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AKADEMIE
24.01.2013

Kinderperspektivteam: Ohne Trillerpfeife und Taktiktafel

Einmal pro Woche kommen im Kinderzentrum der achtzehn99 AKADEMIE die talentiertesten F- und E-Jugendlichen der Rhein-Neckar-Region zu einem Fördertraining zusammen. Paul Tolasz ist für dieses „Kinderperspektivteam“ verantwortlich. Der 25-Jährige leitet die Einheiten auf dem Kunstrasenplatz hinter dem Dietmar-Hopp-Stadion – ohne Trillerpfeife und Taktiktafel. Im Vordergrund stehen der Spaß und kindgerechte Spielformen.

Das Hoffenheimer Kinderperspektivteam, kurz KPT, wurde im April 2009 aus der Taufe gehoben und bestand damals lediglich aus einem gemischten Trainingskader der Jahrgänge 1999 bis 2002. Mittlerweile trainieren die Kinder in U9-, U10- und U11-Trainingsgruppen an verschiedenen Tagen. Die Talente werden von den Akademie-Trainern und den Homescouts um Helmut Kafka bei diversen Turnieren und Spielen gesichtet. Das alles geschieht in enger Abstimmung mit den Eltern und den jeweiligen Heimatvereinen der Kinder. „Nach drei Einheiten gibt es ein Feedback“, sagt Tolasz. Dann kann ein Talent entweder regelmäßig am Fördertraining teilnehmen, oder es bleibt weiter unter Beobachtung.

Wer in das KPT „wechselt“, bleibt aber nach wie vor bei seinem Heimatklub. „Wir halten dann regelmäßig mit ihren Vereinstrainern Rücksprache“, erklärt Tolasz. „So wird die bestmögliche Förderung gewährleistet und sichergestellt, dass sich die Kids auch wohlfühlen.“ Die Bedingungen im Kinderzentrum sind ausgezeichnet. Neben dem Kunstrasenplatz mit zwei Minifußball-Spielfeldern und dem Rasen des Schulsportplatzes stehen auch noch ein „Käfig“, die KidZ-Arena, sowie ein Kletterparcours zur Verfügung. „Die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen ist vorbildlich“, bestätigt Tolasz. „Sie profitieren ja auch von der positiven Entwicklung der Kinder. Wir haben mittlerweile ein großes Netzwerk, die Rückmeldungen sind positiv und die Klubs empfehlen uns ihre größten Talente.“

Sechs ehemalige KPT-Talente haben es in die U14 geschafft

Frühestens zur U12 können sie sich dann entscheiden, ob sie komplett zur TSG 1899 Hoffenheim wechseln möchten. Hier kommen sie dann in den Genuss von drei Einheiten pro Woche, Spielen und Turnieren am Wochenende plus regelmäßiger Hausaufgabenbetreuung. Die Übernahmequote ist hoch: Im 15-köpfigen Kader der aktuellen U12 stehen 14 ehemalige KPT-Jungs. Mit Silas Boger, Emilian Lässig, Alfons Amade, Evangelos Politakis, Antonio Jonjić und Lennart Grimmer haben es sechs Talente der ersten Stunde schon in die U14, die in der C-Junioren-Oberliga spielt, geschafft.

Mit dem wöchentlichen Fördertraining ist es aber nicht getan. „Wir organisieren unter anderem mehrtägige Trainingscamps mit Schwimmbadausflügen, dem Besuch von Bundesliga- oder U23-Spielen und stellen hier spezielle Events auf die Beine“, berichtet Tolasz. So wird etwa professionelle Videoanalyse betrieben oder es schauen Spezialisten anderer Sportarten vorbei, wie etwa die Handballerin Hannah Breitinger oder der Dreispringer Martin Seiler, um Trainingsmethoden aus ihren Disziplinen vorzustellen und natürlich Erfahrungen weiterzugeben. Denn im KPT geht es nicht ausschließlich um Fußball, es wird mit verschiedenen Sportarten wie beispielsweise Hockey, Tennis, Handball oder Baseball „experimentiert“.

Chaosball und Videoanalyse

Trainiert werden das Passspiel und Finten, die Ballan- und -mitnahme sowie verschiedene Torabschlüsse. „Übung und Spiel stehen im ständigen Wechsel, es kommt auf die Kindgemäßheit und Vielseitigkeit an“, unterstreicht der KPT-Cheftrainer. Ein Beispiel dafür ist das Spiel „Chaosball“, bei dem es auf 20 mal 20 Metern und mehreren Toren und Mannschaften drunter und drüber geht. Auch das Minifußball-Spiel nach Horst Wein ist fester Trainingsbestandteil des KPT.

Seit 2010/11 nimmt das Hoffenheimer KPT regelmäßig an Turnieren teil. Dazu bedarf es der Genehmigung der Heimatvereine der Spieler sowie der Veranstalter. Ein organisatorischer Aufwand, den Tolasz und sein Team gerne in Kauf nehmen, schließlich geht es darum, die Jungs auch im Wettkampf zu halten und zu beobachten. Kurz vor Weihnachten fuhr das KPT bei einem Turnier des FC Concordia Oidtweiler Siege gegen den VfL Bochum, den 1.FC Köln sowie Borussia Mönchengladbach ein und trotzte Bayer Leverkusen zwei Unentschieden ab. Am Ende standen die KPT-Jungs auf Platz drei.

„Sportliche Erfolge haben im KPT allerdings absolut untergeordnete Bedeutung“, betont Tolasz. „Wir wollen die Kids bestmöglich auf einen weichen Übergang in unsere U12 vorbereiten.“ Gemeinsam mit U12-Coach Carsten Kuhn, Kinderzentrumsleiter Dominik Drobisch, der 2009 die erste KPT-Einheit überhaupt leitete, und Wolfgang Heller, dem Koordinator U12 bis U14, wird sich regelmäßig über die KPT-Kids ausgetauscht und entschieden, wer den Sprung schafft. Dabei wird vor allem auf individuelle Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Koordination, Technik, Übersicht oder Torabschluss sowie Team- und Lernfähigkeit geachtet. Das letzte Wort haben schließlich die Eltern. Stimmen sie zu, wird aus einem KPT-Spieler ein echter Hoffenheimer.

PAUL TOLASZ

  • *1.1.1988 in Bielsko-BiaÅ‚a (Polen)
  • siedelte mit den Eltern kurz nach seiner Geburt nach Deutschland aus
  • aktiv bis zur U19 unter anderem beim 1.FC Saarbrücken
  • seit 2008 Studium der Geografie, Biologie und Politikwissenschaften (Lehramt) in Heidelberg
  • seit Juli 2008 bei der TSG 1899 Hoffenheim, zunächst als E-Jugend-Co-Trainer, im dritten Jahr für das KPT verantwortlich
  • Mailkontakt: trainerkidz@achtzehn99.de
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