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AKADEMIE
07.05.2020

Spieltagshelden (2): Den Pascheks fehlt etwas

Sie stehen nicht in der ersten Reihe, ihr Gesicht kennen nur diejenigen, die regelmäßig bei den Heimspielen der Akademie-Teams sind. Und doch sind sie teilweise schon seit vielen Jahren dabei und leisten an Spieltagen unverzichtbare Arbeit für die TSG Hoffenheim, indem sie einen reibungslosen Ablauf garantieren oder die Akademie-Teams unterstützen. Achtzehn99.de widmet den „Spieltagshelden“ eine kleine Serie, die in loser Reihenfolge diese Menschen porträtiert. Heute: Angelika und Peter Paschek, die bei so gut wie keinem U19- oder U17-Heimspiel fehlen und als echte Fans sogar ihre Urlaube am Akademie-Spielplan ausrichten.

Dass Angelika Paschek irgendwann einmal ihre Wochenenden anhand von Fußballspielen planen würde, hätte sie noch vor elf Jahren für unmöglich gehalten. „Bis ich bei der TSG angefangen habe zu arbeiten, mochte ich Fußball nie“, sagt die 60-Jährige, die seit 2010 im Housekeeping der TSG-Akademie tätig ist, vornehmlich im Leistungszentrum (LZ) eingesetzt wird und schon von so manchem heutigen Profi die Wäsche gewaschen hat.

Ganz anders ihr Mann Peter. Für den 61-Jährigen war Fußball schon immer die große Leidenschaft. Bereits bei den TSG-Heimspielen im Mannheimer Carl-Benz-Stadion während der Hoffenheimer Premierensaison in der Bundesliga 2008/2009 war Peter Paschek Stammgast. Kurze Zeit später fing seine Frau Angelika bei der TSG-Akademie an und fortan gab es keine Diskussionen mehr über die gemeinsame Freizeitgestaltung. „Es hat mich dann interessiert, was die Jungs aus dem LZ auf dem Platz machen, und ich wollte sie einfach besser kennenlernen“, erklärt Angelika Paschek ihren Meinungsumschwung.

Für Peter Paschek, der als Schlosser arbeitet, ein Geschenk. Fortan konnte er stets zusammen mit seiner Frau zu den Spielen der U19 und der U17 gehen. Und auch zu den Profis kam Angelika schon bald regelmäßig mit. Der S-Block ist der Stammplatz des Hoffenheimer Ehepaars. „Wir stehen dort seit zehn Jahren mit den gleichen Leuten um uns herum. Das ist fast wie eine Familie“, sagt Angelika Paschek, für die die Corona-Pause schon viel zu lang geht. „Der Fußball und der Kontakt zu den anderen Fans – das alles fehlt schon sehr“, sagt sie im Gleichklang mit ihrem Mann.

Per Zufall nach Hoffenheim

Das Ehepaar kam 1988 aus dem polnischen Oberschlesien in den Kraichgau. „Es war Zufall, dass wir in Hoffenheim landeten, aber jetzt will ich hier nicht mehr weg“, sagt Angelika Paschek. Ihre Kinder Katharina (36) und Patrick (29) sind hier aufgewachsen und ebenfalls TSG-Fans. „Unser Sohn hat schon gesagt, dass er sich gar nicht vorstellen mag, wenn wir zufällig in Stuttgart und nicht in Hoffenheim gelandet wären.“ Die Pascheks als VfB-Fans? Wirklich kaum vorzustellen.

Die Verbundenheit zur TSG hat sich bei dem fußballverrückten Ehepaar mit den Jahren zu mehr als nur einem Hobby entwickelt. „Der Verein ist ein fester Teil unseres Lebens geworden. Wir richten mittlerweile schon unsere Urlaube nach den Spielen aus. In dieser Saison hatten wir zum Beispiel gedacht, dass die U17 vielleicht um die Deutsche Meisterschaft spielen könnte und unseren Urlaub um die möglichen Spieltermine herum gelegt.“

„Viele Spieler sind uns ans Herz gewachsen“

In den vergangenen zehn Jahren haben sie nur wenige Heimspiele der Profis, der U19 und der U17 verpasst. „Die Jungs haben sich bislang immer gefreut, wenn wir gekommen sind, und sie fragen oft schon ein paar Tage vorher, ob mein Mann und ich wieder vorbeischauen“, sagt Angelika Paschek. Zu einigen Spielern wie dem heutigen Nationalspieler Nadiem Amiri oder dem U17-Meistertorhüter von 2008, Daniel Strähle, hatten sie ein ganz besonderes Verhältnis. „Daniel hat mit unserem Sohn Abi gemacht und ist sehr oft bei uns gewesen. Wir waren sogar bei seiner Hochzeit eingeladen“, erzählt Angelika.

Peter Paschek verfolgt minutiös die Wege der ehemaligen Akademie-Spieler und kann bei fast jedem der Absolventen aus den vergangenen zehn Jahren sagen, bei welchem Klub derjenige heute spielt. „Viele Jungs sind uns sehr ans Herz gewachsen und es ist schön, ihre Karriere zu verfolgen“, sagt Angelika Paschek, die bei den Spielen der U19 und U17 auch schon mal bis auf den Platz zu hören ist. „Aus dem S-Block bei den Profis bin ich es gewöhnt, zu schreien. Da kann ich mich bei der Jugend manchmal nicht ganz zurückhalten.“ Von U23-Keeper Stefan Drljača bekam sie deswegen sogar schon einmal einen nicht ganz ernst gemeinten Rüffel. „Er hat zu mir gesagt, dass ich nicht so laut sein soll. Dafür ist doch schließlich er zuständig.“

Große Hoffnungen auf die U17

In ihren zehn Jahren als Fans der Akademie-Teams gab es einige Höhepunkte, wie das Ehepaar, das nur zwei Minuten vom Leistungszentrum entfernt wohnt, betont: „Die Zeit mit Julian Nagelsmann war besonders schön und das verlorene Finale gegen Schalke 2015 sehr emotional. Toll waren natürlich auch die Youth-League-Spiele in der letzten Saison und da vor allem das Spiel gegen Real Madrid.“ Neben dem Sportlichen betonen die Pascheks auch immer wieder die zwischenmenschliche Komponente ihres Fan-Seins. „Bei den Jugendspielen sind wir immer toll im Elternblock aufgenommen worden. Und bei der U17 haben wir in dieser Saison sogar schon Zuschauer kennengelernt, die extra gekommen sind, weil sie guten Fußball sehen wollen.“

Die U17 von Trainer Danny Galm liegt den Pascheks in dieser Spielzeit besonders am Herzen. „Die spielen so eine tolle Saison und haben uns schon viel Spaß bereitet. Von daher wäre es bei ihnen besonders schade, wenn sie die Saison nicht zu Ende spielen könnten. Sie hätten die Meisterschaft bestimmt noch mal spannend gemacht.“

Da einige Akademie-Spieler wieder zur Schule gehen und daher ins Wohnheim im Leistungszentrum zurückgekehrt sind, darf auch Angelika Paschek wieder häufiger zur Arbeit gehen. „Ich freue mich immer, wenn ich ins LZ kommen kann.“ Darauf, die Akademie-Spieler auf dem Platz zu sehen, müssen sie und ihr Mann aber vorerst weiter verzichten. „Man gewöhnt sich daran. Aber es fehlt schon gewaltig, zu den Spielen zu gehen und die Jungs zu unterstützen“, sagt Angelika Paschek. Zwar ist der Fußball nicht ihr einziges Hobby, das Ehepaar Paschek verbringt auch viel Zeit auf den Fahrrädern oder im Garten, aber ganz bestimmt ihr liebstes. Auch wenn Angelika Paschek das vor elf Jahren noch für unmöglich gehalten hätte.

 

Spieltagshelden

1 | Emil Vetters Herz hängt an der TSG

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