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SPIELFELD
23.09.2020

Rekordmann auf Rekordjagd

Er ist schon jetzt eine Vereinslegende: Andrej Kramarić ist Rekordtorjäger der TSG Hoffenheim und steht auch in weiteren Bestenlisten des Klubs ganz oben. Seit seiner Ankunft im Januar 2016 hat sich der Klub – auch dank der Tore des Kroaten – von einem Abstiegskandidaten zum Stammgast im Europapokal entwickelt. Doch zurücklehnen und selbstzufrieden auf die Erfolge der vergangenen Jahre zurückblicken ist für den 29-Jährigen keine Option. Angetrieben von seinem enormen Ehrgeiz jagt der Angreifer nun die nächsten Bestmarken.

Andrej Kramarić ist ein Wettkämpfer. Der Kroate liebt die sportliche Auseinandersetzung. Und mag es gar nicht, zu verlieren. Getreu dem Motto: Wer nicht der Erste ist, ist der Letzte. Seinen Siegeswillen unterstrich er auch im Trainingslager der TSG in der Sommer-Vorbereitung. Während die meisten TSG-Profis die Fahrt mit dem Fahrrad vom Teamhotel zum Trainingsplatz am Tegernsee zum Warmmachen nutzen, funktionierte der Vize-Weltmeister sie zur Rennstrecke um. Am Ende der Tour musste sich der 29-Jährige aber „Lokomotive“ Pavel Kadeřábek geschlagen geben. Ansonsten lässt sich der Kroate aber nur selten bremsen und begibt sich auf stete Rekordjagd. So ist er seit seinem Wechsel im Januar 2016 aus Leicester nach Hoffenheim zu dem geworden, was er mittlerweile ist: der beste Bundesliga-Torschütze der Vereinsgeschichte und schon jetzt eine Klublegende.

Kramarić erzielte für die TSG Hoffenheim bislang 65 Treffer in der Bundesliga. Damit ist der Vize-Weltmeister nicht nur Rekordtorjäger der TSG, sondern liegt in einer Wertung der erfolgreichsten Spieler, die aktuell aktiv in der Bundesliga spielen, auf Platz sieben. Doch Hoffenheims Nummer 27 hat bereits weitere Bestmarken im Visier: Als nächstes will der Angreifer den Rekord von Ivica Olić brechen. Der ehemalige Stürmer, der unter anderem beim FC Bayern München und Hamburger SV spielte, traf 72 Mal in der Bundesliga und ist damit der Rekordtorjäger in der höchsten deutschen Spielklasse mit kroatischer Nationalität. „Das wäre ein sehr großer Erfolg für mich und ich will es unbedingt erreichen. Ich werde alles dafür geben“, sagt Kramarić, der bereits als kleiner Junge Buch über die Anzahl seiner Treffer führte. „Wenn es so läuft wie in den vergangenen Jahren, bin ich zuversichtlich, dass es in dieser Saison klappt und ich noch mindestens sieben Treffer erziele.“ Mittlerweile benötigt er keine eigene Buchhaltung mehr, sondern kann seine Statistiken im Internet nachschlagen. Wie viele Treffer ihm zum Rekord fehlen, weiß er auf Anhieb.

Endlich verletzungsfrei

Beim Unterfangen, sich zum kroatischen Rekordtorjäger in der Bundesliga zu küren, kann der TSG-Profi auf eine für ihn fast ungewohnte Komponente zählen: die Sommervorbereitung. In den vergangenen beiden Jahren verpasste Kramarić jeweils die Vorbereitung und stieg erst während der Saison ins Mannschaftstraining ein. Dennoch traf er in beiden Jahren zweistellig und avancierte in beiden Saisons zum besten Torjäger der TSG. In der vergangenen Spielzeit reichten ihm dafür sogar nur 19 Partien. „Natürlich hätte ich gern mehr gespielt, aber die Verletzungen haben mich gestoppt. Dennoch konnte ich einige Scorerpunkte sammeln und wir haben uns für die Europa League qualifiziert. Daher muss ich zufrieden sein. Es war nicht perfekt, mit einer Operation in die Saison zu starten und in der Rückrunde habe ich leider erneut Probleme gehabt und einige Spiele verpasst. Aber es freut mich umso mehr, dass ich der Mannschaft in den wenigen Partien helfen konnte.“

Nun ist er wieder fit für das, was er am liebsten macht: angreifen, Tore erzielen und Spiele gewinnen. „Ich bin glücklich, dass ich gesund bin. Es ist sehr wichtig für mich, bei der Mannschaft zu sein. Das tut mir gut. Ich hoffe, dass es so bleibt. Gesundheit ist das Wichtigste für einen Sportler. Ich genieße es aktuell sehr.“ Welchen Stellenwert der kroatische Nationalspieler innerhalb des Klubs besitzt, beweisen auch die Aussagen der Mitspieler und Verantwortlichen. Hoffenheims Direktor Profifußball, Alexander Rosen, betonte im Saison-Endspurt immer wieder, dass „die TSG Hoffenheim mit Andrej eine andere Mannschaft ist“. Und auch Oliver Baumann lobte den Kroaten in den höchsten Tönen: „Er zieht immer mehrere Gegenspieler auf sich und unsere Jungs können sich an ihm festhalten. Andrej macht den Unterschied und hilft uns als Mannschaft enorm.“

Historischer Viererpack

Am wieder mal entscheidenden 34. Spieltag der Saison wuchs der Kroate erneut über sich hinaus – und erreichte eine Bestmarke, die ihn selbst verblüffte: Beim 4:0-Sieg bei Borussia Dortmund erzielte er alle vier Treffer: „Das war historisch. Es war ein verrücktes Spiel, für mich sogar ein unglaubliches. Ich war sogar ein wenig schockiert. Ich hatte vor dem Spiel ein gutes Gefühl, dass wir gewinnen können und Platz sechs sichern würden, aber mit so einer Partie konnte niemand rechnen.“

Gekrönt wurde der historische Tag mit einem besonderen Kunststück: Er traf per No-Look-Elfmeter. „Ich habe das geübt und in der Mannschaft angekündigt. Wenn wir deutlich führen, wollte ich es testen. Niemand hat es zuvor gemacht, aber ich wollte es unbedingt. Natürlich war etwas Glück dabei, dass der Schuss reingegangen ist.“ Obwohl das Spiel entschieden war, war es ein bedeutender Treffer für den Jäger der Bestmarken. „Dass ich damit der erste Hoffenheimer Bundesliga-Spieler wurde, der vier Treffer in einer Partie erzielt, ehrt mich natürlich sehr.“

Im Anschluss gehörten ihm die Schlagzeilen. „Kramarić schießt BVB ab“ und „Kramarić zerlegt Dortmund“ titelten die „SPORT BILD“ und der „kicker“. Überschriften, die nach seiner Ankunft in Hoffenheim im Januar 2016 noch undenkbar schienen. Doch aus dem Abstiegskandidaten wurde – auch dank des Angreifers – ein Stammgast im Europapokal. „Seitdem ich hier bin, hat der Verein einen großen Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Die Rolle des Klubs innerhalb der Liga hat sich verändert. Darauf können wir stolz sein“, sagt Kramarić.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“

In dieser Zeit sorgte er auch international für Aufsehen. In sechs Champions League-Spielen erzielte der Stürmer fünf Tore und zog 2018 mit Kroatien ins WM-Finale ein. Viele rechneten damals mit einem Wechsel. Doch der Vize-Weltmeister blieb der TSG treu. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe eine sehr enge Bindung zum Verein und führe aktuell ein perfektes Leben für mich“, begründet er und fügt an: „Ich bin sehr glücklich, dass ich dem Verein helfen konnte, dass er sich so positiv entwickelt. Mittlerweile spiele ich seit fast fünf Jahren in Hoffenheim. Das macht mich stolz.“

Statt eines Wechsels zu einem europäischen Top-Klub bevorzugte er den Verbleib bei der TSG Hoffenheim und setzt sich weiter hohe Ziele: „Sollte ich den Rekord von Ivica Olić brechen, werde ich sofort den nächsten Rekord in Angriff nehmen. Ich weiß noch nicht, welche Bestmarke es sein wird, aber es gibt immer einen Rekord, der gebrochen werden kann. Das treibt mich an.“ Ein beruhigendes Gefühl für alle TSG-Fans: Der Rekordmann bleibt auf Rekordjagd.

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