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AKADEMIE
03.05.2020

Historische Spiele (12): Die legendäre Regenschlacht

Ein Wochenende ohne Spielberichte ist irgendwie seltsam. Leider wird sich das vorerst nicht ändern. Auf achtzehn99.de blicken wir daher seit drei und auch in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge auf „historische Partien“ zurück, erzählen die dazugehörigen Geschichten nach und rufen sie wieder in Erinnerung. Heute: Der 4:2-Triumph der U19 im Viertelfinale der UEFA Youth League 2019 gegen Real Madrid.

Am Ende standen sie alle auf dem Zaun. Egal wie abgekämpft, durchnässt oder erschöpft die U19-Spieler nach dem 4:2 (2:1) im Viertelfinale der Youth League gegen Real Madrid auch waren, die Feierlichkeiten mit den TSG-Ultras in der Heimkurve des Dietmar-Hopp-Stadions wollte sich keiner nehmen lassen. Auch Trainer Marcel Rapp schwärmte mit leuchtenden Augen vom Auftritt seiner Jungs und von der Atmosphäre im Stadion: „Ein großes Lob an die Zuschauer, die heute für eine würdige Stimmung gesorgt haben“, sagte der komplett durchnässte Coach noch auf dem umgepflügten Rasen.

Bereits vor dem denkwürdigen Spiel gegen den Nachwuchs des spanischen Weltklubs hatte in der Youth League ein Höhepunkt den nächsten gejagt. Als ob die Spiele in der internationalen Königsklasse der Junioren nicht an sich schon Highlights genug gewesen wären. Die TSG-Junioren lieferten auch noch famose Partien ab: vor allem in der Gruppenphase gegen Manchester City (5:2) und zwei Mal gegen Olympique Lyon (3:1 und 3:3) sowie im Achtelfinale gegen Dynamo Kiew (4:2 nach Elfmeterschießen).

Doch gegen die „Königlichen“ aus der spanischen Hauptstadt sollten sie noch einen draufsetzen. Erstmals seit dem Bundesliga-Aufstieg der Profis 2008 war das Dietmar-Hopp-Stadion ausverkauft. Trotz Dauerregens hatten 6.350 Zuschauer den Weg auf den Berg am Ende der Hoffenheimer Silbergasse gefunden. Unter ihnen auch einige TSG-Ultras, die gemeinsam mit den restlichen Zuschauern von Beginn an für eine prickelnde Atmosphäre sorgten.

Amades kurzfristiger Ausfall

„Bauer schlägt König – Schachmatt“ prangte in großen blauen Buchstaben auf weißem Grund in der Heimkurve, als die Teams einliefen. Die TSG-Fans hatten extra eine Choreografie für ihren Nachwuchs auf die Beine gestellt. Und diese verfehlte ihre Wirkung nicht: „Wir hatten gehofft, dass die Ultras da sind. Dass sie dann auch noch eine Choreografie eingebaut haben, war super“, sagte Stürmer Tim Linsbichler, der einer der Protagonisten dieses denkwürdigen Mittwochabends werden sollte.

Die TSG hatte mit Alfons Amade kurzfristig auf einen ihrer U20-Akteure verzichten müssen. Der Junioren-Nationalspieler musste sich beim Aufwärmen eingestehen, dass seine Rückenverletzung einen Einsatz unmöglich machte. Für Amade rückte der belgische Auswahlspieler Amadou Onana in die Startelf.

Blitzstart nach zwölf Minuten

Wie schon beim mitreißenden 5:2-Erfolg im Hopp-Stadion gegen Manchester City gelang den Kraichgauern auch gegen die Königlichen, die mit Vereinsikone und U17-Trainer Raúl im Tross angereist waren, ein Blitzstart: Schon nach neun Minuten landete eine Flanke von Luis Görlich links im Strafraum, wo Max Geschwill nicht lange fackelte und den Ball direkt mit der rechten Innenseite in die lange Ecke jagte.

Der Jubel war kaum verebbt, da legten die Rapp-Schützlinge nach – und wieder war Geschwill beteiligt: Eine Flanke des agilen Linksverteidigers landete maßgeschneidert bei Stürmer Filip Stojilković, der eiskalt einköpfte und nach zwölf gespielten Minuten auf 2:0 stellte. Das Dietmar-Hopp-Stadion stand Kopf und die Madrilenen mussten sich kneifen, was ihnen in diesem Stadion auf diesem Berg in diesem Dorf, das bislang kaum internationalen Fußball gesehen hatte, widerfahren war.

Doch abschütteln ließen sich die Spanier nicht. Sechs Minuten nach Stojilkovićs Treffer packte der spanische U19-Nationalspieler Alberto Fernández aus 20 Metern einen Hammer aus, gegen den Daniel Klein im TSG-Tor nichts auszurichten hatte. Mit zunehmender Spieldauer setzte der Dauerregen dem Rasen und dem Spiel nun jedoch mehr und mehr zu. Nicht nur ein Angriff musste aufgrund einer Pfütze, in der die Kugel liegen geblieben war, abgebrochen und neu gestartet werden. Und so wollte den Gästen bis zum Halbzeitpfiff keine gefährliche Aktion vor dem Hoffenheimer Tor mehr gelingen.

Rapp wechselt abermals Tore ein

Die TSG spielte hingegen auch in der zweiten Halbzeit weiter munter mit. Kapitän Benjamin Wallquist hätte nach einem Eckball etwa per Kopf auf 3:1 stellen können. Auf der Gegenseite zeigte Klein seine ganze Klasse, als er bei einem Abschluss der Königlichen aus kurzer Distanz blitzschnell unten war. Die Spannung hatte nun jeden der 6.350 Zuschauer fest im Griff und das Wetter setzte den 22 Protagonisten auf dem Rasen mehr und mehr zu.

Da die Beine auf dem tiefen, aufgeweichten Rasen immer schwerer wurden, mussten frische Spieler her. Eine Spezialität von TSG-Trainer Rapp: Schon gegen Manchester City (Benedikt Landwehr und Ilay Elmkies), Olympique Lyon und beim Rückspiel in Manchester (jeweils Stojilković) hatte der Chefcoach, der kurz zuvor seine Fußballlehrer-Lizenz erhalten hatte, Torschützen eingewechselt – und es sollte ihm auch in der Regenschlacht gegen Real gelingen.

In der 69. Minute kam Linsbichler für Stojilković in die Partie und nur fünf Minuten später rutsche der Österreicher jubelnd auf den Knien über den Regenrasen des Dietmar-Hopp-Stadions, nachdem sich kurz zuvor sein abgefälschter Schuss über den Real-Torwart hinweg ins Tor gesenkt hatte. Das Stadion stand Kopf, auf der Trainerbank wurden ungläubige Blicke ausgetauscht, der nächste Youth-League-Coup war zum Greifen nah.

Ottos Kraftakt und Linsbichlers Schlusspunkt

Doch Real kam noch einmal zurück: Pedro Ruiz staubte fünf Minuten vor dem Ende ab und verkürzte auf 2:3. Plötzlich war die Spannung wieder da, doch der Schlusspunkt sollte abermals Joker Linsbichler gehören. Nachdem sich David Otto nach all den Strapazen mit einem bemerkenswerten Kraftakt noch einmal über den halben Platz geschleppt und seine Gegenspieler abgeschüttelt hatte, parierte Real-Torwart Diego Altube zwar den Schuss des Stürmers, doch die Kugel rollte vor die Füße von Linsbichler, der zum 4:2 und mitten ins Herz der Gäste traf.

Am Ende blieb ein Spiel, das alles hatte, um in die Kategorie „legendär“ einsortiert zu werden: einen großen Gegner, enorme sportliche Relevanz, einen Außenseitersieg, ein ausverkauftes Stadion mit großartiger Stimmung, besondere (Wetter-)Umstände sowie die kleinen Geschichten wie die vom Doppeltorschützen Tim Linsbichler, der von seinen bis dato drei Jahren in Hoffenheim mehr als die Hälfte der Zeit verletzt war und jetzt zum Matchwinner gegen Real Madrid avancierte.

Als zweites deutsches Team nach Nyon

Spieler und Trainer wussten nach dem Schlusspfiff gar nicht wohin mit ihrem Glück. Siegestrunken ließen sie sich vom TSG-Anhang feiern, während Rapp bereits ein Interview nach dem anderen geben musste. „Die Jungs haben heute super gefightet. Um Real Madrid zu schlagen, muss man schon gut sein und wir waren gut", diktierte der U19-Cheftrainer in die Journalistenblöcke.

Als erst zweite deutsche Mannschaft nach Schalke 04 war der TSG gleich bei ihrer ersten Teilnahme der Sprung ins Halbfinale der Youth League gelungen. Ende April durften die TSG-Junioren ebenso wie ihr Halbfinalgegner FC Porto sowie die Teams vom FC Barcelona und vom Chelsea FC nach Nyon zum Final Four reisen.

Das Spiel, das jedoch allen Beteiligten am längsten von dieser denkwürdigen Youth-League-Saison in Erinnerung bleiben wird, war die Regenschlacht gegen Real Madrid am 3. April 2019 im ausverkauften Dietmar-Hopp-Stadion.

 

TSG 1899 Hoffenheim – Real Madrid 4:2 (2:1)
Hoffenheim: Klein – Nitzl, Lengle, Wallquist – Görlich, Onana (66. Landwehr), Elmkies, Alberico (90.+3 Bogarde), Geschwill – Stojilković (69. Linsbichler), Otto.
Madrid: Altube – Sergio López, Fran García (81. Gutiérrez), Chust, Blanco, Alberto (76. Park), Moha (60. Pedro Ruiz), Baeza, Rodrigues, César, Pulido.
Tore: 1:0 Geschwill (9.), 2:0 Stojilković (12.), 2:1 Alberto (18.), 3:1 Linsbichler (74.), 3:2 Pedro Ruiz (85.), 4:2 Linsbichler (90.). Zuschauer: 6.350 (ausverkauft). Schiedsrichter: Nikola Dabanović (Montenegro). Karten: Gelb für Geschwill, Elmkies / Rodrigues, Baeza, Blanco, Chust.
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 3. April 2019

 

Historische Spiele

1 | Triumph im Schatten des Olympiastadions | U19: TSG Hoffenheim – Hertha BSC 2:1 | Finale DFB-Junioren-Pokal 2010

2 | Ein Meistertitel zum Geburtstag | U16: TSG Hoffenheim II – VfB Stuttgart II 3:2 | Entscheidungsspiel um die B-Jugend-Oberligameisterschaft 2013

3 | Das eingelöste Versprechen | U19: TSG Hoffenheim – SV Werder Bremen 3:1, 2:0 | Halbfinals um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2016

4 | Meisterstück in Walldorf | U23: FC-Astoria Walldorf – TSG Hoffenheim II 0:1 | Entscheidender Sieg zum Aufstieg in die Regionalliga 2010

5 | Rapps goldenes Händchen gegen City | U19: TSG Hoffenheim – Manchester City 5:2 | Sieg im ersten Youth-League-Gruppenspiel 2018

6 | Im Fernduell die Nerven behalten | U15: TSG Hoffenheim – SC Freiburg 3:1 | Entscheidender Sieg zur Süddeutschen C-Jugend-Meisterschaft 2016

7 | Schmerzhaftes Treffen mit einem späteren Weltstar | U19: FC Schalke 04 – TSG Hoffenheim 3:1 | Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2015

8 | Meisterfeier auf dem Halberg | U15: SV Wehen – TSG Hoffenheim 2:3 | Entscheidender Sieg zur Süddeutschen C-Jugend-Meisterschaft 2013

9 | Pokalfight gegen Grifos Pforzheimer | U19: 1.CfR Pforzheim – TSG Hoffenheim 4:7 n.V. | Sieg im BFV-Pokal-Finale 2011

10 | U17 triumphiert nach „Tennismatch“ | U17: TSG Hoffenheim – Borussia Dortmund 6:4 | Finale um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft 2008

11 | Internationales Glanzlicht der U14 | U14: Hertha BSC - TSG Hoffenheim | Europafinale des Premier Cups in Berlin 2017

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