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SPIELFELD
07.07.2020

Auf der Suche nach den eigenen Grenzen

Steven Zuber ist ein Musterprofi. Der Schweizer widmet seine Zeit auf und neben dem Platz der Selbstoptimierung und setzt etwa auf die Vorteile von veganer Ernährung und mentaler Stärke. Auf beiden Gebieten bildet sich der 28-Jährige stets weiter – und zieht daraus zusätzliche Kraft für die Bundesliga. Mit der TSG Hoffenheim setzt er sich vor dem Schlussspurt hohe Ziele.

Konstantinos Stafylidis genießt bei der TSG Hoffenheim den Ruf, kurzen Prozess zu machen. Und so zögerte Steven Zuber vor dem Re-Start der Bundesliga nicht lange, als er nach einem Spezialisten für einen vertrauensvollen Job suchte. Das Haupthaar war während der friseurfreien Corona-Zeit beachtlich gewachsen und Zuber wollte nicht mit der wild wuchernden Mähne ins Spiel gehen. Stafylidis griff spontan zum Trimmer – und verpasste Zuber den Haarschnitt „Grasnarbe“. Sorgen, der als Spaßvogel bekannte Grieche nutze die Gelegenheit für eine ausgefallene Eigenkreation, hatte Zuber nicht: „Ich bin da unkompliziert und kann zum Glück vieles tragen, das sieht eigentlich nie schlimm aus.“

Im Inneren seines Kopfes überlässt der 28-Jährige indes nichts dem Zufall. Zuber ist ein Kopfmensch. Nachdenklich, wach und stets auf Optimierung bedacht. Nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung in Hoffenheim bis 2023 lobte Sportdirektor Alexander Rosen explizit die „herausragende und vorbildhafte Einstellung“ des Schweizer Nationalspielers. Sie ist das Ergebnis einer steten Auseinandersetzung mit sich selbst, der Umwelt und möglichen erfolgsverstärkenden Faktoren.

Vegane Ernährung und intensives Training für den Kopf

Schon vor seinem Wechsel zur TSG Hoffenheim im Jahr 2014 beschäftigte er sich intensiv mit der bestmöglichen Ernährung für seinen als Leistungssportler besonders beanspruchten Körper. Im vergangenen Jahr entdeckte er schließlich die Vorteile der veganen Ernährung für sich (siehe Kasten). Doch neben dem Körper wird vor allem der Kopf intensiv trainiert und geschult. Zuber liest gern und viel, zuletzt empfahl er seinen Fans „The Power of Awareness“ (deutscher Titel: „Bewusstsein ist alles!“) von Neville Lancelot. „In diesem Buch beschreibt der mystische Erfolgslehrer Neville, wie der Mensch mit Hilfe seiner Vorstellungskraft, einer Versetzung in einen entspannten körperlichen Zustand („Theta-Zustand“) und der wiederholten gefühlsmäßigen Vorwegnahme des erfüllten Wunsches seine Ziele sicher erreichen kann“, bewirbt der herausgebende tredition-Verlag den Inhalt des 1952 erstmals erschienenen Werks. Aus Büchern wie diesem gewinnt Zuber wichtige Elemente seiner mentalen Stärke. „Von erfolgreichen Menschen – egal auf welchem Gebiet – kann man viel lernen. Die stete Weiterbildung hilft mir, neue Ziele zu setzen, mich zu motivieren und Dinge richtig anzugehen.“ Literaturtipps erhält er dabei von seiner Frau Mirjana und einem Freund, mit dem er vor allem „über die Dinge außerhalb des Fußballs“ spricht.

Einer seiner wichtigsten aus Büchern und Unterhaltungen gewonnenen Lehren ist, den Fokus stets auf jene Dinge zu richten, die er selbst beeinflussen kann. So führten auch die Unterbrechung der Bundesliga, in die er gerade erst nach einer schweren Fußverletzung zurückgekehrt war, und die Verschiebung der anvisierten Europameisterschaft zu keinen negativen mentalen Folgen. „Ich konnte es ja ohnehin nicht ändern. Also habe ich mich den Dingen gewidmet, die in meiner Hand lagen. Ich habe alles dafür getan, mich unter den neuen Bedingungen bestmöglich vorzubereiten und zu spielen, wenn es wieder losgeht.“

„Wenn es losgeht, bin ich im Tunnel“

Zwar beschreibt er Spiele ohne Zuschauer als „komische Erfahrungen“, doch gemäß seinem Naturell lässt er die fehlende Unterstützung der Fans nicht als Ausrede für schlechte Leistungen gelten. „Es hat ein wenig Bolzplatz-Charakter. Man macht sich warm – niemand ist da. Und dann kommt man aus der Kabine und die Ränge sind noch immer leer. Von der Spannung ist es spezieller und man muss klar sagen, dass es ohne Fans nicht dasselbe ist. Aber ich bin immer fokussiert und kann das absolut ausblenden. Wenn es losgeht, bin ich im Tunnel.“

Den Verweis auf fehlende Zusatz-Motivation von außen lässt er nicht gelten. „Es ist unser Beruf. Wir verdienen Geld damit, Tore zu schießen und zu gewinnen. Vor allem, wenn man die Folgen der Coronakrise für andere Berufsgruppen sieht, darf man nicht über fehlende Fans jammern. Andere Menschen sind viel härter betroffen als wir. Es ist einfach unser Job, unsere Leistung auch unter diesen Umständen zu 100 Prozent zu bringen.“

Zuber nimmt die ihm zugetragene Vorbildrolle gern an. Er weiß um den Wert seiner Einstellung – für sich und das Team. In den täglichen Einheiten geht er voran, doch neben der Selbstoptimierung liegt ihm auch die Entwicklung seiner Mitspieler am Herzen. „Ich wurde als junger Spieler auch motiviert, nach dem Training noch etwas mehr zu machen und die beste Version meiner selbst zu werden. Das habe ich irgendwann verinnerlicht und nun will ich ein gutes Beispiel für die Jungs sein. Weil ich weiß, dass ich in der Trainingsvorbereitung und auf dem Platz immer alles gebe und eine große Motivation habe, immer besser zu werden. Wenn ich dadurch andere anspornen kann und sie das auch verinnerlichen, erhöht sich der Wettkampf im Training. Und dieses Klima benötigt man, um sich als Spieler, aber auch als Kollektiv zu verbessern und herauszufinden, wo die eigenen Grenzen wirklich liegen.“

Sorge, dass er durch Gespräche und Tipps für die Kollegen seinen mentalen Vorteil gegenüber den Konkurrenten verlieren könnte, plagen ihn nicht. Zuber scheut keinen Wettkampf. „Für mich gilt ein einfaches Prinzip: Wenn du mit besseren Leuten zusammenarbeitest, wirst du auch besser. Das ist überall so. Wenn jeder in jeder Einheit alles gibt, steigt die Qualität. Am Ende spielen die Besten – und alle auf einem höheren Niveau. So verbessert sich jeder Einzelne von uns. Und ich bin überzeugt, dass ich in diesem Szenario auch stets spielen werde.“

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