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AKADEMIE
17.08.2021

Rasiejewski: Jungs sollen für Erfolg brennen

Von 2011 bis 2015 war er U17-Cheftrainer, Anfang Juli kehrte der ehemalige Bundesligaprofi und Junioren-Nationalspieler, Jens Rasiejewski, als Leiter der TSG-Akademie in den Kraichgau zurück. Der Vater dreier Söhne, der jüngste kam gerade erst vor wenigen Wochen zur Welt, spricht im Interview über seine Erfahrungen und darüber, auf welchen Weg er die Akademie führen will.

Jens, nach sechs Jahren bist Du wieder zurück. Anderes Büro, andere Funktion. Wie fühlt sich das an?

"Vor nicht allzu langer Zeit war diese Entwicklung gar nicht absehbar. Doch als die Stelle plötzlich frei wurde, habe ich gerne zugesagt. Es hat sich ein bisschen angefühlt, wie nach Hause zu kommen. Viele Mitarbeiter von damals sind noch da und haben mir den Einstieg erleichtert. Jetzt freue ich mich, hier etwas Neues starten zu können."

Wie waren Deine ersten Eindrücke?

"Es ist alles größer geworden, aber im Kern hat sich die Akademie nicht verändert: Die familiäre Atmosphäre ist geblieben. Ebenso die Infrastruktur und viele ehemalige Kollegen."

Welche sind die Vorzüge der TSG-Akademie?

"Hoffenheim ist ein besonderer Ort, der vieles abbildet, was es in dieser Form nur selten gibt. In diesem Setting – dörflicher Charakter gepaart mit nachhaltiger Arbeit und qualitativer Passung der Talente – können sich hochveranlagte Spieler optimal entwickeln."

Du hast als U17-Trainer einige Spieler trainiert, die heute Erst- oder Zweitligaprofis sind, wie zum Beispiel Dennis Geiger, Nadiem Amiri, Davie Selke oder Robin Hack. Was macht die Arbeit in der Akademie für Dich so besonders?

"Dass hier immer innovative Prozesse angestoßen wurden und es eine eigene Spielidentität gegeben hat. Unser Auftrag besteht darin, Hochleistungssport mit gesellschaftlicher Verantwortung optimal zu verbinden und den Blick immer nach vorne zu richten."

Stichwort „Spielidentität“: Willst Du etwas verändern?

"Ich strebe eine gesunde Mitte aus Ergebnisorientierung, attraktiver Spielweise und Verringerung der taktischen Verkomplizierung an. Als ich 2011 hier anfing, war die Spielidee der TSG von den Einflüssen Ralf Rangnicks und dessen Mentors Helmut Groß geprägt. Der damalige Nachwuchsdirektor Bernhard Peters trieb das Ganze voran und mit Pep Guardiola kam damals ein Trainer in die Bundesliga, der attraktiven Fußball spielen ließen. In diesem Umfeld konnte zum Beispiel auch ein Julian Nagelsmann optimal gedeihen. Ich möchte wie damals eine Siegermentalität sowie eine einheitliche, attraktive Spielidee etablieren und sowohl unseren Talenten als auch den Trainern perfekte Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten. Die DNA eines Vereins prägt die Trainer, die wiederum mit ihren Ideen die Spieler formen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen sich auf dem Platz widerspiegeln!"

Was ist wichtiger: sportlicher Erfolg oder Ausbildung?

"Der Wettbewerb ist wichtig, weil man im Fußball immer am Ergebnis gemessen wird. Aber ich wiederhole mich: Wir wollen die gesunde Mischung finden. Bei guter Ausbildung kommen auch die Erfolge."

Was hast Du Dir noch auf Deine To-do-Liste geschrieben?

"Wir müssen die Akademie im härter werdenden Wettbewerb der Nachwuchszentren gut positionieren. Dafür brauchen wir Spieler mit Ecken und Kanten - so wie zum Beispiel auch Dennis Geiger einer war. Die Jungs sollen für den Erfolg brennen und wissen, wofür sie stehen. Das können sie dann auch ausleben, also die gewisse Portion Extra haben. Sie sollen viele Freiheiten bekommen, aber nicht vergessen, Teil des Ganzen zu sein. Jeder hat sein eigenes Mindset, wird aber auch von der Gemeinschaft geprägt."

Wie hast Du die Europameisterschaft gesehen?

"Viele attraktive Spiele, intakte Mannschaften und einen verdienten Sieger, der mit Herz gespielt hat! Der italienische Trainer Roberto Mancini hat eine sehr gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern gefunden und es geschafft, den Teamgeist optimal zu fördern. Das war in jeder Sekunde erkennbar. Jeder wusste genau, was er zu tun hat und hat sich für den gemeinsamen Erfolg aufgeopfert."

Kommen wir auf Deine eigene Jugendzeit zu sprechen: Eine andere Welt, oder?

"Das Spiel ist schon das gleiche geblieben, aber die Umstände sind natürlich ganz andere. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, es gab gerade mal drei TV-Programme. Für mich existierte nichts anderes als Fußball. Samstag D-Jugend, Sonntag C-Jugend. Und selbst als ich Jugendnationalspieler war, bin ich bei meinem Heimatklub, dem VfB Marburg, geblieben. Heute undenkbar."

Was waren Deine Stärken?

"Ich hatte eine hohe Einsatzbereitschaft und einen großen Willen. Diese Eigenschaften wurden mir nicht anerzogen. Sie waren in mir drin. Ohne sie wäre nichts aus mir geworden."

Du hast unter anderem für Eintracht Frankfurt und Hannover 96 gespielt. Dein schönster Moment?

"Der Aufstieg mit Hannover 96 in die Zweite Bundesliga im Relegationsspiel gegen Tennis Borussia Berlin vor 50.000 Zuschauern. Wir hatten das Hinspiel 0:2 verloren. Kurz vor Ende des Rückspiels traf Vladan Milovanović per Fallrückzieher zum 2:0. Aufgrund von Verletzungen mussten wir die Schlussphase zu neunt überstehen. Im Elfmeterschießen hat Jörg Sievers dann drei Schüsse pariert."

Einer Deiner Trainer war Felix Magath, der als harter Hund und Schleifer galt. Kannst Du dieses Image bestätigen?

"Ja."

Welcher Trainer hat Dich geprägt?

"Reinhold Fanz. Er hat es verstanden, die Schwächen der Spieler zu erkennen, sie auszumerzen und eine attraktive Spielweise zu implementieren."

Und welcher Gegenspieler hat Dich am meisten beeindruckt?

"Definitiv Thomas Häßler. Gegen den habe ich keinen Stich gemacht. Mit welcher Leichtigkeit er sich bewegt und von einer Sekunde auf die andere dem Spiel eine neue Richtung gegeben hat, war unglaublich."

Du warst von 2015 bis 2018 in verschiedenen Funktionen beim VfL Bochum tätig, unter anderem als Nachwuchschef und als Trainer der Profis. Was hast Du aus diesem Lebensabschnitt mitgenommen?

"Es war eine spannende Zeit, weil ich eine Mischung aus Trainer und Manager sein durfte. Dass ich dann für ein paar Monate Chefcoach wurde, war den Umständen geschuldet. Es war jetzt nicht so, dass für mich ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen wäre."

2018 folgte die Trennung. Wie hast Du die Zeit danach verbracht?

"Ich habe mit Profispielern, -trainern und -vereinen zusammengearbeitet, um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem habe ich mit Trainerkollegen eine Initiative gegründet, die sich mit der Zukunftsgestaltung des im Wandel befindlichen Fußballsystems auseinandergesetzt hat. Eine spannende Frage, die mich noch immer beschäftigt. Auch in meiner neuen, aktuellen Funktion."

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