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AKADEMIE
16.09.2020

Marcus Mann: Ausbildung und Erfolg vereinen

Mit Marcus Mann hat ein ehemaliger U23-Spieler die Leitung der TSG-Akademie übernommen. Der Ex-Profi war zuletzt vier Jahre Sportdirektor beim 1.FC Saarbrücken und möchte vor allem den Leistungsaspekt einer Profi-Herrenmannschaft in die Akademie bringen.

Marcus, Du hast vor vier Jahren die TSG als U23-Spieler verlassen und bist jetzt als Akademie-Leiter zurückgekommen. Hast Du Dich schon an Deine neue Chefrolle hier in Hoffenheim gewöhnt?

Ja, denn an der Rolle an sich hat sich gegenüber meiner vorherigen Aufgabe beim 1.FC Saarbrücken nicht so viel verändert. Mit Kaderplanung und Mitarbeiterführung war ich beispielsweise schon dort vertraut. Die Größe des Vereins und die Anzahl der Mitarbeiter sind hier natürlich etwas anderes. Für mich war es ein Vorteil, dass ich den Verein schon kannte und dass ich auf Mitarbeiter getroffen bin, die mich herzlich empfangen und die mir die Einarbeitungszeit leicht gemacht haben.

Am besten kennst Du wahrscheinlich die U23, denn Du warst unter Marco Wildersinn bereits zwei Jahre Spieler. Jetzt bist Du sein Chef. Wie hat dieser Rollenwechsel geklappt?

Das war überhaupt kein Problem. Ich war ja auch kein klassischer U23-Spieler. Marco und ich waren damals schon im regen Austausch. Durch meine Vergangenheit bei der U23 war die Einarbeitungszeit dort am kürzesten. Schließlich kannte ich die Mannschaft durch meine Zeit in Saarbrücken auch als Gegner gut und war mit Marcos Gedanken aus meiner Spielerzeit in Hoffenheim vertraut.

Zwei Jahre als Spieler in Hoffenheim, vier Jahre als Sportdirektor in Saarbrücken: Mit der Regionalliga Südwest bist Du bestens vertraut. Wie ordnest Du die Liga ein?

Man kann sicherlich davon sprechen, dass die Regionalliga Südwest in der Breite die stärkste der fünf Regionalligen ist. Die Quote in den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga spricht zwar dagegen, aber das hatte andere Gründe als mangelnde Qualität. Da waren die Gegner einfach cleverer.

Wo soll sich unsere U23 aus Deiner Sicht in dieser Liga einordnen?

Der Saisonstart ist mit drei Niederlagen natürlich alles andere als glücklich verlaufen. Kurzfristig ist jetzt erst einmal unser Ziel, die unteren Tabellenregionen zu verlassen. Grundsätzlich soll der U23 wieder größere Aufmerksamkeit zukommen, was sich am besten durch positive Ergebnisse und entsprechende Tabellenplätze erreichen lässt.  

Die TSG-Akademie hat deutschlandweit einen sehr guten Ruf. Wie siehst Du uns im nationalen Vergleich?

Da können wir durchaus mit großem Selbstvertrauen sagen, dass wir uns zu den besten Nachwuchsleistungszentren Deutschlands zählen. Die Durchlässigkeit zum Profiteam war in den vergangenen fünf, sechs Jahren die höchste. Und das ist schließlich das, wofür wir den ganzen Aufwand hier betreiben. Die Konkurrenz wird zwar immer größer, aber mit unseren Mitarbeitern, unserer Infrastruktur und dem Hoffenheimer Weg können wir immer noch punkten.

Wo siehst Du sonst noch Potenzial?

Ich komme aus dem Herrenbereich, wo Woche für Woche das Ergebnis das Wichtigste war. Das ist im Jugendbereich natürlich etwas anders. Aber gerade bei der U23, die zwar nach wie vor eine Ausbildungsmannschaft ist, sich ja aber bereits im Herrenbereich bewegt, sollten die Ergebnisse mehr zählen. Auch mit der U19 und der U17 wollen wir tabellarisch nach oben schauen. Talente auszubilden und sportliche Erfolge zu feiern schließt sich nicht aus – im Gegenteil. Wir wollen das vereinen.

Wie vertraut bist Du bereits mit der U19- und U17-Bundesliga?

Unsere Mannschaften kenne ich natürlich sehr gut, denn ich schaue fast jede Trainingseinheit an. Was mir jetzt am Anfang noch etwas fehlt, ist der Vergleich zu anderen Mannschaften. Mit dem Ligastart an diesem Wochenende wird sich das aber ändern und ich werde ein noch besseres Gefühl für die A- und B-Jugend-Bundesliga bekommen.

Juckt es eigentlich noch in den Füßen, wenn Du beim Training zuschaust?

Mittlerweile nicht mehr. Mir ist der Übergang relativ leichtgefallen. Und wenn ich in der Sommervorbereitung bei 38 Grad beim Training zuschaue, bin ich auch ganz froh, nicht mehr auf dem Platz stehen zu müssen.

Hättest Du Dir eigentlich auch vorstellen können, Trainer zu werden?

Nein, mir war relativ früh klar, dass es bei mir in Richtung Sportdirektor gehen soll. Als Trainer hatte ich noch nie große Ambitionen und ich glaube auch nicht, dass das in Zukunft kommen wird. Auch wenn ich in Saarbrücken als Interimstrainer ein Spiel betreut habe und das sogar recht erfolgreich, denn da haben wir 7:0 gewonnen. Diese Bilanz sollte ich besser so stehenlassen. Die kann ich eh nicht mehr verbessern.

Deine eigene fußballerische Ausbildung hast Du Anfang der 2000er-Jahre beim Karlsruher SC absolviert. Wo siehst Du die größten Unterschiede zwischen damals und heute?

Das ist eigentlich gar nicht mehr zu vergleichen. Es hat sich immer mehr professionalisiert. Hoffenheim hat ja noch mal mehr Möglichkeiten als andere Nachwuchsleistungszentren. Da ist der Unterschied dann noch größer. Allein vom Personal her. Wir hatten damals einen Trainer und einen Co-Trainer, das war’s. Auch die Einstellung der Spieler hat sich geändert. Die sind heute noch fokussierter und opfern noch mehr.

Oft wird aber kritisiert, dass den Spielern in den Nachwuchsleistungszentren zu viel abgenommen wird. Siehst Du das als Problem?

Als Problem nicht, aber man sollte es im Auge behalten. Wenn sich ein Jugendlicher mal selbst um was kümmern muss, schadet ihm das nicht. Ich hatte früher von meinem Heimatort nach Karlsruhe 60 Kilometer zu fahren. Das haben meistens meine Eltern gemacht, aber manchmal bin ich auch mit dem Zug gefahren. Da war ich fast zwei Stunden unterwegs. Natürlich war das aufwendig, aber es hat mir definitiv nicht geschadet. Wir müssen da einfach einen guten Mittelweg finden.

Die Spieler kommen heute viel früher in die Bundesliga. Auch bei uns stehen mit Maximilian Beier und Melayro Bogarde ja bereits zwei 2002er im Profikader. Und mit Marco John ist ein weiterer bereits bei der U23. Soll in Zukunft verstärkt darauf gesetzt werden, dass die Toptalente bei den Älteren mitspielen?

Das würde ich pauschal so nicht sagen. Es muss einfach passen. Ein talentierter offensiver Außenbahnspieler aus der U17, dem es körperlich noch an etwas fehlt und der dadurch in der U19 an keinem Gegenspieler vorbeikommt, ist bei Gleichaltrigen sicherlich besser aufgehoben. Das müssen wir immer individuell entscheiden.

Zum Abschluss blicken wir mal ein Jahr voraus: Unter welchen Bedingungen würdest Du im Sommer 2021 sagen, dass die Saison 2020/21 eine erfolgreiche war?

Wenn wir Fortschritte bei unseren Talenten sehen und messen, wenn wir Spieler haben, die erneut den Schritt zu den Profis geschafft haben, wenn wir uns mit der U23 in der Tabelle verbessert haben und auch mit unseren anderen Teams ordentliche Tabellenplätze erreicht haben, können wir zufrieden sein.

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