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SPIELFELD
24.05.2021

„Das Beste, was mir je passiert ist“

Andrej Kramarić hat in Hoffenheim sein sportliches Zuhause gefunden. Vor gut fünf Jahren wechselte der Kroate von Premier-League-Klub Leicester City zur TSG und entwickelte sich seitdem aufgrund seiner sportlichen Leistungen als Rekordtorschütze zur Klub-Legende. Auch abseits des Fußballplatzes genießt der 29-Jährige das Leben im Kraichgau. Im großen SPIELFELD-Gespräch über Heimat spricht der kroatische Nationalspieler über die enge Beziehung zu seinem Geburtsland, seine Kindheit sowie seine Zukunft bei der TSG.

Andrej, Du spielst seit mehr als fünf Jahren in Hoffenheim. Noch nie hast Du so lange außerhalb von Kroatien gelebt. Ist der Kraichgau inzwischen zu Deiner zweiten Heimat geworden?

„Absolut. Die Region, der Klub, die Stadt, die Atmosphäre – all das gefällt mir hier sehr gut. Es ist schön ruhig, und ich kann die Natur genießen. In Heidelberg gefällt mir vor allem die romantische Altstadt und das Schloss, ich genieße jeden Moment hier. Der Kraichgau ist meiner Heimat wirklich sehr, sehr ähnlich. Das habe ich sofort festgestellt, als ich im Januar 2016 hierher kam. Es hat vom ersten Moment an gepasst.”

Über die Zeit vor Deiner Fußballkarriere hast Du bislang wenig gesprochen. Wo bist Du in Kroatien aufgewachsen?

„Ich bin in Zagreb geboren und habe dort den Großteil meiner Kindheit verbracht. Die ersten Jahre habe ich aber in der Region Zagorje gelebt, die im Norden nahe der slowenischen Grenze liegt, ungefähr eine Stunde entfernt von Zagreb. Meine Familie stammt aus einem kleinen Dorf dort in der Region. Meine Eltern sind damals nach Zagreb gezogen, um Arbeit zu finden – und ich habe dann, bevor ich in den Kindergarten kam, sehr viel Zeit mit meinen Großeltern in Zagorje verbracht. Erst als ich in die Schule gekommen bin, sind wir alle nach Zagreb gegangen. Der Großteil meiner Familie lebt noch heute in Zagorje.“

Welche Erinnerungen hast Du an Deine Kindheit?

„Ich war häufig draußen und habe als kleines Kind die Natur genossen. Mein Vater hat zudem sehr viel Zeit mit mir auf dem Fußballplatz verbracht. Denn seitdem ich Laufen gelernt habe, hatte ich immer Fußbälle in meinem Zimmer und habe überall in unserer Wohnung gespielt. Wir haben zwar nicht im Luxus gelebt, aber es hat an nichts gemangelt. Meine Mutter hat Medizin studiert und war zunächst als Ärztin tätig. Mittlerweile arbeitet sie im kroatischen Gesundheitsministerium. Mein Vater ist im Ruhestand, hat aber zuvor für die Regierung gearbeitet. Meine Eltern haben alles getan, um meiner vier Jahre älteren Schwester und mir eine schöne Kindheit zu ermöglichen. Ich denke sehr gern an die Zeit zurück.“

In welchem Alter hast Du begonnen, in einem Fußballverein zu spielen?

„Mein erster Fußballklub war Dinamo Zagreb, für den ich das erste Mal im Alter von sechs Jahren gespielt habe. Mein Vater hat mich damals vom Kindergarten direkt zum Stadion von Dinamo im Zagreber Bezirk Maksimir gefahren. Dinamo ist der größte Klub der Stadt und der Verein meiner Kindheit. Alle Jugendlichen träumen davon, einmal für Dinamo zu spielen.“

„Das war ein ganz besonderer Moment“

Mit 17 Jahren hast Du dann für die erste Mannschaft debütiert, in der bekannte Spieler standen wie Mario Mandzukic, Dejan Lovren oder Robert Kovac.

„Es war wirklich ein ganz besonderer Moment. In der Akademie war ich immer einer der besten Spieler und dann ging es darum, den nächsten Schritt zu gehen. Ich durfte regelmäßig bei den Profis mittrainieren und stand wenig später, im Duell mit NK Zagreb, zum ersten Mal zusammen mit all‘ diesen ‚großen Jungs‘ in einem Spiel auf dem Rasen. Das hat mich sehr glücklich gemacht – auch wenn wir das Derby damals verloren haben.“

Deine Eltern waren vermutlich unglaublich stolz auf Dich …

„Und wie – vor allem mein Vater. Er hat früher selbst Fußball gespielt und hatte vielleicht das Talent, um Profi zu werden. Aber mein Großvater hat gesagt, dass man nicht vom Sport leben kann und ihn auf die Universität geschickt.“

Dein Vater hingegen hat Dich stets unterstützt in Deinem Streben, Fußballprofi zu werden …

„Es war sogar einer der Gründe, warum ich letztendlich Profi geworden bin. Wir haben viele Extraeinheiten zusammen absolviert. Er war der wichtigste Trainer meiner Kindheit und hat stets versucht einen besseren Spieler aus mir zu machen. Er hat einen großen Anteil daran, dass ich es hierhin geschafft habe. Dass es dann auch noch bei meinem Heimatverein Dinamo Zagreb geklappt hat, war die Krönung.“

Deine enge Beziehung zu Kroatien ist spürbar. Würdest Du Dich selbst als heimatverbundenen Menschen bezeichnen?

„Das ist hundertprozentig so. Ich versuche, meine Familie so oft wie möglich in Kroatien zu besuchen. Von Frankfurt aus fliegen jeden Tag mehrere Maschinen nach Zagreb. Das ist mir sehr wichtig. Leider verhindern die aktuellen Einschränkungen regelmäßige Aufenthalte bei meiner Familie. Obwohl ich nun bereits seit fast sieben Jahren nicht mehr in Kroatien lebe, fühle ich mich meiner Heimat immer noch sehr verbunden und empfinde Zagreb als mein Zuhause.”

Wie hat es sich für Dich angefühlt, als Du im Januar 2015 das erste Mal Deine Heimat verlassen hast und zu Leicester City gewechselt bist?

„Ich war allein, habe meine Freunde und Familie lange nicht gesehen. Die ersten drei Monate waren deshalb sehr schwierig für mich. Nach einer Weile hatte ich mich an die Situation gewöhnt und es wurde besser, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich schon etwas den Anschluss im Team verloren. Da war es also fast schon zu spät. Das war dann der Grund, weshalb ich mich für einen Wechsel nach Hoffenheim entschieden habe.“

„Das bedeutet mir so viel“

So kamst Du im Januar 2016 nach Hoffenheim, zunächst als Leihgabe für ein halbes Jahr, um die TSG zum Klassenerhalt zu schießen. Es sind jetzt schon mehr als fünf Jahre daraus geworden …

„Ich habe niemals daran gedacht, bei einem Klub in einem fremden Land solch gute Leistungen bringen zu können. Ich habe es nicht erwartet, dass ich einmal zu den besten Stürmern in Deutschland zählen werde. Deshalb bedeutet es mir so viel, und ich bin dem gesamten Verein, dem Trainerteam, Alexander Rosen und allen anderen sehr dankbar für ihre Hilfe in den vergangenen Jahren. Es war das Beste, was mir passieren konnte.“

Inzwischen bezeichnest Du die TSG als Deinen zweiten Heimatklub.

„Ja, und das hat viele Gründe. Ich habe einen super Draht zu den Mitspielern, dem Trainerteam und zu den Mitarbeitern. Ich kann mich hier zu Hause fühlen und über alles reden. Dazu kommt natürlich der sportliche Erfolg. Wir haben in den vergangenen Jahren eine großartige Zeit miteinander gehabt. Es macht mich unfassbar stolz, dass ich mittlerweile so viele Rekorde innehabe.“

In der Saison hattet Ihr allerdings ein paar Probleme.

„Das stimmt. Wir haben in den vergangenen Spielzeiten eigentlich immer sehr erfolgreich gespielt. Natürlich sind wir deshalb über diese Saison enttäuscht. Das kann ich nicht verneinen. So etwas kann im Fußball selbstverständlich passieren, dass man als Team auch mal eine schlechte Phase erlebt. Wenn man aber die gesamte Zeit betrachtet, hatten wir gemeinsam sehr viel Erfolg. Man möchte immer mehr davon, aber dann merkt man, dass es leider auch anders laufen kann. Wir müssen es akzeptieren und in Zukunft wieder unsere Qualität auf dem Rasen steigern.“

„Ich fühle mich hier wohl“

Dein Vertrag bei der TSG läuft noch bis Sommer 2022. Hast Du Dir schon Gedanken über Deine Zukunft gemacht?

„Ich denke, das sollte jeder tun. Ich führe sehr oft Gespräche mit Alex (Rosen; Anm. d. Red.) und dem Trainerteam. Mein Vertrag läuft aber noch mehr als ein Jahr. Wir müssen uns nicht stressen. Natürlich denke ich oft darüber nach, aber erst einmal liegt der Fokus auf der restlichen Saison. Danach werden wir weitere Gespräche führen und schauen, was passiert. Ich kann nur immer wieder betonen, wie wohl ich mich hier fühle.“

Hast Du denn schon Pläne für die Zeit nach Deiner Karriere?

„Wir werden auf jeden Fall nach Zagreb zurückkehren. Das ist meine Heimat, dort lebt meine Familie in der Nähe. Heimat bedeutet für mich Familie, Freunde und Entspannung. Ich freue mich sehr auf die Zeit, aber werde ganz bestimmt nach meiner Karriere auch häufiger zurück nach Hoffenheim, Heidelberg, in den Kraichgau kommen. Es ist und bleibt meine zweite Heimat.“

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