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SPIELFELD
18.12.2017

Kevin Vogt: "Ich bin immer noch gierig"

Kevin Vogt führt die TSG in dieser Spielzeit meist als Kapitän auf das Feld. Der Abwehrchef hat sich seit seinem Wechsel nach Hoffenheim im Vorjahr zum Leistungsträger und Führungsspieler entwickelt. Im SPIELFELD-Interview über Ansprüche spricht er über seine neue Rolle, Ziele mit der TSG und die Erfahrungen mit der erstmaligen Dreifachbelastung.

Kevin, Du hast mit der TSG Deine erste Saison im Europapokal gespielt. Wie hast Du die Hinserie mit der Dreifachbelastung erlebt?

Kevin Vogt: "Allein durch die Anzahl der Spiele war die Hinrunde natürlich sehr kräftezehrend. Aber für mich persönlich habe ich festgestellt, dass ich mit der Belastung gut zurechtkomme. Man muss noch mehr auf sich achten und auf den Körper hören als man es ohnehin schon getan hat. Und von der Belastung abgesehen: Alle drei Tage im Spielrhythmus zu sein, macht mir total Spaß. Ich finde den nahezu pausenlosen Wettkampf super."

Gibt es Unterschiede zwischen Europa League und Bundesliga?

Vogt: "Man hat in den Spielen gemerkt, dass die Mannschaften international schon mal eine andere, härtere Gangart wählen als in der Bundesliga. Und Spiele wie das 1:2 gegen Braga waren schwer zu verkraften: Wir mussten nach 30 Minuten 3:0 führen, dann bestrafen sie unsere Fehler, sind brutal abgezockt und besiegen uns. Man wird in Europa eiskalt bestraft, selbst von Teams, die nicht zur europäischen Spitze gehören. Auch wenn es uns in der Bundesliga oft ähnlich ergangen ist: Ich finde es in Europa schon auffällig, dass es extrem schwer wird, wenn man seine Chancen nicht nutzt. Das ist ein Unterschied, den man hervorheben kann. Ansonsten sind es super Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Die Reise nach Rasgrad beispielsweise war eine sehr interessante Tour, das sauge ich alles auf."

Vor der Saison war sogar die Qualifikation für die Champions League möglich, die Spiele gegen Liverpool waren absolute Höhepunkte – trotz des Ausscheidens. Haben die Duelle Eindruck hinterlassen und die Lust auf die Champions League noch einmal erhöht?

Vogt: "Bei mir ist es definitiv der Fall und ich weiß auch von anderen Spielern, dass es bei ihnen so ist. Wir wissen jetzt alle, was es für ein unglaubliches Gefühl ist, bei der Hymne auf dem Rasen zu stehen. Aber das Reinschnuppern war zu kurz, wir wollen mehr davon. Ich arbeite dafür, wieder in diesem Wettbewerb anzutreten. Das ist eine große Herausforderung. Aber Herausforderungen sind ja schön im Leben, ich will die Champions-League-Hymne nicht das letzte Mal gehört haben.“

In dieser Saison reicht Platz vier für die direkte Qualifikation …

Vogt: "Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Hier wird wirklich niemand arrogant, aber wir wissen auch, dass wir das Zeug dazu haben, Platz vier zu wiederholen, wenn wir unseren Stil durchziehen. Den Anspruch sollten wir haben. Denn wir haben wirklich enorme Qualität in der Mannschaft und müssen uns vor niemandem verstecken. Aber natürlich haben wir keinen Kader wie die Bayern, wenn sechs, sieben Spieler auf Dauer wegbrechen, ist das eine hohe Belastung für uns. Wenn wir nun aber mal verletzungsfrei bleiben, bin ich fest davon überzeugt, dass wir eine gute Rolle in der Bundesliga spielen. Aber natürlich wird es noch schwieriger, andere Mannschaften wie Schalke, Leverkusen oder Gladbach sind wieder stabiler geworden."

Nach dem 1:1 bei Basaksehir hat sich die Mannschaft noch einmal darauf eingeschworen, mutig aufzutreten und nicht so passiv wie in der zweiten Hälfte in Istanbul. Mit Erfolg, in Köln gelang ein eindrucksvoller Sieg. Auch Du hast Dich an Deine Mitspieler gewandt …

Vogt: "Der Oktober war für uns sicher kein Erfolgsmonat. Über die vielen späten Gegentore haben wir uns am meisten aufgeregt. Es war keine Krisensitzung, aber wir haben darüber gesprochen, was uns immer ausgezeichnet hat: Wir müssen unseren Weg konsequent gehen und mutig sein. Unsere Auffassung von Fußball ist, dass wir spielerische Akzente setzen wollen. Wenn da mal jemand Fehler macht, wird einem bei uns ja nicht der Kopf abgerissen. Aber mutlos wie am Ende in Istanbul ist nicht unsere Art, das geht nicht. Nach dem Spiel in Köln saßen wir dann endlich mal wieder mit einem Lächeln in der Kabine und haben uns gesagt: Hey, da hat mal alles gepasst. Wenn wir so spielen wie in Köln, dann sind wir schwer zu schlagen. Dann hat das auch nichts damit zu tun, dass Köln in der Tabelle unten steht."

Auch die Laufleistung war mal wieder beachtlich, trotz des Trips nach Istanbul. Wie erklärt Ihr Euch die beeindruckende Fitness?

Vogt: "Die internationalen Reisen und Spiele hinterlassen natürlich Spuren, aber wir sind eine fitte Truppe, die unglaublich marschieren kann. Es gab schon einige Statistiken, in denen wir herausgestochen sind. Da müssen wir uns auch bei unserem Trainerstab bedanken, der auf vielen Ebenen hervorragende Arbeit leistet: Und so haben wir eben auch eine kräftige Mannschaft."

Statt mit Niklas Süle, Benjamin Hübner und Sebastian Rudy hast Du zuletzt mit Stefan Posch, Kevin Akpoguma und Dennis Geiger zusammengespielt. Eine große Umstellung, dennoch hat die Defensive stets funktioniert.

Vogt: "An dieser Stelle muss ich mal ein Lob aussprechen, die jungen Spieler machen das wirklich gut. Das erste Bundesliga-Jahr direkt auf diesem Level und dazu im Europapokal zu absolvieren, ist eine große Herausforderung, die sie bislang vorbildlich meistern. Das Trainerteam steuert ihre Belastung aber auch sehr gut, hier wird keiner verheizt. Ich fühle mich wohl neben den Jungs, muss aber natürlich mehr Hilfestellungen geben als bei Niklas und Sebastian. Aber auch die jungen Spieler haben eine enorme Qualität, helfen uns schon sehr und werden sich natürlich noch enorm entwickeln. Da hat hier niemand ein mulmiges Gefühl."

Merkst Du, dass die jungen Spieler durch die Erfolge und die momentanen Erfahrungen wachsen?

Vogt: "In Köln habe ich mich nach dem Spiel in der Kabine tatsächlich dabei ertappt, dass ich die Jungs ein wenig beobachtet habe – und dabei echte Glücksgefühle entdecken konnte. Kevin Akpoguma hat zum ersten Mal ein Spiel gewonnen, in dem er in der Startelf stand. Er hat sich sehr gefreut, auch Poschi war extrem glücklich. Das war sehr schön zu beobachten. Wenn ich zurückdenke, an meine ersten Erfolge als junger Profi – das sind schon besondere Momente, die man so schnell nicht vergisst. Man muss ihnen auch wirklich hoch anrechnen, wie cool sie in Köln gespielt haben. Das Stadion dort ist schon ein Hexenkessel, sehr imposant, voller Energie. Dort zu bestehen, ist nicht alltäglich und eine reife Leistung."

Darf man in der Rückserie noch mehr von der TSG erwarten, da die jungen Spieler und die Neuzugänge sich dann mehr und mehr etabliert haben?

Vogt: "Wir können unsere Leistung definitiv noch maximieren, am besten natürlich durch weitere Erfolge. Man hat ja in der vergangenen Saison gesehen, wie viele Spieler von uns riesige Leistungssprünge gemacht haben. Wir sind aber auch als Mannschaft gewachsen, sogar richtig hochgeschossen. Diesen Prozess treiben wir weiter voran. Wenn wir an die Erfolge und Leistungen anknüpfen können, wird das jeden Spieler positiv beeinflussen. Und mit jedem Sieg und jeder guten Leistung wachsen Selbstvertrauen und Sicherheit."

In den Partien mit den jungen Spielern an Deiner Seite haben sich auch Deine Führungsqualitäten gezeigt...

Vogt: "Es ist schön, wenn es von außen so rüberkommt. Ich bemühe mich darum zu helfen, wo ich kann. Es liegt in meinem Naturell, eine helfende Hand zu sein. Und zwar nicht nur verbal, sondern auch als Anspielstation in Drucksituationen. Man muss immer versuchen, für den anderen da zu sein, das ist mein Anspruch. Und wenn bei einem etwas mal nicht klappt, muss die Botschaft klar sein: Brust raus und weiter geht es."

Hilft Dir die Erfahrung von der Position im defensiven Mittelfeld, die Du in Augsburg und Köln meist bekleidet hast?

Vogt: "Ja, allerdings bin ich einfach so, dass ich auf dem Feld immer versuche zu dirigieren. Ich rede ungern über Stärken von mir, wenn ich aber etwas hervorheben würde, dann, dass ich ganz gut Hilfestellungen geben kann. Vielleicht haben mich die Jungs auch deshalb bei der Kapitänsfrage mit ins Boot genommen. Das ist eine schöne Wertschätzung für mich und hat mich durchaus mit Stolz erfüllt: Denn die Mannschaft hat gewählt, jeder hatte eine Stimme. Und da ich auch nie Klassensprecher oder so etwas war, ist es eine besondere Auszeichnung für mich (lacht)."

Wenn Du mal zurückblickst: Du hast für Bochum, Augsburg und Köln gespielt, nun führtest Du die TSG Hoffenheim in der Europa League als Kapitän auf das Feld. Bist Du zufrieden mit Deiner Karriere?

Vogt: "Glücklich ist das bessere Wort. Zufrieden sollte man nie sein. Also mit dem was man besitzt, schon. Aber nicht mit seiner Entwicklung, ansonsten stagniert man und kommt nicht mehr weiter. Ich bin immer noch gierig nach Erfolgen und guten Leistungen, will jedes Spiel machen und mein Niveau auch jedes Mal abrufen. In Hoffenheim habe ich mich noch einmal anders entwickelt als in den Vereinen davor. Dass ich hier einen großen Sprung gemacht habe, kann ich ja schlecht bestreiten. Ich bin daher sehr glücklich mit meinem Werdegang und dem Weg, den ich hier eingeschlagen habe. Aber ich fühle mich längst noch nicht am Ende. Ich habe einen sehr großen Anspruch an mich selbst und möchte stets das Maximum rausholen.

Hättest Du Dir diese Entwicklung vor Deinem Wechsel selbst zugetraut?

Vogt: "Das soll nicht überheblich klingen, aber das habe ich in der Tat. Ich habe nie daran gezweifelt, dass dieses Potenzial in mir steckt. Ich glaube aber auch, dass vieles sehr positiv zusammengekommen ist, was mir die Entwicklung ermöglicht hat. In erster Linie natürlich das System und meine neue Rolle im Zentrum der Dreierkette, dazu auch der sportliche Erfolg, der einen selbstbewusster und souveräner macht. Mittlerweile spiele ich bei Bedarf auch mal wieder vor der Dreierkette oder im Zentrum einer Viererkette, diese Flexibilität ist vom Trainer gewollt. Ich finde das sehr gut, dadurch wachse ich als Fußballer. Das ist ein großer Anreiz für jeden bei uns im Team."

Zum Spielerprofil von Kevin Vogt >>

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