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AKADEMIE
16.05.2020

Historische Spiele (15): Zehn Tore und Happy End gegen Leipzig

Ein Wochenende ohne Akademie-Spielberichte ist irgendwie seltsam. Leider wird sich das vorerst nicht ändern. Auf achtzehn99.de blicken wir daher in diesen Wochen in loser Reihenfolge auf „historische Partien“ zurück, erzählen die dazugehörigen Geschichten nach und rufen sie wieder in Erinnerung. Heute: Das Halbfinale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2015, als die U19 der TSG in zwei mitreißenden Spielen RB Leipzig ausschaltete.

Binnen eines Jahres war es der TSG zum zweiten Mal gelungen, ins Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft einzuziehen. Und doch war dieser mit zwei 3:2-Siegen gegen RB Leipzig, den Meister der Nord/Nordost-Staffel, erreichte Erfolg von seiner Art und Weise her ein ganz anderer als der gegen Schalke 04 im Mai 2014. Damals hatte es in zwei Spielen zu einem hereingestocherten Tor gereicht, nun fielen derer zehn. Sowohl die 4.317 Zuschauer in der Leipziger Arena als auch die 3.500 Fans im Dietmar-Hopp-Stadion bekamen wahre Jugendfußball-Spektakel zu sehen. Aber der Reihe nach.

Ins Halbfinale war die Mannschaft des damals noch 27-jährigen Julian Nagelsmann durch den souveränen Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft eingezogen. Mit 13 Punkten Vorsprung vor dem Karlsruher SC waren die A-Junioren der TSG durchs Ziel gegangen und hatten dabei so manchen Vereinsrekord geknackt.

Klostermann stößt zu Leipziger U19

Nun also RB Leipzig, der Nachwuchs des damaligen aufstrebenden Zweitligisten. Die Sachsen hatten es in ihrer Staffel etwas spannender gemacht und erst am letzten Spieltag durch einen 3:1-Erfolg bei Rot-Weiß Erfurt die Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung vor Hannover 96 eingefahren. Im Team von Trainer Frank Leicht standen mit John-Patrick Strauß (heute Erzgebirge Aue) und Dominik Franke (SV Wehen Wiesbaden) zwei spätere Zweitligaspieler sowie mit Torwart Alexander Schlager (RB Salzburg) und Ermedin Demirović (FC St. Gallen) zwei Profis, die heute in den ersten Ligen Österreichs und der Schweiz aktiv sind.

Außerdem verstärkte der spätere Nationalspieler Lukas Klostermann die Leipziger Defensive. Klostermann zählte mit seinen 18 Jahren schon zum Zweitligakader und war unter den beiden RB-Profi-Trainern der Saison 2014/15 Alexander Zorniger und Achim Beierlorzer 13 Mal zum Einsatz gekommen. Für die U19 war er bis zum Halbfinalhinspiel hingegen nur ein einziges Mal aufgelaufen.

Auch die TSG bekam Verstärkung von oben, auch wenn diese ein bekannteres Gesicht in Reihen der A-Jugend war: Nicolai Rapp trainierte bereits bei den Profis, hatte jedoch im Gegensatz zu Klostermann an den Wochenenden größtenteils das U19-Trikot angezogen. So auch im Leipziger WM-Stadion, in das der heutige Zweitligaspieler von Darmstadt 98 seine Mannschaft als Kapitän führte.

Erster Halbzeitrückstand nach mehr als drei Monaten

Unter den 4.317 Zuschauern in der Arena, die 2004 an der Stelle des früheren Zentralstadions errichtet worden war, befanden sich auch 150 TSG-Fans, die mit Sonderbussen den Weg in die sächsische Großstadt auf sich genommen hatten. Sie und die Hoffenheimer Bank mussten mitansehen, wie die Gastgeber schon nach vier Minuten in Folge einer Ecke in Führung gingen. Torschütze war RB-Kapitän Fridolin Wagner, der an diesem Nachmittag einer der auffälligsten Spieler aufseiten der Leipziger war.

Die Nagelsmann-Elf behielt nach dem Rückstand jedoch die Ruhe und glich zwölf Minuten später aus: Philipp Ochs hatte seinen Sturmpartner Joshua Mees bedient und der heutige Bundesligaprofi von Union Berlin überwand Schlager im Leipziger Tor aus zehn Metern. Das Spiel ging rasant weiter und nach 20 Minuten jubelten wieder die Leipziger, nachdem Strauß eine Freistoßflanke von der Strafraumgrenze aus per Bogenlampe über TSG-Keeper Dominik Draband hinweg ins Tor geköpft hatte. Zwar drückte die TSG in den verbliebenen 25 Minuten der ersten Hälfte auf den erneuten Ausgleich, allein er wollte nicht fallen. Somit gingen die Kraichgauer erstmals seit mehr als drei Monaten mal wieder mit einem Rückstand in die Halbzeitpause.

Joker Kölmel dreht das Hinspiel

Obwohl die Gastgeber zu Beginn des zweiten Abschnitts mehr vom Spiel hatten, drehte die TSG diese enge Partie noch. Entscheidenden Anteil daran hatte ein Wechsel in der 58. Minute: Kapitän Rapp hatte sich verletzt und Nagelsmann entschied sich für seinen Sechser einen Stürmer zu bringen. Johannes Kölmel kam, sah und traf. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung verwertete er eine mustergültige Vorarbeit von Mees zum 2:2.

Doch damit nicht genug. Weitere zehn Minuten später steckte der Joker nach einem Ballgewinn von Erdal Öztürk und einem schnellen Gegenstoß auf Rechtsverteidiger Johannes Bühler durch, der mit einem satten Schuss unter die Latte das 3:2 erzielte. An diesem Spielstand sollte sich in den verbliebenen 20 Minuten nichts mehr ändern. Die TSG hatte die halbe Miete fürs Finale eingefahren. Mehr jedoch nicht, wie Nagelsmann noch am gleichen Abend betonte, als einige Spieler für seinen Geschmack zu ausgelassen feixten. „Jungs, das war erst das Hinspiel“, so die kurze, aber wirkungsvolle Ansage in der Hotel-Lobby.

TSG-Fans mit klarem Auftrag

Vier Tage später, gleiches Duell, andere Spielstätte: Im Dietmar-Hopp-Stadion ließ die Fanszene der TSG ihren Nachwuchs mit einem klaren Auftrag wissen, was sie sich von diesem Montagabend erwartete: „Do it again“ hieß es auf dem großen Plakat, das beim Einlaufen der Teams in der Hoffenheimer Kurve präsentiert wurde.

Die TSG-Jungs wollten ihre Anhänger nicht enttäuschen und liefen gleich zu Beginn Sturm. Schon nach sechs Minuten zahlte sich der offensive Auftritt in der Anfangsphase aus. Adrian Beck, im Gegensatz zum Hinspiel diesmal von Anfang an aufgeboten, erhielt nach einem Tempodribbling von Nicolás Sessa die Kugel, legte halbrechts auf Ochs hinaus und der Junioren-Nationalspieler zeigte sich gewohnt kaltschnäuzig und schloss zur frühen Führung ab.

Die TSG-Offensive um Beck, Sessa, Mees und Ochs verzückte auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit ein ums andere Mal die Zuschauer und eine höhere Führung zur Halbzeit wäre durchaus möglich gewesen. So aber blieb es nach 45 Minuten beim 1:0 und für die Leipziger war noch alles möglich.

Keeper Draband rettet mehrfach

Ihre letzte Chance, doch noch das Finale zu erreichen, wollten die Sachsen dann mit Beginn der zweiten Halbzeit nutzen. Wie ausgewechselt kam das Team von Trainer Frank Leicht aus der Kabine, während es die TSG etwas zu gemächlich angehen ließ. Nachdem Draband unmittelbar nach Wiederanpfiff noch bravourös gegen Timo Mauer gerettet hatte, war der Keeper drei Minuten später bei Dominik Frankes Abschluss aus kurzer Distanz machtlos – 1:1.

Leipzig nutzte nun die Gunst der Stunde und die schwächste Phase der TSG in den beiden Duellen. Nur eine Minute nach dem Ausgleich legte erneut der agile Mauer auf, diesmal verwandelte Patrick Dzalto und plötzlich stand es 2:1 für Leipzig. Da die Auswärtstorregel keine Rolle spielte, hätte dieses Ergebnis Verlängerung bedeutet. Doch die Gäste schienen nun aufs Ganze gehen zu wollen.

Mehrfach verhinderte Draband mit Glanzparaden das 1:3. Erst eine halbe Stunde vor Schluss weckte ein gefährlicher Distanzschuss des erneut eingewechselten Kölmel die Gastgeber auf. In der 67. Minute dann der erlösende Treffer. Nach einem Freistoß von Ochs konnte ein Leipziger Verteidiger noch auf der Linie klären, doch gegen den goldrichtig stehenden Patrick Kapp und dessen Abschluss waren die Gäste machtlos.

Mees mit dem erlösenden Schlusspunkt

Das Spiel und das Finale standen jedoch weiterhin für beide Teams auf Messers Schneide. Doch in der 75. Minute schlug das Pendel endgültig zugunsten der TSG aus. Das goldene Tor verbuchte Mees, der nach seinem Hinspieltreffer nun erneut zuschlug und den starken Leipzigern endgültig den Zahn zog. Nach zwei turbulenten Partien feierte die TSG den erneuten Einzug ins große Endspiel, doch es war ein hartes Stück Arbeit und bedurfte sechs Treffer.

Am Ende von 180 nervenaufreibenden Minuten konnten sich die TSG-Talente verdientermaßen von ihren Anhängern feiern lassen. Die Rückspiel-Torschützen Joshua Mees, Patrick Kapp und Philipp Ochs standen derweil vor den TV-Kameras und schilderten ihre Eindrücke von diesen denkwürdigen Halbfinalpartien. Eine Woche später sollte die Rekordsaison noch um ein weiteres Kapitel ergänzt werden, leider ohne Happy End. Somit blieben die Spiele in und gegen Leipzig die Saisonhöhepunkte 2014/15.

 

RB Leipzig – TSG 1899 Hoffenheim 2:3 (2:1)
Leipzig:
Schlager – Klostermann, Reddemann, Strauß, Osmani (78. Demirovic), Wagner, Mauer, Sucsuz, Endres (65. Dzalto), Barylla, Vogel (46. Mäder).
Hoffenheim: Draband – Bühler, Rossipal, Kapp, Hoffmann, Rapp (58. Kölmel), Waack (90. Teufel), Sessa (73. Beck), Mees (85. Morina), Öztürk, Ochs.
Tore: 1:0 Wagner (4.), 1:1 Mees (16.), 2:1 Strauß (20.), 2:2 Kölmel (59.), 2:3 Bühler (69.). Zuschauer: 4.317. Schiedsrichter: Lasse Koslowski (Berlin). Karten: Gelb für Endres / Rapp, Bühler.
Leipzig, Red-Bull-Arena, 14. Mai 2015

TSG 1899 Hoffenheim – RB Leipzig 3:2 (1:0)
Hoffenheim:
Draband – Stüber, Hoffmann, Kapp, Bühler, Öztürk, Sessa (82. Teufel), Waack (69. Bruno), Beck (53. Kölmel), Mees (90. Rossipal), Ochs.
Leipzig: Schlager – Barylla, Klostermann, Reddemann, Sucsuz, Strauß (74. Endres), Osmani (80. Demirovic), Franke (89. Vogel), Wagner, Dzalto (83. Mäder), Mauer.
Tore: 1:0 Ochs (6.), 1:1 Franke (49.), 1:2 Dzalto (50.), 2:2 Kapp (67.), 3:2 Mees (75.). Zuschauer: 3.500. Schiedsrichter: Tobias Reichel (Sindelfingen). Karten: Gelb für Kapp / Wagner.
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 18. Mai 2015

 

Historische Spiele

1 | Triumph im Schatten des Olympiastadions | U19: TSG Hoffenheim – Hertha BSC 2:1 | Finale DFB-Junioren-Pokal 2010

2 | Ein Meistertitel zum Geburtstag | U16: TSG Hoffenheim II – VfB Stuttgart II 3:2 | Entscheidungsspiel um die B-Jugend-Oberligameisterschaft 2013

3 | Das eingelöste Versprechen | U19: TSG Hoffenheim – SV Werder Bremen 3:1, 2:0 | Halbfinals um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2016

4 | Meisterstück in Walldorf | U23: FC-Astoria Walldorf – TSG Hoffenheim II 0:1 | Entscheidender Sieg zum Aufstieg in die Regionalliga 2010

5 | Rapps goldenes Händchen gegen City | U19: TSG Hoffenheim – Manchester City 5:2 | Sieg im ersten Youth-League-Gruppenspiel 2018

6 | Im Fernduell die Nerven behalten | U15: TSG Hoffenheim – SC Freiburg 3:1 | Entscheidender Sieg zur Süddeutschen C-Jugend-Meisterschaft 2016

7 | Schmerzhaftes Treffen mit einem späteren Weltstar | U19: FC Schalke 04 – TSG Hoffenheim 3:1 | Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2015

8 | Meisterfeier auf dem Halberg | U15: SV Wehen – TSG Hoffenheim 2:3 | Entscheidender Sieg zur Süddeutschen C-Jugend-Meisterschaft 2013

9 | Pokalfight gegen Grifos Pforzheimer | U19: 1.CfR Pforzheim – TSG Hoffenheim 4:7 n.V. | Sieg im BFV-Pokal-Finale 2011

10 | U17 triumphiert nach „Tennismatch“ | U17: TSG Hoffenheim – Borussia Dortmund 6:4 | Finale um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft 2008

11 | Internationales Glanzlicht der U14 | U14: Hertha BSC - TSG Hoffenheim 2:4 | Europafinale des Premier Cups in Berlin 2017

12 | Die legendäre Regenschlacht | U19: TSG Hoffenheim – Real Madrid 4:2 | Youth-League-Viertelfinale 2019

13 | Zwei spätere Weltmeister im Gmelin-Stadion | U19: TSG Hoffenheim – FC Bayern München 1:3 | A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest 2006/07

14 | Nervenschlacht gegen die Knappenschmiede | U19: Schalke 04 - TSG Hoffenheim 0:1, 0:0 | Halbfinals um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2014

 

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