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10.10.2022

Angeliño: „Ich will einfach immer spielen"

TSG-Neuzugang Angeliño ist ein ruhiger Zeitgenosse, der Medientermine eher scheut. Der Spanier steht lieber auf dem Rasen im Rampenlicht. Für SPIELFELD hat sich die Leihgabe von RB Leipzig dennoch Zeit genommen und die ersten Wochen in Hoffenheim Revue passieren lassen. Im Interview spricht der 25 Jahre alte Linksverteidiger außerdem über die Ziele in dieser Saison, seine Familie und einen großen Traum.

Angel, wie liefen die ersten Wochen nach Deinem Wechsel zur TSG?

„Ich wurde von der Mannschaft super aufgenommen, das hat mir einiges erleichtert. Dazu lief es auch sportlich von Beginn an gut. Das hilft ebenfalls. Glücklicherweise habe ich auch schon eine Wohnung gefunden, ich habe die ersten Wochen noch im Hotel gewohnt. Meine Familie ist nun auch da, es könnte also nicht besser sein."

Du bist für ein Jahr ausgeliehen. Was ist Dein Ziel für diese Saison?

„Wir wollen als Mannschaft erfolgreich sein. Wir haben in den ersten Wochen gezeigt, was möglich ist. Es war noch nicht alles perfekt, aber die Qualität in der Mannschaft ist sehr hoch. Was dann dabei herausspringt, werden wir sehen."

Es gab mehrere Vereine, die an Dir interessiert waren. Warum fiel Deine Wahl auf die TSG?

„Natürlich hatte ich einige Optionen, obwohl ich von Leipzig erst spät erfahren habe, dass sie einen neuen Linksverteidiger holen werden. Aber Hoffenheim hat sofort Interesse gezeigt, und ich habe mich daran erinnert, dass die TSG vor zweieinhalb Jahren schon einmal versucht hat, mich zu verpflichten. Das war ein großer Faktor. Alexander Rosen hat sich erneut enorm um mich bemüht. Daher fiel meine Entscheidung ziemlich schnell für die TSG. Bislang läuft es sehr gut und es scheint die richtige Wahl gewesen zu sein."

Und persönlich betrachtet?

„Ich will einfach immer spielen. Das ist für mich das Wichtigste. Deshalb bin ich auch gewechselt. Ich möchte auf dem Rasen stehen, deshalb bin ich Fußballer geworden. Mir macht diese Sportart unglaublich viel Spaß, daher will ich jede Sekunde mit dem Ball genießen."

Könntest Du Dir vorstellen, dass Du auch nach der Saison noch bei der TSG bist?

„Ich fühle mich hier wohl und auch meiner Familie gefällt es. Aber bis dahin ist noch sehr viel Zeit. Erstmal geht es darum, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen. Danach werden wir darüber reden, was möglich ist. Ich würde gern noch lange im TSG-Trikot spielen."

Woran ist der Wechsel zur TSG im Jahr 2020 letztlich gescheitert?

„Es war kurz vor dem Ende des Transferfensters. Obwohl es sehr knapp war, hat es nicht geklappt. Stattdessen bin ich damals aus unterschiedlichen Gründen nach Leipzig gegangen. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben, und nun bin ich hier. Ich will gemeinsam mit der TSG angreifen."

Hast Du den Kontakt mit Alexander Rosen über die Zeit gehalten?

„Damals lief alles über meinen Berater. Alex Rosen und ich hatten uns damals gar nicht persönlich getroffen. Allerdings wusste ich von dem Hoffenheimer Interesse, seit ich bei der PSV Eindhoven gespielt habe. (Sommer 2018, Anm. d. Red.) Es ehrt einen natürlich, wenn sich jemand so sehr um einen bemüht. Entsprechend habe ich mich gefreut, dass es in diesem Sommer endlich mit dem Wechsel geklappt hat."

Nur wenige Tage nach dem Transfer standest Du gegen den VfL Bochum direkt in der Startelf und hast 90 Minuten gespielt. Wie war es, ins kalte Wasser geworfen zu werden?

„Natürlich ist es in einer neuen Mannschaft, in einem neuen Verein immer etwas Anderes. In Leipzig gibt es eine andere Spielidee als in Hoffenheim. Daher ist es völlig normal, dass man eine gewisse Zeit benötigt. Dennoch habe ich nun schon einiges erlebt im Fußball und eine gewisse Erfahrung. Ich glaube, dass ich im Laufe der Zeit immer häufiger meine Qualitäten einbringen kann."

Dein Vorgänger bei der TSG ist Dein Nachfolger in Leipzig. Wie bewertest Du die ungewöhnliche Situation rund um David Raum und Dich?

„Die TSG hat den besseren Deal gemacht. Ganz einfach. Wir wollen hier gemeinsam ein großartiges Jahr erleben und dann sehen wir, was funktioniert hat. Ich will auf dem Platz die Antwort auf den Transfer geben, weil ich lieber Taten sprechen lasse. In einem Jahr werden die Menschen anders über den Wechsel denken."

Aktuell kommst Du bei der TSG auf der linken Außenbahn in einer Dreier- bzw. Fünferkette zum Einsatz. Ist das Deine bevorzugte Position?

„Ich spiele am liebsten in einer Viererkette. Dann bin ich noch mehr in das Aufbauspiel eingebunden und kann meine Stärken am Ball unter Beweis stellen. Natürlich kann ich in einer Dreierkette etwas offensiver agieren, aber dafür kann es auch passieren, dass ich weniger den Ball habe. So lange ich aber überhaupt spiele, bin ich auf jeder Position glücklich." (lacht)

Du warst in Deiner Karriere sehr häufig ausgeliehen und vor Deiner Station in Leipzig selten länger bei einem Verein. Wünschst Du Dir nun mehr Kontinuität?

„Fußball ist ein Geschäft. Im Endeffekt kann ich mir das nicht immer aussuchen, aber natürlich würde ich gern langfristig ein Zuhause finden. Ich habe zweieinhalb Jahre in Leipzig gespielt, das ist schon eine recht lange Zeit. Wir werden sehen, was nach der Saison passiert. Ich genieße es, auf dem Platz zu stehen. Das ist das, was ich gern mache. Und das will ich noch so lange machen, wie es geht."

Du hast in ganz unterschiedlichen Städten gespielt, wo hat es Dir besonders gefallen?

„Sportlich oder zum Leben?"

Sowohl als auch...

„Zum Leben würden vermutlich viele New York sagen, aber ich habe es damals überhaupt nicht gemocht. Mir war viel zu viel los, das hat mir nicht gefallen. Erst als ich die Stadt verlassen habe, habe ich realisiert, was es dort für Möglichkeiten gibt. Aber mein Favorit wäre wohl Mallorca. Dort war immer sehr schönes Wetter, und ich konnte Spanisch sprechen. Sportlich haben mir die Stationen in den Niederlanden am besten gefallen. Sowohl bei NAC Breda als auch bei der PSV Eindhoven lief es sehr gut für mich. Zuvor wusste ich nicht, ob ich es wirklich zum Profi-Fußballer schaffen werde. Diese zwei Leihen haben mir gezeigt, dass es klappen wird. Dafür bin ich beiden Vereinen sehr dankbar."

Bevor die Leihen begannen, hast Du mit 16 Jahren Deine Familie verlassen und bist aus Spanien nach Manchester gezogen. Wie schwer ist Dir dieser Schritt gefallen?

„Die ersten Monate waren unfassbar hart. Es gab viele Momente, in denen ich meine Familie gebeten

habe, mich zurückzuholen. Ich war zum ersten Mal allein und kannte die Situation nicht. Zudem habe ich mich bei meiner ersten Gastfamilie nicht sehr wohlgefühlt und mich nach dem Training eigentlich nur ins Zimmer verkrochen. Danach kam ich aber zu einer anderen Familie und habe mich wie zu Hause gefühlt. Noch heute spreche ich fast jeden Tag mit ihnen. Zudem kam meine Mutter nach einem Jahr nach Manchester und hat mich ebenfalls unterstützt."

Wie war Deine Kindheit zuvor im Nordwesten Spaniens?

„Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von La Coruña aufgewachsen. Mein Vater hat uns verlassen, als ich drei Jahre alt war. Da meine Mutter als Polizistin häufig auch mal abends arbeiten musste, sind mein Bruder und ich oft bei unseren Großeltern gewesen. Sie haben mich immer unterstützt und mir so viel ermöglicht. Für mich gab es immer nur Schule und Fußball. Wenn ich frei hatte, bin ich sofort mit einem Ball auf einen Platz gegangen. Ich hätte am liebsten jeden Tag ein Spiel gehabt. Ich habe in der Jugend bei Escolas Luis Calvo Sanz gespielt. Es ist ein kleiner Klub, der jedoch bekannt für seine gute Jugendarbeit ist. Anschließend bin ich zu Deportivo La Coruña gewechselt, ab diesem Moment habe ich gespürt, dass es etwas werden könnte mit dem Fußball."

Würdest Du eines Tages gern in Deine Heimat zurückkehren?

„Unbedingt. Das ist mein großer Traum. Ich will meine Karriere bei Deportivo beenden. Leider sind die großen Zeiten vorbei, der Klub spielt aktuell nur noch in der dritthöchsten Liga. In der vergangenen Saison haben sie den Aufstieg ganz knapp verpasst, aber die Fußball-Begeisterung in der Region ist unbeschreiblich. Alle sprechen über das Spiel am Wochenende. Eines Tages will ich wieder das blau-weiße Trikot tragen. Von den Farben her passt es jetzt schon, vielleicht fühle ich mich auch deshalb bei der TSG so wohl." (lacht)

Dein Bruder Dani spielt ebenfalls Fußball. Sprecht Ihr häufig über Eure Spiele?

„Wir telefonieren eigentlich nach jeder Partie. Natürlich verfolgen wir auch die Spiele des Anderen und gucken uns mindestens die Highlights an. Er spielt mittlerweile in der zweiten spanischen Liga bei der Reserve von Villarreal. Wir geben uns gegenseitig Tipps und versuchen uns zu helfen. Er ist ebenfalls Linksverteidiger. Dadurch, dass er aber drei Jahre jünger ist als ich, haben wir nie in der gleichen Mannschaft gespielt. Früher waren wir immer zusammen auf dem Fußballplatz. Er hat jedoch erst sehr spät angefangen, professionell zu spielen. Umso schöner ist es, dass er nun so nah an der ersten Liga ist."

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