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PROFIS
31.10.2011

Das Spielerduell: Vedad Ibisevic vs. Tobias Weis

Im Hoffenheimer Kader sind die Beiden schon so etwas wie die Urgesteine. Tobias Weis ist seit 2007 mit dabei, ebenso wie Vedad Ibisevic. Beide erlebten den Aufstieg aus der 2. Bundesliga. Beide waren wichtige Bestandteile der Mannschaft, die in der Hinrunde der Saison 2008/09 die Bundesliga verzauberte und am Ende Herbstmeister wurde. Weis brachte die damalige Leistung sogar eine Berufung in die Nationalmannschaft ein, Ibisevic schoss in besagter Zeitspanne in 18 Spielen 17 Tore.

Danach erlitten beide ein ähnliches Schicksal. Ibisevic riss sich im Winter 2009 das Kreuzband, wenig später plagten Weis Knieprobleme, die operativ behandelt werden mussten. Während sich Ibisevic recht zügig erholte, erlebte Weis einen Rückschlag nach dem anderen. Insgesamt drei Operationen musste der gebürtige Schwäbisch Haller über sich ergehen lassen. Doch der Mittelfeldspieler mit dem Beinamen „Kampfquirl“ gab nie auf, ackerte und arbeitete sich schließlich zurück ins Team. Ebenso Ibisevic, den ein Muskelfaserriss zu Beginn der Saison 2011/12 zum Zuschauen zwang.

Jetzt sind sie wieder im Mannschaftstraining – eine gute Gelegenheit für achtzehn99, die Beiden zum Duell einzuladen. Gespielt wird eine entspannte Partie Poolbillard. „Früher haben wir viel Billard gespielt, mittlerweile nicht mehr so häufig“, sagt Ibisevic. Auch Weis erinnert sich lachend an heiße Duelle am Tisch: „Christian Eichner habe ich im Pool regelmäßig abgezogen!“ Kennengelernt haben sich „Vedo“ und „Tobse“ nach ihrem Wechsel zu Hoffenheim. Ibisevic kam von Alemannia Aachen, Weis wechselte aus der Jugendabteilung des VfB Stuttgart in den Kraichgau. Erstmals getroffen haben sich die Beiden im Trainingslager zur Saisonvorbereitung in Leogang, Österreich. „Als ich Tobse im Kreis der Mannschaft gesehen habe, habe ich gedacht, er wäre schon ewig dabei. Erst später habe ich erfahren, dass er gerade mal zwei Wochen vor mir dazu gekommen ist, “ erinnert sich Vedo, der über den Fußballer Weis nur lobende Worte findet: „Ein aggressiver Spieler der immer Vollgas gibt und gegen den niemand gerne antritt. Außerdem hat er immer das Auge für den Mitspieler.“ Umgekehrt beschreibt Weis die Stärken Ibisevics so: „Er ist der geborene Torjäger, übernimmt Verantwortung und geht vorne weg.“

Vedo und Tobse sind aber nicht nur Kollegen auf dem Fußballplatz, sondern auch Freunde abseits davon. „Wir haben uns gleich am Anfang angefreundet. Tobse ist ein super Typ. Manchmal ein bisschen verrückt, aber immer für einen Spaß zu haben!“ Mittlerweile wohnen die Beiden sogar in direkter Nähe zueinander. „Das stimmt. Vedo ist zu mir in den Ort gezogen, wahrscheinlich vor allem, um mehr Zeit mit mir verbringen zu können“, bestätigt Weis lachend. Die Wege, die den Stürmer und den Mittelfeldspieler nach Hoffenheim führten, könnten unterschiedlicher kaum sein. Ibisevic wurde in Bosnien geboren, flüchtete in den Wirren des Bürgerkriegs mitsamt seiner Familie in die Schweiz. Es ging weiter in die USA, von dort zur ersten Profistation in Frankreich und schließlich nach Deutschland. Wenn man in so jungen Jahren bereits in fünf verschiedenen Ländern lebte – was bedeutet da der Begriff der Heimat? Bei der Antwort muss Ibisevic schmunzeln: „Das ist eine gute Frage. Heimat, das ist für mich in erster Linie natürlich Bosnien. Aber meine Familie lebt zum Großteil in den USA, auch das ist ein Zuhause für mich. Und Deutschland ist ebenso meine Heimat geworden. Immerhin lebe ich hier fast genauso lange wie ich in Bosnien war.“ Auch die Nachfrage, ob er es sich denn vorstellen könne, eine neue Heimat zu suchen, bringt ihn ins Grübeln: „Ehrlich gesagt kann ich mir das momentan nicht vorstellen. Aber als Fußballprofi sollte man niemals

nie sagen.“

Tobias Weis dagegen ist stark verwurzelt. Geboren und aufgewachsen in Baden-Württemberg landete er schließlich in der Jugendausbildung des VfB Stuttgart. Von dort ging es direkt nach Hoffenheim, wo er bis heute geblieben ist. „Es ist nicht so, dass ich sagen würde, ich will niemals raus aus Baden-Württemberg. Aber es gefällt mir hier sehr gut.“ Dennoch gibt es auch bei Weis einen Traum, der mit dem beschaulichen Baden wenig zu tun hat: „Irgendwann möchte ich noch mal eine Zeit lang in New York leben. Den Traum erfülle ich mir aber eher nach meiner Profikarriere.“ Bis dahin ist es bei beiden aber noch ein bisschen Zeit und beide haben noch Ziele in der Bundesliga. Was aus ihrer Sicht dort für Hoffe möglich ist, verraten sie uns ebenfalls: „Man hat letzte Saison an Mannschaften wie Mainz oder Hannover gesehen, dass die Bedeutung von Einzelspielern beim Fußball immer kleiner wird. Eine gut organisierte Mannschaft, die kompakt steht, alles gibt und sich an die taktische Vorgabe hält, kann jeden anderen Verein in der Bundesliga vor Probleme stellen,“ sagt Weis und Ibisevic ergänzt: „Man sagt nicht umsonst, dass nicht jeder in der Bundesliga spielen kann. Man braucht die richtige Einstellung. In jedem Spiel muss man Vollgas geben, kein Gegner wird es dir leicht machen.“

Gerade bei 1899 schien dies in der jüngsten Vergangenheit nicht immer so zu laufen. Weis dazu: „Wir hatten vor allem gegen vermeintlich nicht so starke Gegner nicht immer die richtige Einstellung. Da geht es gar nicht mal ums Ergebnis, sondern vielmehr um die Art des Spiels. Gegen Bayern haben wir zwar nicht gewonnen, aber wir sind gelaufen, haben gekämpft und sehr gut gestanden. Das müssen wir auch gegen andere Teams mit nicht so großem Namen umsetzen. Dann können wir viel erreichen.“ Bei der guten Unterhaltung mit zwei Ur-Hoffenheimern geriet das Billard-Duell vollends in den Hintergrund. Zur Information: Vedad Ibisevic konnte es für sich entscheiden.

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