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AKADEMIE
11.04.2020

Historische Spiele (6): Im Fernduell die Nerven behalten

Ein Wochenende ohne Spielberichte ist irgendwie seltsam. Leider wird sich das vorerst nicht ändern. Auf achtzehn99.de blicken wir daher seit drei und auch in den kommenden Wochen auf „historische Partien“ zurück, erzählen die dazugehörigen Geschichten nach und rufen sie wieder in Erinnerung. Heute: Das 3:1 der U15 gegen den SC Freiburg, mit dem sich das Team von Trainer Wolfgang Heller am letzten Spieltag 2015/16 die Süddeutsche Meisterschaft sicherte.

Trainer Wolfgang Heller, war der einzige, der dauernd den mahnenden Zeigefinger hob. Und als ihm nach dem 1:0-Sieg im Spitzenspiel der C-Junioren-Regionalliga Süd gegen den VfB Stuttgart alle schon vorzeitig zur Meisterschaft gratulieren wollten, lehnte er vehement ab. Aber was sollte da bitte noch schiefgehen? Fünf Spieltage vor Schluss hatte die TSG, die bis dahin nur eine einzige Niederlage hinnehmen musste, den VfB auf zwölf Zähler distanziert.

Doch danach lief es in der Tat merkwürdig. Die Heller-Schützlinge schienen ausgerechnet auf der Zielgeraden das Siegen verlernt zu haben. Der Sekt, wäre er denn – wie von vielen symbolisch gefordert – tatsächlich kaltgestellt worden, wäre nach den Unentschieden gegen Karlsruhe und Regensburg sowie empfindlichen Pleiten gegen Bayern München und Eintracht Frankfurt sehr wahrscheinlich eingefroren. Denn zeitgleich eilte der VfB von Kantersieg zu Kantersieg, und am letzten Spieltag trennten beide Teams nur zwei Zähler.

Fernduell mit dem VfB

Vier Spiele in Folge ohne Sieg. Als am 14. Mai 2016 der SC Freiburg am letzten Spieltag in die Akademie-Arena kam, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht offiziell eröffnet war, waren die Nerven durchaus etwas angespannt. Denn dass der VfB Stuttgart im Titel-Fernduell gegen den SV Darmstadt 98 Federn lassen würde, damit war gemessen an den jüngsten Ergebnissen nicht zu rechnen. Aber selbst wenn die Stuttgarter gepatzt hätten: Mit fünf sieglosen Partien am Stück wollte nun wirklich niemand Meister werden!

Vier Spieler, die heute zum U19-Kader gehören, standen beim Anpfiff auf dem Rasen, ein weiterer wurde eingewechselt: Daniel Klein, Benedikt Landwehr, Max Geschwill, Melesse Frauendorf und Kaan Özkaya. Lukas Schappes stand mit Krücken am Spielfeldrand, er verpasste das Saisonfinale aufgrund eines Fußbruchs, den er sich Ende März in Berlin zugezogen hatte.

Nach zehn Minuten die kalte Dusche. Der Freiburger Tim Heinzelmann sorgte für ein flaues Gefühl in der Magengegend aller Hoffenheimer, als er den ersten Angriff der Breisgauer erfolgreich abschloss. 0:1. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Sollte die U15 tatsächlich die dritte Süddeutsche Meisterschaft nach 2012 und 2013 so aus ihren Händen gleiten lassen?

„Einfach so weitermachen!“

Von Panik oder Versagensangst jedoch keine Spur. Die Heller-Elf bewahrte die Ruhe und schnürte den Sportclub in dessen Hälfte ein. Angriff um Angriff rollte auf das Tor von Keeper Robin Karcher. Problem: Der Ausgleich wollte einfach nicht gelingen. Und während die Hoffenheimer mit einem Rückstand in die Pausenbesprechung schlichen, lag der VfB gegen die „Lilien“ schon 3:0 vorne. Virtuell war die Meisterschaft zu diesem Zeitpunkt also verloren.

„In der Halbzeit habe ich den Jungs gesagt, dass sie ihr bestes Spiel seit langem zeigen und einfach so weitermachen sollen“, würde Heller später zu Protokoll geben. Es dauerte keine drei Minuten, bis der Ball nach dem Wiederanpfiff endlich im Netz zappelte. Kapitän Antonis Aidonis verwandelte einen Strafstoß sicher zum 1:1 und läutete die Aufholjagd ein. Fünf Minuten später war Jassin Naainiaa zur Stelle und brachte die TSG mit seinem 2:1 auf die Siegerstraße.

Sicher, nur ein Gegentor und die Meisterschaft wäre futsch gewesen, doch die Hoffenheimer hatten mit bemerkenswerter Abgeklärtheit alles im Griff und ihre in den vorangegangenen Spielen abhanden gekommene Selbstsicherheit wieder erlangt. Fünf Minuten vor dem Ende machte Naainiaa mit seinem zweiten Treffer alles klar. Das 4:0 des VfB gegen Darmstadt war wertlos.

Jubeltänzchen, Humba – und Meisterfeier

So eng und spannend es am Ende war, die Hoffenheimer hatten sich den Titelgewinn mehr als verdient. Beim 1:1 in der Vorwoche in Regensburg hatte der Pfosten die frühzeitige Meisterfeier verhindert. „Diese Truppe hat eine tolle Mentalität. Es war beeindruckend, wie sie heute den Rückstand gedreht hat“, freute sich Heller. „Wenn man bedenkt, dass fünf, sechs Stammspieler im Laufe der Runde dauerhaft ausgefallen sind, ist dieser Titel umso wertvoller. Im Winter konnte ich die Tabellenführung nicht so genießen, jetzt trotz oder gerade wegen der Anspannung umso mehr.“

Nach den Jubeltänzchen auf dem Platz mit Humba, Ehrung und Erinnerungsfotos für den Eltern-Fanclub ging es ins Förderzentrum (heute: Grundlagenzentrum), der Trainingsheimat der U15, zur Saisonabschlussfeier. „Die hätte heute auf jeden Fall stattgefunden“, stellte Heller klar. Aber als Meister ließ es sich dann doch schöner feiern!

TSG Hoffenheim – SC Freiburg 3:1 (0:1)
Hoffenheim: Klein – Jungmann, Tripi, Landwehr (65. Haile), Naainiaa (66. K. Özkaya), Geschwill, Aidonis, Frauendorf (70.+3 Hofmann), Heimpel (61. Brand), Groß, Lee.
Freiburg: Karcher – Tran, Markanic (44. Bakici), Wiemann, Placzek, Tost, Albrecht (46. Awell), Repple, Heinzelmann, Bührer (64. Hug), Weißhaupt (63. Asam).
Tore: 0:1 Heinzelmann (10.), 1:1 Aidonis (38., Strafstoß), 2:1 Naainiaa (43.), 3:1 Naainiaa (65.). Zuschauer: 100. Schiedsrichter: Lukas Heim.
Zuzenhausen, Akademie-Arena, 14. Mai 2016

 

HISTORISCHE SPIELE

1 | Triumph im Schatten des Olympiastadions | U19: TSG Hoffenheim - Hertha BSC 2:1 | Finale DFB-Junioren-Pokal 2010

2 | Ein Meistertitel zum Geburtstag | U16: TSG Hoffenheim II - VfB Stuttgart II 3:2 | Entscheidungsspiel um die B-Jugend-Oberligameisterschaft 2013

3 | Das eingelöste Versprechen | U19: TSG Hoffenheim – SV Werder Bremen 3:1, 2:0 | Halbfinals um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft 2016

4 | Meisterstück in Walldorf | U23: FC-Astoria Walldorf – TSG Hoffenheim II 0:1 | Entscheidender Sieg zum Aufstieg in die Regionalliga 2010

5 | Rapps goldenes Händchen gegen City | U19: TSG Hoffenheim – Manchester City 5:2 | Sieg im ersten Youth-League-Gruppenspiel 2018

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