwar verkürzten die „Spatzen“ zunächst auf 3:1, doch im Anschluss schalteten die Hoffenheimer noch einmal einen Gang hoch. Der eingewechselte Christoph „Locke" Hemlein benötigte keine Anlaufzeit, sondern war sofort auf Betriebstemperatur. Sein 4:1 war eine sehenswerte Einzelaktion, in der er auf engstem Raum im Sechzehner zwei Ulmer stehen ließ, zudem noch Keeper Betz ausspielte und schließlich aus spitzem Winkel vollstreckte (77.). Beim Torjubel hielt der Fotograf Uwe Grün genau in jenem Moment drauf, als Herdling dem Torschützen von hinten an die Wangen fasste und dessen Gesicht verzerrte. Kurz darauf setzte Herdling, der einen Foulelfmeter zum 5:1 in den linken Winkel hämmerte (79.), den Schlusspunkt.

„Ich wäre gerne mit dem 3:1 in Unterzahl nach Hause gefahren, das wäre keine Schande gewesen. So hat das Ganze doch das Gefühl einer Klatsche", sagte Becker nach der Partie. Wenige Wochen später war alles ohnehin nur noch Makulatur: Ende November musste der SSV Ulm erneut Insolvenz anmelden. Becker, heute Sportgeschäftsführer bei Dynamo Dresden, löste seinen Vertrag auf und wurde durch Janusz Góra ersetzt. Anfang 2011 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Ulm stand als zweiter Absteiger neben der ebenfalls insolventen SpVgg Weiden fest, spielte aber die Runde wenigstens außer Konkurrenz zu Ende. Das „Freundschaftsspiel“ im Donaustadion gewann „Hoffe zwo“ 4:0.

Der Gala-Auftritt vom 16. Oktober 2010 wurde schließlich aus der Wertung genommen, statistisch gesehen wurde die Partie also nie gespielt. Was die starke Leistung an diesem Tag nicht schmälert.

TSG 1899 Hoffenheim II – SSV Ulm 1846 5:1 (3:0)
Hoffenheim: Grahl – Klingmann, Gulde, Neupert (25. Nyenty), Kaiser, Ludwig, Kamavuaka, P. Groß, Terrazzino (79. Schäfer), Herdling, Jabiri (66. Hemlein).
Ulm: Betz – Ludmann, Reith, Wiesner, Bückle, Griesbeck, Pangallo, Knorn (86. Presthofer), Muzliukaj (61. Reichert), Schürg, Treske (66. Trefzger).
Tore: 1:0 Ludwig (15.), 2:0 Klingmann (33.), 3:0 Ludwig (34.), 3:1 Schürg (71.), 4:1 Hemlein (77.), 5:1 Herdling (79., Strafstoß). Zuschauer: 600. Schiedsrichter: Christof Günsch (Battenberg). Karten: Gelb für Pangallo, Betz; Rot für Reith (59., Notbremse).
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 16. Oktober 2010

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