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SPIELFELD
03.07.2020

Skov: „Der Unterschied war sehr groß”

An seinem 24. Geburtstag nahm sich Robert Skov die Zeit für ein ausgiebiges Gespräch mit SPIELFELD – auf deutsch. Seit knapp einem Jahr spielt der Däne nun für die TSG Hoffenheim, schaffte den Sprung in die Bundesliga und musste dabei auch lange auf einer ungewohnten Position aushelfen. Im SPIELFELD-Interview spricht der sympathische Skandinavier über den Re-Start der Bundesliga, gemeinsame Erlebnisse mit Teamkollege Jacob Bruun Larsen, seine sportlichen Ziele sowie seine Vorliebe für LEGO.

Wie haben sich die Bundesliga-Spiele vor leeren Rängen für Dich angefühlt?

„Da war nicht so viel Stimmung. (lacht) Es war natürlich anders, unsere Fans fehlen uns sehr. Ich hoffe, dass wir in der nächsten Saison wieder vor Zuschauern spielen dürfen, aber natürlich ist es wichtig, dass die Partien überhaupt ausgetragen wurden. Anders ist es aktuell leider nicht möglich.“

Dennoch hast Du Dich gefreut, endlich wieder bei einem Pflichtspiel auf dem Rasen zu stehen.

„Auf jeden Fall. Fußball ist unser Leben und wir freuen uns sehr, dass wir wieder spielen können. Es war nicht einfach für uns, als wir auf die Entscheidung der Regierung und der Deutschen Fußball Liga warten mussten. Ich habe auch das Gefühl, dass sich doch sehr viele Fans freuen. Selbst wenn sie nicht ins Stadion können, sind sie sicherlich froh, dass sie die Spiele im Fernsehen sehen können.“

Die Vorbereitung auf den Re-Start war sehr speziell: Ihr musstet zunächst in eine Quarantäne. Wie hast Du diese Zeit empfunden?

„Für mich hat sich gar nicht so viel verändert. Ich wohne allein in Heidelberg und verbringe meine Zeit normalerweise sowieso im Trainingszentrum und in meiner Wohnung. Entsprechend war es kein so großer Unterschied für mich.“ (lacht)

„Du musst auch schwierige Situationen meistern.“

Und vor dem Re-Start gegen Hertha BSC habt ihr als Mannschaft dann eine Woche gemeinsam im Hotel gewohnt.

„Es war cool, nach der Zeit allein zu Hause dann im Hotel wieder mit den anderen Spielern zusammen zu sein, den regelmäßigen Kontakt zu den Jungs zu haben. Wir hatten beim Essen einen Skandinavier-Tisch und konnten uns austauschen. Für andere Spieler mit Familie war das sicherlich nicht so schön, eine Woche nicht da sein zu können, aber das gehört nun mal aktuell zu unserem Job. Im Leben musst du auch schwierige Situationen meistern.“

Schwierige Situation ist das Stichwort. Du warst, bevor Du zur TSG kamst, ein reiner Offensivspieler, zuletzt sogar Torschützenkönig der dänischen Liga. Bei der TSG musstest Du in der Hinrunde aber sehr oft als Linksverteidiger aushelfen …

„Der Unterschied war sehr groß. Ich habe die Position zuvor noch nie in meinem Leben gespielt. Bei keinem Verein – noch nicht mal in der Jugend. Aber wenn der Trainer sagt, ich soll da spielen, dann mache ich das auch. Es war ja auch interessant, als linker Verteidiger zu spielen. Da ich vorher selbst meist Rechtsaußen war, ahnte ich oft, was mein Gegenspieler vorhat. Jetzt hilft es mir umgekehrt, dass ich als Angreifer besser weiß, was meine Gegenspieler denken, da ich selbst Verteidiger gespielt habe.“

Zuletzt hast Du wieder etwas offensiver gespielt. Wie bewertest Du Deine bisherigen Leistungen für die TSG?

„Ich würde sagen, dass ich es ganz ordentlich gemacht habe. Natürlich waren ein paar Fehler dabei, aber das ist glaube ich normal, wenn man die Position zuvor noch nie gespielt hat. In der Offensive spiele ich natürlich lieber. Aber ich will auch dort noch torgefährlicher werden.“

Du hast in dieser Saison bereits per Freistoß für die TSG getroffen. Zudem bist Du auch in Dänemark als berüchtigter Standardschütze bekannt und auf der Bundesliga-Homepage wurdest Du als „Hoffenheims Herr der Standards“ vorgestellt. Woher kommt die Stärke?

„Ich habe Freistöße schon trainiert, seitdem ich ganz klein bin. Mein bester Freund war Torwart und hat sich früher dann immer ins Tor gestellt. Er war ein sehr guter Trainingspartner für mich. Ich konnte dann aus allen Positionen schießen und meine Technik trainieren. Das habe ich dann immer weiter fortgesetzt.“

„Ich finde Lego super“

Auf Instagram postest Du immer mal Fotos, auf denen Du etwas mit LEGO gebaut hast. Verbringst Du viel Zeit mit diesem Spielzeug?

„Als wir nicht trainieren konnten, habe ich mal wieder ein bisschen LEGO gespielt und unter anderem ein Auto gebaut. Das war gut für den Kopf. Früher, als ich noch klein war, habe ich viel Zeit mit LEGO verbracht. Meine ganze Familie ist mit LEGO groß geworden: Mein Vater baut auch heute noch gern damit, mein Großvater hat sogar bei LEGO gearbeitet. Entsprechend finde ich LEGO super, aber das finden viele Dänen. (lacht) Und natürlich war ich auch schon im Legoland in Dänemark.“

Du hast die Corona-Zeit auch genutzt, um Dir eine neue Frisur zuzulegen. Wie kam es dazu, dass Du Dir die Haare abrasiert hast?

„Das war eine spontane Aktion von meinen Freunden und mir. Wir sind acht Jungs und haben uns alle die Haare abrasiert. Bei mir durfte es Jacob (Bruun Larsen, Anm. d. Red.) machen.“

Und wie zufrieden bist Du mit der Arbeit von ihm?

„Ich kann nicht mehr erwarten. (lacht) Er war sehr fokussiert und hat es super gemacht.“

Ihr zwei versteht Euch wohl ziemlich gut …

„Auf jeden Fall. Er ist ein guter Freund und ein cooler Typ. Wenn wir nicht im Trainingszentrum in Zuzenhausen sind, besuchen wir uns häufig und verbringen viel Zeit miteinander. Wir haben zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro zusammengespielt, waren die beiden Jüngsten in der Mannschaft und haben uns auf Anhieb gut verstanden.“

„Das bislang größte Erlebnis in meinem Leben“

Wie hat es sich angefühlt, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein?

„Das war das bislang größte Erlebnis in meinem Leben. Wir wussten, dass Millionen Menschen zugucken und es gab eine große Show zur Eröffnungsfeier. Auch das Turnier war unglaublich gut organisiert und hat Spaß gemacht. Die 20 Tage in Brasilien waren eine tolle Zeit.“

In SPIELFELD hat uns Jacob Bruun Larsen verraten, dass Du häufig für ihn kochst …

„Ja das stimmt, ich koche sehr gern. Wenn man für sich allein kocht, ist es manchmal etwas langweilig, aber zu zweit macht es deutlich mehr Spaß. Vor allem, wenn ich Lachs mache, ist Jacob total begeistert.“

Als Du zur TSG kamst, hat Dir Håvard Nordtveit geholfen, dass Du Dich einlebst.

„Wir spielen immer noch manchmal in Wiesloch zusammen Golf. Das passt gut, weil wir beide etwa das gleiche Niveau haben. Ich bin ihm dankbar, dass er viel dafür getan hat, dass ich hier direkt gut zurechtgekommen bin.“

Es gibt große Untersuchungen, dass Leute, die in Dänemark leben, die glücklichsten Menschen seien. Wie ist es umgekehrt für Dich als Däne, hier zu sein?

„Ich war schon immer gern in Deutschland. Schon als Jugendlicher war ich häufig hier – um Fußball zu gucken. Von meiner Heimat sind es knapp drei Stunden mit dem Auto nach Hamburg, zum nächsten Bundesligisten. Wenn ich samstags spielfrei hatte, sind wir morgens losgefahren, haben das Spiel im Stadion geguckt und waren abends wieder zu Hause. Sonntags stand ich dann selbst wieder auf dem Rasen in Dänemark.“

Jetzt stehst Du selbst auf dem Bundesliga-Rasen …

„Ich bin sehr froh hier zu sein und habe mich als Fußballer wie als Mensch schon entwickelt. Ich habe sehr viele Dinge gelernt – fußballerisch, aber auch persönlich. Ich fühle mich hier sehr wohl, Heidelberg ist eine sehr schöne Stadt und ich gehe gern am Neckar spazieren. Dazu ist hier immer schönes Wetter und meist ein wenig wärmer als in Dänemark.“ (lacht)

 

Das Interview ist zuerst in der Juni-Ausgabe des SPIELFELD-Magazin erschienen. 

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