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AKADEMIE
08.05.2020

Danny Galm: Die Jungs haben das Jonglieren satt

Nach und nach werden die Corona-Maßnahmen gelockert, aber ob und wie es mit dem Junioren-Fußball weitergeht, ist weiterhin unklar. U17-Trainer Danny Galm hofft, dass er mit seinen Jungs die Bundesliga-Saison zu Ende spielen kann und ist auch guter Dinge, dass der Fußballlehrer-Lehrgang Anfang Juni wie geplant startet.

Danny, im Juni startest Du an der Hennes-Weisweiler-Akademie Deine Ausbildung zum Fußballlehrer. Gibt es aufgrund der Corona-Krise Verzögerungen?

Danny Galm: Im Moment sieht es eigentlich gut aus. Wir wurden von Chef-Ausbilder Daniel Niedzkowski und seinem Team regelmäßig über den Stand der Dinge informiert und haben den vorläufigen Rahmenplan bereits erhalten. Ich gehe davon aus, dass wir Anfang Juni starten, das hängt aber auch noch davon ab, wann der aktuelle Kurs seine Abschlussprüfungen absolvieren kann. Danach soll es jedoch nahtlos weitergehen.

Normalerweise beginnt der Fußballlehrer-Lehrgang mit dem Besuch eines großen Junioren-Turniers. Wie sieht nun das Alternativprogramm aus?

Galm: Wir wären zur U19-EM-nach Nordirland geflogen, die ist allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. Daher starten wir im ersten Monat aller Voraussicht nach mit einem Rhetorik-Kurs. Meine Vorfreude ist trotzdem groß. Ich erwarte ein intensives und spannendes Jahr und freue mich auf den Austausch mit den anderen Trainern vor Ort.

Einer dieser Trainer wird Ex-Nationalspieler Miroslav Klose sein, der aktuell die U17 des FC Bayern München coacht und den Du daher gut kennst!

Galm: Das ist korrekt. Wir werden uns in Hennef ein Zimmer teilen – sofern es die Vorschriften zulassen.

Es könnte aber sein, dass die zwei Zimmerkollegen schnell wieder zu Konkurrenten werden, wenn die auf Eis gelegte Bundesliga-Saison im Juni doch noch zu Ende gespielt werden würde…

Galm: Wir hoffen es jedenfalls. Am vergangenen Wochenende wären die Halbfinal-Rückspiele zur Deutschen Meisterschaft und am Sonntag das Finale gewesen. Da musste ich schon daran denken, dass wir sehr gerne dabei gewesen wären!

Dazu hätte Dein Team aber die vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Mainz aufholen und sich den FC Bayern vom Leib halten müssen! Wie ordnest Du die Saison 2019/20 bislang ein?

Galm: Die Jungs haben eine super Hinserie gespielt und waren bis zum letzten Spiel 2019 ungeschlagen. Leider hat uns ein kleiner Hänger nach der Winterpause unsere gute Ausgangslage gekostet. Mainz und Bayern haben diesen sofort genutzt, was auch zeigt, was für ein hohes Niveau in der Spitzengruppe herrscht. Wir können jetzt darüber spekulieren, was gewesen wäre, wenn. Oder wir können – sofern der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird – mit Vollgas in die abschließenden fünf Partien gehen und das Beste hoffen. In den Spielen gegen Wehen und in Augsburg haben wir zumindest gezeigt, dass wir uns gefangen haben und wieder in der Spur sind.

Sind denn die Spieler überhaupt in der Lage, von jetzt auf nachher wieder auf den Platz zu gehen?

Galm: Auf jeden Fall, sie haben jedenfalls keine Lust mehr, alleine zu trainieren und dauernd zu jonglieren. Seit acht Wochen machen sie gefühlt nichts anderes. Wenn ich in die Mannschaft reinhöre, merke ich, dass die Jungs langsam ungeduldig und genervt sind. Aber es liegt nunmal nicht in unserer Hand.

Machst Du Dir Sorgen um den Fitnesszustand?

Galm: Überhaupt nicht. Unser Athletiktrainer Martin Seiler macht hier einen herausragenden Job, erstellt individuelle Trainingspläne, bringt viel Abwechslung und einen Challenge-Charakter rein. Was die körperlichen Grundlagen angeht, werden die Jungs fitter denn je sein. Die Art und Weise, wie sie diese Situation annehmen, wie sie, die eigentlich Mannschaftssportler sind, sich als Einzelsportler in allen Bereichen professionell und ehrgeizig verhalten und sich alleine quälen, hat mich beeindruckt.

Du gewinnst also der Zwangspause auch etwas Positives ab?

Galm: Ich bin generell so gestrickt, dass ich immer versuche, das Positive herauszuziehen. Die Spieler werden charakterlich gestärkt aus dieser Pause herausgehen, ihre Leidenschaft und Wertschätzung für den Fußball dürften deutlich gestiegen sein. Meiner Meinung nach gibt es nichts Schöneres, als mit den Teamkollegen auf dem Platz zu stehen, gemeinsam schwierige Aufgaben zu meistern und hohe Ziele zu verfolgen.

Wie hast Du die Spieler außerhalb des athletischen Bereichs beschäftigt?

Galm: Wir haben unter dem Motto „Der Ball ist Dein Freund“ eine Challenge ins Leben gerufen, die ausschließlich fußballtechnische Elemente gefördert hat. Und wir haben den Jungs Spiele geschickt, die sie positionsspezifisch analysieren sollten. Also Stürmer Turan Çalhanoğlu hat sich zum Beispiel in den Partien Liverpool gegen Salzburg oder Dortmund gegen Paris Erling Haaland genauer angeschaut. Aber das alles kann das Training auf dem Platz nicht ersetzen.

Wie stellst Du Dir die Rückkehr zur Trainingsnormalität vor?

Galm: Es wird wahrscheinlich wie bei den Profis auch mit Kleingruppentraining losgehen. Und auch wenn das mit der Zeit ein bisschen langweilig wird: Fürs Erste wäre ich glücklich, wenn wir wenigstens das schon hätten. Aktuell erstellen wir ein Konzept, wie wir die Jungs unter Berücksichtigung sämtlicher Vorschriften in allen Bereichen nach und nach wieder zurückführen können. Sobald wir loslegen dürfen, stehen wir auf der Matte. Die Jungs und wir im Trainerteam brennen darauf!

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