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SPIELFELD
04.05.2020

Viel Schmerz, noch mehr Ehrgeiz

Die Glanzparaden retteten Punkte, die Ausstrahlung gab der Mannschaft Sicherheit. Für Torhüterin Martina Tufekovic lief es in der Hinrunde richtig gut, ehe sie im November plötzlich Schmerzen im Knie bekam. Nach fünf Monaten mit Höhen und Tiefen stieg sie im April wieder ins Training ein und erlitt nach Wochen der Hoffnung auf ein Comeback prompt den nächsten Rückschlag: Eine Schulterverletzung setzt sie erneut außer Gefecht, die Pechsträhne will einfach nicht reißen.

Ihr fehlen die Worte. „Es ist unbegreiflich“, sagt Martina Tufekovic und man merkt, dass ihr der Schock noch in den Knochen steckt. Die TSG-Frauen haben erst wenige Tage zuvor das Training in Kleingruppen wieder aufgenommen, die Torhüterin feiert dabei nach fünfmonatiger Verletzungspause ihr Comeback auf dem Rasenplatz in St. Leon-Rot. Doch die Freude darüber währt nicht lange. Bei einer Parade fällt Pechvogel Tufekovic unglücklich auf dem Arm, die Schulter ist ausgekugelt und das MRT gibt Gewissheit: Die ehrgeizige Torhüterin wird erneut lange ausfallen. „Es fühlt sich an wie ein schlechter Traum.“

Schon die Suche nach einer Erklärung für ihre Knieverletzung im Herbst ließ Martina Tufekovic lange nicht los. „Es hat sich überhaupt nicht abgezeichnet, ich wurde eiskalt erwischt“, erzählt die TSG-Torhüterin. Anfang November wird sie von einem kräftezehrenden Infekt heimgesucht und nach der krankheitsbedingten Pause sind sie plötzlich da: die Knieschmerzen. „Wahrscheinlich war schon viel früher was“, sagt die gebürtige Heilbronnerin. „Aber die Euphorie um den erfolgreichen Saisonstart hat meinen Körper gepusht und erst als ich aufgrund des Infekts einige Tage zur Ruhe kam, war die Verletzung zu spüren.“ Im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Jena am 16. November (6:1) beißt die 25-Jährige noch die Zähne zusammen – danach ist Schluss.

Mit 16 zur TSG

Martina Tufekovic und die Gesundheit – es ist eine Geschichte voller Pein. Als sie von ihrer Anfangszeit bei der TSG Hoffenheim erzählt, kann Tufekovic dagegen lachen. Im Sommer 2010 kam sie über eine Freundin zu einem Probetraining nach Hoffenheim und wechselte schließlich ins U17-Team des damaligen Zweitligisten. „Ich war 16, voll in der Pubertät, und hab nicht viel auf Ernährung oder Athletik gegeben“, gibt sie belustigt zu. „Aber ehrgeizig war ich schon immer. Nur zu verstehen, worauf es ankommt, hat ein wenig gedauert.“ An ihre ersten Jahre in den Frauenteams hat „Tuffi“, wie sie von ihrem Teamkolleginnen meist genannt wird, vor allem schmerzhafte Erinnerungen. Immer wieder zog sie sich Verletzungen zu, wurde ein ums andere Mal zurückgeworfen. Am 13. April 2014 konnte Tufekovic schließlich ihr Bundesliga-Debüt feiern, in der Folgesaison avanciert sie schließlich zur Stammtorhüterin der TSG-Frauen.

Mittlerweile kann die 25-Jährige auf 68 Einsätze in der Bundesliga zurückblicken. „Eigentlich ärgert mich diese Bilanz“, gibt Tufekovic zu. „Es wären deutlich mehr, wenn ich mich im Sommer 2017 nicht so schwer verletzt hätte.“ Damals riss sich die Stammtorfrau in der Vorbereitung das Kreuzband und den Innenmeniskus, verbrachte ein ganzes Jahr mit Reha und Aufbautraining. Zwar meldete sich Tufekovic einen Sommer später zurück, doch im Konkurrenzkampf zog sie den Kürzeren und kam in der Saison 2018/19 nur vier Mal in der Bundesliga zum Einsatz.

Seit der laufenden Saison steht Tufekovic für Hoffenheim wieder als Stammkraft zwischen den Pfosten. Ihre Leistungen? So gut wie nie zuvor. Während den Zuschauern beim mutigen Spielaufbau der TSG gern mal der Atem stockt, bleibt Tufekovic auch unter Gegnerdruck die Ruhe selbst. In der Hinrunde glänzte sie außerdem durch starke Rettungsaktionen und Glanzparaden. „Es ist einfach ein so unglaublich befreiendes Gefühl, auf dem Platz zu stehen“, schwärmt die Torhüterin. „Wahrscheinlich habe ich schon im Bauch meiner Mama gekickt, ich war noch nie vom Ball zu trennen.“

Zuhause in Neckarsulm

Ihre Mutter habe schon immer im Gefühl gehabt, dass aus ihrer Tochter eine gute Sportlerin werden würde, erzählt Tufekovic. Erst spielte sie in Kroatien mit den Jungs auf der Straße, dann in ihrem Heimatort Neckarsulm auch im Verein. Dort wohnt die gelernte Bürokauffrau noch immer, pendelt fast täglich ans Förderzentrum nach St. Leon-Rot, in die TSG-Reha nach Zuzenhausen oder zu ihrem Arbeitsplatz bei adViva nach Heidelberg. „Ich kenne das nicht anders und genieße die Zeit, die ich auf den Autofahrten für mich allein habe, auch ein bisschen“, erzählt Tufekovic. „Zuhause bin ich ohnehin nur selten. Da würde sich kaum lohnen, eine Wohnung in der Nähe des Förderzentrums zu beziehen.“

Die Eltern von Martina Tufekovic stammen aus Kroatien, zuhause wird meist kroatisch gesprochen. „Mir fällt es aber schwer, deshalb spreche ich immer deutsch“, gibt die TSG-Torhüterin zu. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, lebte in ihrer Kindheit nur für kurze Zeit in dem Balkanland. Tufekovic hat eine doppelte Staatsbürgerschaft, die Internetportale, die sie mit der kroatischen Nationalmannschaft in Verbindung bringen, liegen jedoch allesamt falsch. „Es kam schon mehrfach die Anfrage des Verbands, aber mir fehlt der Bezug, meine Heimat ist Deutschland“, betont sie. „Ich fahre gern nach Kroatien in den Urlaub – mehr aber auch nicht.“ Vielmehr hat sich Tufekovic ein Ziel in der Bundesliga gesetzt: 100 Spiele.

Die Schlussfrau der TSG ist unglaublich ehrgeizig, gönnt sich nur ungern Pausen, im Reha-Training muss Tufekovic immer wieder gebremst werden. „Ich habe gelernt, dass Regeneration wichtig ist und man auf seinen Körper hören muss“, erklärt sie. Doch dass Disziplin, Gewissenhaftigkeit und Biss keine Garantie für die Vermeidung von Verletzungen sind, bekam die Torhüterin nun schon mehrfach bitter zu spüren. „Ich lasse mich aber nicht unterkriegen“, sagt Tufekovic voller Überzeugung. Für sie beginnt der Kampf zurück auf den Platz. An ihrem Ehrgeiz gibt es keinen Zweifel: „Ich will einfach wieder spielen.“ 

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