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PROFIS
16.05.2021

„Hoffe-Mentalität hat uns ausgezeichnet“

Im Interview spricht Direktor Profifußball Alexander Rosen über die Partie in Bielefeld, die Spielzeit 2020/21 sowie das bevorstehende Heimspiel gegen Hertha BSC.

Alexander Rosen, das letzte Auswärtsspiel der Saison endete am Samstag mit einem 1:1 in Bielefeld. Die TSG hatte den Klassenerhalt bereits gesichert, für die Arminia geht es weiterhin darum, Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Wie hast Du das Spiel gesehen?

„Es war für uns ein schwieriges und intensives Spiel. Es geht für Bielefeld um sehr viel, aber wir haben 90 Minuten gut dagegengehalten, das Remis geht in Ordnung. Ein besonderer Aspekt der Partie war der Tor-Rekord von Andrej Kramarić. Mit dem Führungstreffer in der fünften Minute hat er seinen 19. Saisontreffer erzielt und damit die Bestmarke von Vedad Ibisevic aus der Saison 2008/09 übertroffen. Ich weiß, dass es Andrej viel bedeutet, Vereinshistorie geschrieben zu haben.  Deshalb auch hat er danach allen gedankt, die ihn auf diesem Weg begleitet haben. 

Nun steht am Samstag noch das Spiel gegen Hertha BSC auf dem Programm, dann ist die Saison 20/21 Geschichte. Eine Spielzeit, die nicht nur wegen der Corona-Rahmenbedingungen als die außergewöhnlichste der Bundesliga-Historie bezeichnet werden darf...

„...und als eine sehr, sehr herausfordernde. Die vergangenen anderthalb Jahre sind durch die Pandemie für alle Menschen extrem anspruchsvoll gewesen. Wir waren als Klub und Liga dankbar, durch das Entgegenkommen der Politik und dank des DFL-Hygienekonzepts, überhaupt spielen zu dürfen. Und doch hielt die Saison für uns eine hohe Zahl negativer Überraschungen bereit, die uns immer wieder vor große Hürden gestellt und uns einiges abverlangt haben. Dank der großen Moral und des enormen Engagements aller im Klub haben wir die Herausforderungen aber immer angenommen und sind nicht daran verzweifelt. Die vielen Covid-Fälle, das schon beinahe unheimliche Verletzungspech, das uns durch die gesamte Saison begleitet hat, die hohen Belastung durch die enge Spielplan-Taktung – all das haben wir gemeinsam im Team bewältigt. Trotz der viele Widerstände sind wir ruhig geblieben, haben an uns geglaubt, immer weiter gemacht und werden die Liga auf einem Mittelfeldplatz abschließen. Das ist letztlich nicht das, was wir uns vor der Saison erhofft haben. In Anbetracht der Umstände ist das aber respektabel. Wir haben uns das dank unserer „Hoffenheim-Mentalität“ wirklich erkämpft. Und so gehen wir nun schon in die vierzehnte Saison als Bundesligist.

Wie lautet also die Marschrichtung für das abschließende Heimspiel?

„Gegen Hertha BSC werden wir noch einmal alles raushauen. Beide Teams können befreit aufspielen. Wir wollen unsere starke Serie der vergangenen Wochen ausbauen und weiter ungeschlagen bleiben. Allerdings haben wir hier wieder große personelle Herausforderungen zu bewältigen. In Baumann, Hübner, Bičakčić, Nordtveit, Richards, Stafylidis, Akpoguma, Geiger und Baumgartner fehlen wieder zahlreiche Spieler. Aber wir wollen mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen.“ 

Der deutsche Fußball befindet sich derweil in einer schwierigen Phase. Die DFL musste unter anderem die Corona-Krise mit allen sportlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen stemmen. Der DFB erlebt eine historische Führungskrise.

„In dem Zusammenhang möchte ich der DFL ein großes Kompliment aussprechen. Wie dort die Lage für uns alle in dieser Zeit geregelt wurde, war einzigartig. Für diese Pandemie gab es keine Erfahrungswerte, keine Routinen, schon gar keine Bedienungsanleitung und dennoch haben wir es geschafft, die Saison durchzuspielen und für andere Ligen und Branchen eine Art Blaupause zu schaffen. Das war nicht selbstverständlich und für viele Klubs sowie ihre Mitarbeiter existenzrettend.  Das Bild des DFB als weltgrößtem Einzel-Sportverband ist dagegen verheerend. Da ist die angesprochene Führungskrise, ein wirklich unwürdiges Intrigen-Spiel, das dem Fußball in den vergangenen Monaten massiv geschadet hat. Unterdessen blieben die großen Sorgen der vielen Amateurklubs hierzulande durch Corona unbeantwortet. 

Ein aktuelles Diskussionsthema ist beim DFB die Altersgrenze für Schiedsrichter, auch hier kommt es einem vor, als fehle die nötige Weitsicht. 

„Es wird Zeit, dass die vereinzelten Aussagen, die sich zuletzt gegen die Altersgrenze bei den Schiedsrichtern im Allgemeinen und besonders für mindestens eine weitere Saison eines Ausnahme-Referees wie Manuel Gräfe gerichtet haben, orchestriert werden und die Liga mit einer Stimme gegen diesen Funktionärs-Irrsinn einsteht. Es gibt wohl nur wenige Themen, bei denen alle Protagonisten, also Spieler, Trainer und Sportdirektoren, die gleiche Meinung vertreten. Diese bürokratische Entscheidung passt leider ins Bild, das ein offensichtlich heillos zerstrittener Verband aktuell von sich zeichnet. Es geht darum, die Besten in der Liga einzusetzen, auf allen Ebenen. An diesen Besten kann sich der Nachwuchs orientieren, und von ihnen kann er lernen. Das betrifft nicht nur die Leistung, sondern auch die Haltung, die ein Mann wie Manuel Gräfe auch außerhalb des Platzes seit Jahren beweist. Man muss sich an den Kopf greifen, wenn man einen Mann auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit einfach so auf Eis legt, nur weil er an einer vor Urzeiten festgelegten imaginären Zeit-Schwelle angekommen ist. Es ist ein Armutszeugnis für die Souveränität und den Leistungsgedanken, die ein Verband dieser Bedeutung und Größe ausstrahlen sollte.  Diese Entscheidung reiht sich ein in die katastrophale Außendarstellung. Man mag gar nicht glauben, was und wie viel man in einer Organisation in so kurzer Zeit alles falsch machen kann. Und das offenbar auch noch voller Überzeugung. Es sind dies Vorgänge, die dem Fußball nachweislich schaden. Es ist Zeit für mehr Miteinander und weniger persönliche Agenden und Positionskämpfe.  Es gilt im Sinn des Fußballs zu handeln – das Motto muss lauten: vereinen, nicht trennen.“

Wenn Du zum Abschluss einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

„Ich wünsche mir, dass Spaltung und Hass in unserer Gesellschaft wieder zurückgehen und dass wir die außerordentlichen Herausforderungen dieser Zeit auf allen Ebenen gemeinsam begegnen, und sie meistern. Dabei muss die Perspektive der Kinder meiner Meinung nach eine viel stärkere Gewichtung erhalten. Natürlich sehen wir uns alle wieder nach einem freieren Leben, so viele Branchen und Menschen leiden psychisch, physisch und finanziell unter den Folgen dieser Pandemie. Für den Fußball und den Sport im Allgemeinen wünsche ich mir, dass wieder Zuschauer in die Stadien dürfen. Die Freude und die Emotionen mit unseren Fans zu teilen, das macht es doch eigentlich aus. Das fehlt uns allen gewaltig.“

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