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AKADEMIE
14.10.2021

Nachwuchsförderung in Brasilien nach bewährtem Vorbild

Beim brasilianischen Klub Barra FC entsteht eine Jugend-Akademie, die sich an bewährten Strukturen orientiert. Mit der personellen Unterstützung ehemaliger TSG-Mitarbeiter und dem Knowhow der TSG-Akademie erhalten die Jugendlichen vor Ort eine ganzheitliche Ausbildung – mit der Chance auf den Profifußball, aber vor allem auf größere Perspektiven. Damit wird das nachweislich erfolgreiche Nachwuchsförderkonzept auf internationaler Ebene adaptiert.

Das Wappen des Klubs zieren vier weiße Palmen – der Barra Futebol Clube im Süden Brasiliens, am Atlantikstrand des Bundesstaates Santa Catarina gelegen, ist geographisch schon eine herausragende Adresse. Der junge Verein aus der Stadt Balneário Camboriú mit ihren rund 130.000 Einwohnern soll aber auch fußballerisch wie gesellschaftlich bald eine erstklassige Heimat sein.

Dies zumindest ist der Wunsch von Dietmar Hopp. Auf Betreiben des SAP-Mitbegründers und vielfach ausgezeichneten Stifters entsteht in den nächsten Jahren beim Barra FC, gegründet im Jahr 2013, ein Nachwuchsleistungszentrum für junge Fußballer nach dem Vorbild der erfolgreichen Hoffenheimer Akademie. Mit der Expertise ehemaliger Mitarbeiter wird eine Talentschmiede aufgebaut, für die Dietmar Hopp, der vor mehr als 20 Jahren das viel gepriesene Jugendförderkonzept „Anpfiff ins Leben“ gründete und etablierte, selbst die Messlatte legt: „Dort sollen die talentierten Fußballer nicht nur gesichtet, sondern ganzheitlich ausgebildet werden – sowohl sportlich als auch schulisch sowie in der Gewinnung sozialer Kompetenz.“

Akademie-Expertise vor Ort

Als Verantwortlicher für dieses ambitionierte Projekt in Brasilien ist seit diesem Spätsommer Sebastian Bacher vor Ort. Der 34-Jährige war insgesamt mehr als ein Jahrzehnt in Diensten der TSG Hoffenheim, davon auch viele Jahre als Pädagogischer Leiter der Akademie. Der studierte Lehrer hat das viel beachtete Hoffenheimer Konzept der Nachwuchsförderung an die Verhältnisse vor Ort adaptiert und angepasst. Rund 55 Juniorenspieler trainieren derzeit beim Barra FC in den Altersklassen U15 und U17. „Wir bieten zum jetzigen Zeitpunkt bereits professionelle Strukturen“, sagt Bacher. Dazu gehören Einrichtungen wie Naturrasenplätze, Umkleiden, Spielerwohnheim und Bürotrakt ebenso wie die personelle Ausstattung der Funktionsteams mit Physiotherapeuten, Video-Analysten und einem Psychologen. Es ist naheliegend, dass beim Aufbau der Strukturen auf zusätzliches Knowhow von ehemaligen TSG-Mitarbeitern zurückgegriffen wird.

Neben Bacher ist bereits ein früherer TSG-Nachwuchscoach als U17-Trainer vor Ort, um die Hoffenheimer Philosophie von Beginn an mit einzubringen. Darum wird sich in Zukunft an prominenter Stelle noch ein weiterer Fachmann kümmern: Dirk Mack, von 2015 bis 2020 Direktor Nachwuchs der TSG Hoffenheim und zuletzt in China aktiv, wird das Projekt als Sportlicher Leiter begleiten. Der frühere DFB-Auswahltrainer verkörpert zugleich auch die fußballerische Ambition der Akademie des Barra FC, von der Dietmar Hopp sagt: „Ziel ist es, den jungen Spielern Perspektiven zu eröffnen. Sie sollen später weltweit in den oberen Ligen Fuß fassen.“

Mit Hilfe eines großen Netzwerks und erfahrenen Partnern vor Ort soll der Barra FC zu einer echten Marke im brasilianischen Nachwuchsfußball werden. Die Planungen sehen vor, mit der Installation einer U19 im kommenden Jahr den gesamten Nachwuchssektor von der U15 aufwärts abzudecken sowie die erste Männer-Mannschaft, die gerade ungeschlagen die Meisterschaft der 2. Staatsliga (Serie B, Campeonato Catarinense) gewonnen hat und in die erste regionale Staatsliga aufgestiegen ist, hier zu etablieren.

Brasilianische und deutsche Elemente verbinden

Dirk Mack zeichnet für die sportliche Konzeption verantwortlich. „Wir wollen die größten Talente des Landes für die Nachwuchsakademie des Barra FC begeistern“, so der 53-Jährige. „Es geht um die individuelle Talent-Entwicklung und dabei sehen wir auch unsere Profimannschaft als Entwicklungsstufe. Über kurz oder lang sollen die besten Spieler den Sprung in den Profi-Fußball schaffen, sei es in Brasilien, generell in Südamerika – oder sogar in Europa. Die Idee ist, brasilianische Elemente wie Talent und Kreativität mit deutschen wie Struktur und Disziplin optimal miteinander zu verbinden.“

Die organisatorischen Fäden laufen bei Mariano Maroto López zusammen. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer der von Dietmar Hopp finanzierten HOBRA GmbH & Co. KG, die sich seit einigen Jahren intensiv um den Aufbau den infrastrukturellen Voraussetzungen kümmert. So hat die HOBRA im August unter anderem 51 Prozent Anteile am portugiesischen Zweitligisten Académico de Viseu übernommen. Dieser Klub aus dem Land des Europameisters von 2016 soll künftig eine weitere Entwicklungsstufe darstellen. „Sei es für brasilianische Talente des Barra FC, die über diesen Weg sowohl sprachlich als auch kulturell eine schnellere Integration im europäischen Fußball vollziehen können, sei es für Talente der TSG, die so in einer höheren Klasse im Ausland den nächsten Schritt machen und Erfahrung sammeln können“, so Maroto López.

Das Hauptaugenmerk liegt derzeit zunächst auf dem Aufbau der neuen Akademie in Balneário Camboriú, deren Planungen sich aus verschiedenen Gründen über eine längere Zeit hingezogen haben. „Das Trainingszentrum des Barra FC soll in der Saison 2023/24 in Betrieb genommen werden. Ein Stadion mit einem Fassungsvermögen für rund 5.000 Zuschauer, vier Plätze mit Natur- und Kunstrasen sind ebenso geplant wie Schulungsräume, ein Internat, eine Kantine sowie ein Verwaltungsgebäude und ein Performance Center“, erklärt Maroto López. „Alle deutschen Inhalte müssen der brasilianischen Kultur entsprechend angepasst werden. Die Verantwortlichen vor Ort haben daher die spannende und herausfordernde Aufgabe, einen interkulturellen Ansatz zu implementieren, der die brasilianische und die deutsche Mentalität sowie Fußballexpertise miteinander verbindet, ohne die jeweils andere zu beschneiden.“ Eine der vielen Ideen: Am Campus soll es möglichst immer brasilianisch-deutsche Mitarbeiterteams geben.

Förderung von Schule, Beruf und Persönlichkeit

Doch der sportliche Output ist eben nur die eine Säule des Konzepts, mindestens gleichwertig aber steht der gesellschaftliche Mehrwert, den Dietmar Hopp als Mit-Begründer der „Anpfiff ins Leben“-Philosophie beschreibt: „Wenn es sportlich nicht reicht, verfügen die Spieler über Fähigkeiten, die sie ohne die Ausbildung in dieser Akademie nie gehabt hätten. Mein Wunsch ist es, viele gute Fußballer, aber auch viele gestandene Persönlichkeiten aus dieser Akademie herauszubringen.“ Dafür sind bereits die ersten Voraussetzungen geschaffen: Professoren aus den Bereichen Psychologie und Physiotherapie der nahegelegenen Universität „Uniavan“ sind bereits Teil der Barra-Funktionsteams. Diese Verbindung soll im Sinne der bestmöglichen Ausbildung und Begleitung der Spieler und Mitarbeiter im Rahmen von Kooperationen weiter ausgebaut werden.

Auch im Hinblick auf die schulische und berufliche Ausbildung wird das deutsche Konzept an die brasilianischen Verhältnisse angepasst: „Wir arbeiten mit den Jungs wie auch in Hoffenheim sehr lebens- und praxisnah“, betont Bacher. „Hier geht es ja oft schon um rudimentäre Dinge wie Selbstorganisation und Disziplin, aber auch um die möglichst ganzheitliche Begleitung der Jungs beim Erwachsenwerden.“ Die Akademie als Lern- und Lebensort, als Aufstiegshelfer für talentierte Kicker, die unabhängig vom fußballerischen Erfolg etwas bewirkt. Die Zielsetzung ist klar: „Beim Barra FC ausgebildet worden zu sein, soll ein Gütesiegel sein – als Fußballer wie als Mensch.“

Ein Projekt also, dass an die Zeit erinnert, als Dietmar Hopp in den 2000er Jahren mit nachhaltigen Ideen den Höhenflug der TSG Hoffenheim initiierte und das in keinerlei Konkurrenz zum Kraichgau-Klub steht – ganz im Gegenteil: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn eines Tages auch die TSG Hoffenheim von dieser Arbeit profitieren könnte und im Kraichgau wieder Spieler vom Kaliber eines Carlos Eduardo, Luiz Gustavo oder Roberto Firmino spielen würden“, sagt Hopp.

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