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AKADEMIE
18.06.2020

U17-Saisonfazit: „Wir hätten uns den Titel noch geholt!“

Danny Galm hat vor wenigen Wochen den Fußballlehrer-Lehrgang in Hennef begonnen. Coronabedingt ist der Kurs ist in zwei Gruppen aufgeteilt, die Teilnehmer wohnen in Einzelzimmern. „Die ersten Eindrücke sind hervorragend“, sagt der U17-Trainer, der im Gespräch mit achtzehn99.de die abgebrochene Saison mit eineinhalb weinenden Augen bewertet.

„Wir wussten von Beginn an, dass der 2003er Jahrgang ein außergewöhnlicher ist, daher haben wir frühzeitig das Motto ‚Beat the records‘ ausgerufen.“ Dazu ließ sich Galm alle möglichen TSG-U17-Bestleistungen auf Mannschaftsebene zusammenstellen, um eben die Ziele so ambitioniert wie möglich zu stecken: So viele Rekorde wie möglich brechen, dann wird sich zwangsläufig auch der Teamerfolg einstellen. „Ich habe die Latte bewusst hoch gehängt. Die Jungs hatten das Potenzial, um die Süddeutsche und auch um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen, daher sah ich keinen Grund, tief zu stapeln.“

Die Vorbereitung lief dann allerdings nicht unbedingt nach Plan. „Es gab Auf und Abs und es kristallisierte sich noch niemand heraus, der als unbedingter Leader vorangegangen wäre. So musste ich auf vielen Positionen eine Bauchentscheidung treffen.“ Und doch erwischte die U17 einen Start nach Maß: Beim 9:0 am ersten Spieltag bei den Stuttgarter Kickers knackte sie gleich zwei U17-Rekorde auf einmal – höchster Sieg und höchster Auswärtssieg. Nach einem 3:0 gegen die mitfavorisierten Mainzer, einem 5:0 in Darmstadt und dem 0:0 gegen den FC Bayern München grüßte die Galm-Elf nicht nur von der Tabellenspitze, sondern hatte auch eine andere Bestmarke eingestellt: Vier Spiele in Folge ohne Gegentor.

„Dieser Start hat uns jede Menge Selbstvertrauen gegeben und uns auf einer Welle reiten lassen“, sagt der angehende Fußballlehrer, der im Laufe der Hinrunde weitere klare Siege – wie etwa gegen seine Ex-Klubs Eintracht Frankfurt (8:1) und VfB Stuttgart (3:0) – bejubeln durfte. Die Hoffenheimer marschierten ungeschlagen durch die Hinrunde und holten sich damit zwar den nächsten Rekord, nicht aber die Herbstmeisterschaft. Die Mainzer standen mit ihrer 11-1-1-Bilanz einen Punkt besser da als die TSG (10-3-0). Es waren auch „dreckige“ Spiele dabei, so Galm in der Rückschau, wie etwa das hart umkämpfte 1:0 im Derby beim Karlsruher SC, doch auch in diesen Partien hat die Mannschaft Qualitäten wie Geduld und Defensivstärke unter Beweis gestellt.

Emotionales Highlight in Mainz

Zu diesem Zeitpunkt befand sich die vom DFB in Auftrag gegebene Doku-Serie „Inside TSG U17“ schon mitten in der Produktion, die ersten Folgen waren bereits ausgestrahlt. „Nicht nur wegen der unkomplizierten Zusammenarbeit mit Klaus Veltman war das eine gute Sache. Ich denke, dass alle Beteiligten etwas mitnehmen konnten und dass Außenstehende einen sehr interessanten Einblick in die Nachwuchsarbeit eines Fußball-Bundesligisten erhalten haben“, so Galm. „Schade, dass aufgrund der Corona-Pandemie nicht so viele Folgen erschienen sind, wie ursprünglich geplant.“ Die siebte und letzte ist derzeit in der Mache.

Bei dem Spiel, das Galm als absolutes Saison-Highlight bezeichnet, war Veltman mit seinem Kamerateam live dabei. Das Spitzenspiel am zweiten Rückrundenspieltag Anfang Dezember in Mainz erfüllte alle Erwartungen und ist mit dem abgedroschenen „Wechselbad der Gefühle“ nur unzulänglich beschrieben. Zwei Mal ging die U17 in Führung, geriet dann in Unterzahl, kassierte acht Minuten vor dem Ende den Ausgleich und in der Schlusssekunde das 2:3, raffte sich aber in der Nachspielzeit zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen Comeback auf, als Florian Bähr nach einem Sololauf Melkamu Frauendorfs zum 3:3 ausglich. „Die Emotionen, die dieses Spiel freigesetzt hat, sind unbeschreiblich“, kriegt Galm auch ein halbes Jahr später noch Gänsehaut.

Das Kalenderjahr endete schließlich mit einer 1:2-Niederlage beim FC Bayern München, bei dem die TSG nicht nur die zwischenzeitlich wieder errungene Tabellenführung, sondern auch noch Nationalspieler Armindo Sieb mit einem Platzverweis verlor, der vier Spiele Sperre nach sich zog. Somit endete die Serie von saisonübergreifend 23 Begegnungen ohne Niederlage, die nicht nur den bisherigen TSG-Rekord um fünf verbesserte, sondern eine neue Bestmarke für die gesamte Staffel Süd/Südwest setzte.

Knacks nach der Winterpause

Der entscheidende Knacks folgte unmittelbar nach der Winterpause, als es zwei unerwartet hohe Niederlagen gegen Fürth und in Frankfurt setzte, die den Rückstand auf Mainz auf vier Zähler anwachsen ließen. „Wir hatten eine ordentliche Wintervorbereitung mit einem starken 4:2-Erfolg gegen Borussia Dortmund, doch anschließend haben wir neben Keeper Nahuel Noll und Noah König, die schon Anfang hochgezogen wurden, mit Valentin Lässig, Mamin Sanyang und Turan Çalhanoğlu drei weitere Leistungsträger an die U19 abgegeben. Diese drei Niederlagen am Stück zu verarbeiten, war nicht gerade einfach, gehört aber auch zum Prozess der Entwicklung dazu“, so Galm, der im Laufe der Saison insgesamt sechs Spielern aus der U16 Einsatzzeiten gab: Lukas Petersson, Tim Ottilinger, Leart Haskaj, Felix Hagmann, Cem Demir und Denis Perrone. „Wir haben die Ruhe bewahrt und uns schnell wieder gefangen, wie das 5:0 gegen Wehen und das 5:2 in Augsburg gezeigt haben. Nur dann kam die Corona-Pause.“

Hier – fünf Spieltage vor Schluss und vier Zähler vom Ziel entfernt – endet der Rückblick auf das aktive Geschehen. Es folgten die „Corona-Wochen“, die von Videochats, Challenges, dem bangen Warten, ob es doch noch weitergehen würde, sowie unzähligen Läufen gekennzeichnet waren. Ende Mai war es schließlich offiziell: Die Saison wird abgebrochen, Tabellenführer Mainz zum Meister erklärt, keine Deutsche Meisterschaft ausgespielt. „Ich hatte mich sehr auf die letzten fünf Spiele gefreut. Wir hätten das Titelrennen auf jeden Fall spannend gemacht und ich bin mir sicher, dass wir Mainz, die das deutlich schwierigere Programm hatten, eingeholt hätten“, sagt Galm – wohlwissend, dass es sich um reine Spekulation handelt. Seinem Mainzer Trainerkollegen Sören Hartung hat er zur Meisterschaft gratuliert.

Trauer um Willi Unser

„Corona hin oder her, wir haben unser Ziel verpasst. Da ist es auch kein Trost, dass die Deutsche Meisterschaft ohnehin nicht ausgespielt worden wäre, wir sind eben auf dem Papier nur Zweiter.“ Dennoch blickt der 34-Jährige auf viele positive Dinge zurück: „Wir haben die mit Abstand meisten Tore erzielt und waren die beste Auswärtsmannschaft. Viele Jungs haben sich enorm weiterentwickelt und einen großen Sprung gemacht.“ Mit Nick Breitenbücher (13), Turan Çalhanoğlu (11) und Armindo Sieb (10) sind gleich drei TSG-Spieler in der Torschützen-Top6 vertreten, Rolands Bočs erwies sich mit zehn Assists als einer der besten Vorlagengeber der Staffel. Zudem stellte die U17 getreu ihres Saisonmottos einige neue TSG-Rekorde auf.

Die Krönung blieb dem Jahrgang 2003, der die beiden 2004er Melkamu Frauendorf und Umut Tohumcu zu seinen Stammkräften zählte, verwehrt. Mit entsprechend Wehmut blickt Galm daher zurück: „Die Arbeit mit den Jungs und meinem Trainerteam hat großen Spaß gemacht und ich bin stolz darauf, auch diese Saison wieder ein echtes Team auf dem Rasen gehabt zu haben. Besonders hat mich die Rückkehr der Langzeitverletzten Bambasé Conté in den Spiel- und Luca Baltzer zumindest in den Trainingsbetrieb gefreut.“

Im Mai wurden alle sportlichen Enttäuschungen und der Frust über die Zwangspause mit einem Schlag beiseite gewischt: „Der Tod unseres langjährigen Betreuers und Freundes Willi Unser hat uns alle tief getroffen und traurig gemacht. Das war der Tiefpunkt dieser Saison, der alles andere in den Schatten stellt.“

 

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