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AKADEMIE
04.06.2020

Spieltagshelden (5): Uwe Grün, der eine Million-Bilder-Mann

Sie stehen nicht in der ersten Reihe, ihr Gesicht kennen nur diejenigen, die regelmäßig bei den Heimspielen der Akademie-Teams sind. Und doch sind sie teilweise schon seit vielen Jahren dabei und leisten an Spieltagen unverzichtbare Arbeit für die TSG Hoffenheim, indem sie einen reibungslosen Ablauf garantieren oder die Akademie-Teams unterstützen. Achtzehn99.de widmet den „Spieltagshelden“ eine kleine Serie, die in loser Reihenfolge diese Menschen porträtiert. Heute: Der „Haus- und-Hof-Fotograf“ der TSG, Uwe Grün, der nicht nur die Geschichte TSG-Akademie mit der Kamera begleitet hat.

Mit einer kleinen Webcam fing alles an. Uwe Grün wohnte im Mai 2007, als die Arbeiten an der Rhein-Neckar-Arena begannen, in Steinwurfnähe zur Baustelle. „Ich hatte von meinem Balkon aus einen sehr guten Blick auf das Geschehen und habe kurzentschlossen eine Webcam montiert, um den Fortschritt festzuhalten. Dummerweise ist die dann kaputt gegangen.“

Auf seiner Homepage verschaffte Grün seinem Ärger Luft. „Durch die 1,5 Kilometer Entfernung war die Webcam-Lösung etwas teurer, daher habe ich einen flotten Spruch rausgehauen, nach dem Motto: Wenn Herr Hopp mir eine neue Kamera zahlt, filme ich weiter.“ Was folgte, war nicht etwa eine gesponserte Kamera, aber ein Anruf des damaligen TSG-Geschäftsführers Jochen Rotthaus. „Er lud mich auf einen Kaffee ein und wir haben die Möglichkeit besprochen, dass ich den Arena-Bau fotografisch begleite.“ So ist nicht nur eine historische Video- und Foto-Dokumentation entstanden. Am 30. Oktober 2007 knipste Grün schließlich das erste Spiel der TSG – und ist bis heute dabei geblieben. „Ich wurde beim 2:1-Sieg der Profis im DFB-Pokal gegen Fürth ins kalte Wasser geworfen“, erinnert er sich. „Im November war ich dann erstmals bei der A-Jugend. Ein 2:2 gegen den FC Bayern. Auf den Fotos erkenne ich nur einen Spieler: Thomas Müller.“ Auf seinen Festplatten befinden sich rund 180.000 Motive mit einem Volumen von 1,7 Terrabyte. Da es in der Regel nur knapp zwölf Prozent aller Fotos in das Archiv schaffen, hat Grün hochgerechnet 1,5 Millionen Bilder geschossen.

Im fußballverrückten Ketsch aufgewachsen

Längst ist Grün nicht nur bei den Profis, sondern regelmäßig auch bei den Frauen und eben bei den Akademie-Teams im Dauereinsatz. Dabei hatte er bis 2007, bis zu jenem Anruf der TSG also, gar nichts mit Fußball am Hut, wie der 55-Jährige beteuert. Und das, obwohl er im fußballverrückten Ketsch geboren und aufgewachsen ist und mit dem späteren KSC- und Bayern-Profi Oliver Kreuzer in die Schule ging. Grüns älterer Bruder Eckhard spielte sogar mit dem berühmtesten Sohn der Stadt, Ulli Stielike, bei der Spvgg 06 Ketsch.

„Meine Mutter hat mir das Kicken verboten, weil mein Bruder andauernd verletzt war. Bei mir hat es somit nur für gelegentliche Bolzplatz-Auftritte gereicht.“ Seine Liebe für die Fotografie entdeckte Grün Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, als er Berichte für die Zeitschrift AMT (Auto-Modell und Technik) verfasste und mit analogen Bildern garnierte. Digitalkameras gab es da noch nicht. Hauptberuflich arbeitete Grün für ein Unternehmen der Bürotechnik-Branche und landete schließlich in Sinsheim.

Fotografieren bei Wind und Wetter

Als der EDV-Autodidakt bei HBW (Holland Blumenwinkel) anheuerte, intensivierte er sein Hobby. „Ich konnte mir endlich eine anspruchsvolle Kamera leisten. Als ich dann Mitte der 2000er auf die TSG aufmerksam wurde und im Büro mein Interesse bekundete, da mal fotografieren zu dürfen, hat die Sache ihren Lauf genommen.“ Plötzlich verbrachte Grün mit Ausnahme der Sommer- und Winterpausen Wochenende für Wochenende auf den Fußballplätzen. Aus dem einstigen Hobbyfotografen, der sich eigenständig fortbildete, ist mittlerweile ein Vollprofi geworden: Eine bessere Kamera hier, ein neuer Blitz da. Dann ein teurerer Rechner zur besseren Nachbearbeitung und Archivierung und ein größeres Objektiv. Und noch eins. Das neueste Modell. „Mein Konto ist immer leer“, gesteht Grün, dass er seine Einnahmen schnell reinvestiert. Dafür ist er jetzt bestens ausgerüstet und darf nicht nur bei gefühlt allen TSG-Spielen fotografieren, sondern ist auch bei Arbeiten für den Fanshop-Katalog oder für die Akademie-Broschüre sowie die Mannschafts- und Porträtbilder ein gefragter Mann.

Bei Wind und Wetter sitzt Grün auf seinem Campingstuhl am Spielfeldrand. Wenn es in Strömen regnet, wie etwa im Youth-League-Klassiker gegen Real Madrid, spannt er sein kleines Schirmchen auf und muss dafür Sorge tragen, dass Kamera, Objektive und Laptop keinen Wasserschaden erleiden – und nebenbei Top-Bilder produzieren und übermitteln. „Zum Glück ist mir bislang noch nichts Schlimmeres passiert, und die Bedingungen sind mit dem neuen WLAN auch besser geworden.“ Seit einigen Monaten bietet er neben seiner ständig erreichbaren Fotodatenbank auch einen professionellen Live-Service an, so dass die Medienschaffenden schon während einer Partie auf aktuelle Bilder zugreifen können. Für große Agenturen ist das Standard, für einen „Einzelkämpfer“ wie Grün ein großer Aufwand.

Neue Homepage

Mit der Wind-und-Wetter-Fotografie ist es aber nicht getan. In bis tief in die Nacht dauernder Heimarbeit müssen die Bilder noch gesichtet, gelöscht, bearbeitet und verschlagwortet werden. So 8.000 bis 22.000 Fotos mache er pro Jahr, schätzt Grün. Das sind aber nur die TSG-Bilder. Seit 2015 fotografiert er auch im Auftrag der Stadt Bad Rappenau, unter anderem für das Stadtarchiv. Den Job bei HBW hat er längst aufgegeben und ist nun als selbstständiger Fotograf unterwegs. Seine bekannte Homepage kraichgaufoto.de wird gerade kernsaniert und durch eine neue ergänzt: Auf der Seite mit dem Namen „Uwe Ulrich Grün – Nature & Landscape Photography“ werden großformatige Natur & Landschaftsaufnahmen angeboten: „Denn schöne Bilder gehören auch schön und groß an die Wand!“

Der TSG wird Grün selbstverständlich treu bleiben, er ist ja auch nicht mehr wegzudenken. Und der Fußball, der ihn bis 2007 kaum interessierte, ist ihm ans Herz gewachsen. Seine persönlichen Highlights? „Ich denke gerne an die Deutsche U17-Meisterschaft 2008 im Dietmar-Hopp-Stadion zurück, zumal da für mich noch vieles Neuland war.“ Einen Monat zuvor war er beim Bundesliga-Aufstieg gegen Fürth dabei und feierte bzw. fotografierte anschließend in der Messehalle mit. „Zu meinen schönsten Erinnerungen zählt auch der Aufstieg der Frauen damals gegen Köln.“

Souvenirs von Kai Herdling

Zu Oberliga-Zeiten der U23 machte Grün allerdings auch schmerzhafte Erfahrungen. Zwei Mal grätschte ein Spieler an der Torauslinie nicht nur den Gegner, sondern auch gleich den Fotografen mit ab. „Beide Male war es Kai Herdling. Einmal das linke, einmal das rechte Schienbein“, deutet Grün auf die entsprechenden, noch immer sichtbaren „Souvenirs“.

Die Corona-Zwangspause hat auch Uwe Grün getroffen. Nicht nur, weil sein gewohnter Wochenendrhythmus entschleunigt wurde, sondern weil auch die Einnahmen als Selbstständiger ausgeblieben sind. Doch nicht nur aus diesem Grund hofft er auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. „Ich vermisse es, die Spieler und Spielerinnen zu sehen und ein paar nette Sprüche auszutauschen.“ Und natürlich sie zu fotografieren.

Links zu Uwe Grüns Seiten:

https://www.kraichgaufoto.de/

https://www.uweulrichgruen.de/ 

https://www.instagram.com/kraichgaufoto/

https://www.instagram.com/uweulrichgruen/

 

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