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AKADEMIE
30.04.2020

Spieltagshelden (1): Emil Vetters Herz hängt an der TSG

Sie stehen nicht in der ersten Reihe, ihr Gesicht kennen nur diejenigen, die regelmäßig bei den Heimspielen der Akademie-Teams sind. Und doch sind sie teilweise schon seit vielen Jahren dabei und leisten an Spieltagen unverzichtbare Arbeit für die TSG Hoffenheim, indem sie einen reibungslosen Ablauf garantieren. Achtzehn99.de widmet den „Spieltagshelden“ eine kleine Serie, die in loser Reihenfolge diese Menschen porträtiert. Den Anfang macht Emil Vetter, der die TSG seit fast 25 Jahren als Trommler, Kassierer, Ordner und „Kioskbetreiber“ unterstützt.

An Spieltagen im Dietmar-Hopp-Stadion steht Emil Vetter am Zugang zur Haupttribüne und kontrolliert die Karten. Die meisten Besucher kennen den groß gewachsenen Mann, der in wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiert, grüßen ihn, halten einen Plausch. Irgendwie war er schon immer da. „Seit 1996“, präzisiert Vetter, der ursprünglich aus Hilsbach stammt. Die TSG spielte damals in der Verbandsliga.

„Früher bin ich zum Karlsruher SC gegangen, aber irgendwann war mir das mit der Fahrerei zu viel.“ Dann merkte Vetter, der in Sinsheim wohnt, dass sich vor der eigenen Haustür etwas entwickelt. Er ging regelmäßig ins Dietmar-Hopp-Stadion, das noch gar nicht so hieß, und freute sich über den „technisch anspruchsvollen Fußball“, der ihm auf dem Waldsportplatz präsentiert wurde. Namen wie Meik Spieler, Roland Schmitt, Alfred Schön, Erwin Rupp oder Uwe Meyer sprudeln aus Vetter nur so heraus, wenn man ihn auf die „alten Zeiten“ anspricht. Oder Matthias Born, den heutigen Trainer des U23-Liga-Konkurrenten FC-Astoria Walldorf. „Wir halten jedesmal ein kurzes Schwätzchen, wenn er hier zu Gast ist.“

Bei der ersten Fanbusfahrt dabei

Ende der 90er Jahre war Emil Vetter, hinter dem Tor auf der Waldseite stehend, der erste TSG-Trommler. Als ein Lokaljournalist ihn eines Tages fragte, was er sich für die Zukunft wünsche, antwortete Vetter: „Dass einmal über 100 Menschen hinter mir stehen.“ Es sollte noch eine Weile dauern, aber dieser Wunsch erfüllte sich.

In seiner Anfangszeit war Vetter „Allesfahrer“, also überall dabei, auch auswärts. Schöne Erinnerungen hat er an die Fahrt zum Aufstiegsspiel beim SV Linx, zu dem erstmals ein Fanbus eingesetzt wurde. „Leider haben wir verloren, aber es war dennoch ein denkwürdiges Erlebnis.“ Oder der Aufstieg in die Zweite Liga im Mai 2007, der nach einem 4:0 über die Sportfreunde Siegen im Dietmar-Hopp-Stadion gefeiert wurde. „Mein bisher schönster Moment, an diesem Tag hat vor, während und nach dem Spiel einfach alles gepasst.“ Beruflich war Vetter für die Post in Heidelberg und Mannheim im Einsatz. Er ließ sich zusichern, samstags nicht arbeiten zu müssen, um bei den Heimspielen der TSG dabei sein zu können.

Kasse, Ordnungsdienst, Fanbeauftragter

Zu Beginn der Regionalliga-Zeit wurde der Edel-Fan von Chrsitiane Rienesl (heute u.a. Sicherheitsbeauftragte der TSG) angesprochen, ob er nicht hier und da aushelfen wolle. Er wollte, und saß zunächst an Spieltagen im Kassenhäuschen oder half später beim Dauerkartenverkauf. „Die Anfrage war sehr groß und die Strukturen nicht so schnell mitgewachsen, so dass wir da teilweise gar nicht hinterherkamen.“ Später war Vetter auch Fanbeauftragter, besuchte entsprechende Schulungen und unterstütze Christiane Rienesl an Spieltagen bei der Koordination des Ordnungspersonals. „Mein Herz hängt an der TSG, und da es mir die Zeit erlaubte, habe ich sie gerne eingebracht.“

Seine Frau Brigitte hat er ebenfalls für die TSG begeistern können, auch sie sitzt dann und wann im Kassenhäuschen an der Silbergasse und in der Sinsheimer Arena. Auf den Sohnemann ist der Funke allerdings nicht übergesprungen. „Er ist das Gegenteil eines Fußball-Fans“, sagt Vetter und nimmt es mit Humor. „Wenn ich ihn früher mit ins Stadion genommen habe, war er mit dem Schlusspfiff schon wieder zu Hause.“

Kein „Rentnerbus“ nach Düsseldorf

Bei Spielen der U23, U19 und der Damen kümmern sich die Vetters also um Kasse und Ordnungsdienst. An Trainingstagen der Profis sind in „Emils Kiosk“ in Zuzenhausen anzutreffen. Die Idee, den ehemaligen Massageraum mit Hilfe des Facility-Mitarbeiters Gerd Kraus ilfeHin einen Treffpunkt (und in ein kleines Museum voller TSG-Devotionalien) umzuwandeln, war Vetter gekommen, weil immer wieder Kiebitze im nahegelegenen Ententeich des Fischervereins „ihr Geschäft“ verrichteten. Vetter, mittlerweile als Rentner mit ausreichend Zeit gesegnet, bietet ihnen hier seit fünf Jahren die Gelegenheit, sich bei einem Kaffee über Fußball auszutauschen – und auszutreten.

Der Kiosk erfüllt seinen Zweck. „Sonntags mussten wir sogar schon Leute wegschicken, weil der Andrang so groß war“, bedauert Vetter, der sich mit seiner Frau darum kümmert, dass alles sauber bleibt. Der frühere Trommler ist auch noch ein großer Sammler: Seit dem Erscheinen des ersten Stadionhefts zu Verbandsliga-Zeiten sind sämtliche Exemplare in seinem Besitz.

Allesfahrer ist der bald 70-Jährige schon lange nicht mehr. Einmal im Jahr aber organisiert Emil Vetter eine Tour zu einem Bundesliga-Auswärtsspiel, er spricht dabei vom „Rentnerbus“. „Wir waren zum Beispiel in Leipzig und Hamburg und haben jeweils noch ein paar Tage drangehängt.“ Diese Saison wäre am 18. April Düsseldorf das Ziel gewesen. „Das ist leider ins Wasser gefallen.“

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