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AKADEMIE
10.04.2020

Corona-Chronicles: Co-Trainer Hastert vermisst seine U14

Der Fußball steht still, doch das Training muss weitergehen – nicht als Mannschaft, aber individuell. Achtzehn99.de wirft nach und nach einen Blick auf jedes einzelne Akademie-Team und spricht mit einem Spieler, Trainer oder Betreuer darüber, wie es ihm und den Mannschaftskameraden oder dem Trainerteam in dieser außergewöhnlichen Zeit ergeht. Heute berichtet U14-Co-Trainer und Grundschullehrer Tobias Hastert von seinem Alltag ohne Fußball und Schule. Informationen über das Coronavirus erhält der 30-Jährige aus erster Hand.

Wenn Tobias Hastert wissen will, welche neuen Entwicklungen es rund um das Coronavirus gibt, muss er nur seinen Bruder anrufen. Der ist als Zellbiologe eigentlich am Max-Planck-Institut in England tätig, kam für die Zeit der Krise jedoch zurück nach Deutschland und meldete sich freiwillig am Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt. Dort wirkt er in einer Arbeitsgruppe mit, die unter anderem an potenziellen Therapieansätzen gegen die gefährliche Lungenkrankheit Covid-19 forscht.

„Wir telefonieren regelmäßig und ich informiere mich auch sonst viel über die aktuelle Lage. Deshalb nehme ich es auch extrem ernst“, sagt Hastert, der seit Sommer 2018 Co-Trainer der U14-Teams in der TSG-Akademie ist. Auf Anraten seines Bruders erledigt Hastert die Einkäufe für seine Eltern, die bereits Mitte 60 sind und damit zur Risikogruppe zählen. Auch in dem Acht-Parteien-Haus in Erbach im Odenwald, in dem er mit seiner Freundin und seiner Katze lebt, hat er den älteren Bewohnern seine Hilfe angeboten. „Da sind die meisten zwar noch etwas stur, aber ich denke, wir sollten alle möglichst solidarisch sein und den Gefährdeten helfen.“

Tägliche Telefonate mit Andreas Lässig

Im Hauptberuf ist Hastert Lehrer an der Grundschule im Breuberger Stadtteil Rai-Breitenbach. Da natürlich auch seine Schule geschlossen ist, hat Hastert in diesen Tagen viel freie Zeit. Zumal die Schulleitung ihn gebeten hat, Überstunden abzubauen, die sich der U14-Co-Trainer eigentlich für den Trainerlehrgang zur A-Lizenz in Hennef angesammelt hatte. Vergangene Woche wäre der Start für den Lehrgang gewesen, doch dieser ist nun bis auf Weiteres vertagt. „Das hat mich schon sehr geärgert“, so der frühere Verbandsligafußballer, der bei Eintracht Wald-Michelbach drei Jahre unter dem heutigen Spiel- und Videoanalysten der TSG-Akademie, Sebastian Haag, in der sechsten Liga gespielt hat. Über Haag kam der Odenwälder dann auch zur Akademie.

Nach den 2005er-Jahrgängen in der vergangenen Saison betreut Hastert mittlerweile die 2006er. Im Trainergespann mit Chefcoach Andreas Lässig und dem zweiten Co-Trainer Marco Unser sind nun, da keine Einheiten auf dem Platz möglich sind, Improvisations- und Planungstalent gefragt. „Ich telefoniere täglich mit Andi. Dabei sprechen wir dann über die Jungs und das jeweilige Wochenpensum für das Heimtraining.“

Trainer vs. Spieler bei Challenges

Gemeinsam mit Marco Unser überlegt sich Hastert außerdem die Challenges für die Spieler, bei denen auch ein kleiner interner Wettkampf „Trainer vs. Spieler“ entbrannt ist. Gewinnt ein Coach die jeweilige Challenge, müssen die Jungs nach der Rückkehr zum Mannschaftstraining Eis fürs Trainerteam ausgeben. Setzt sich ein Spieler durch, sind die Trainer mit Spendieren an der Reihe. Von drei Challenges gingen bereits zwei an die Trainer: Beim Kopf-Jonglieren war Unser nicht zu schlagen. Und beim Rundlauf mit Ballkontakten vom rechten Fuß, rechten Oberschenkel und Kopf sowie darauffolgend linker Oberschenkel, linker Fuß und wieder von vorne hatte Hastert am Ende die meisten Runden zu verzeichnen. Die Spieler entschieden dagegen den Wettbewerb im Tennisball-Jonglieren für sich. Hier verzeichnete Rafail Savvidis starke 565 Kontakte.

Der direkte Draht zu seinen Spielern und den anderen Akademie-Trainern fehlt Hastert derzeit am meisten. „Man muss jetzt halt die Füße stillhalten, aber den Umgang mit den Jungs vermisse ich schon sehr“, sagt der 30-Jährige. Ganz wörtlich nimmt er das mit dem Stillhalten aber nicht: Die viele freie Zeit nutzt er für regelmäßiges Wandern, Laufen oder Fahrradfahren. „Dadurch bin ich momentan fitter als zu meinen Zeiten als Aktiver“, sagt Hastert, der ab und zu auch beim A-Ligisten TSV Günterfürst aushilft. Mit den Kumpels auf dem Fußballplatz zu stehen, fehlt dem Vollblutfußballer ebenfalls sehr.

Sorgen um wirtschaftliche Lage

Neben der Bewegung im Odenwald verausgabt sich Hastert vor allem bei Arbeiten am Haus oder der Umgestaltung des Gartens. Doch möglichst bald will er auch wieder in der Akademie-Arena auf dem Trainingsplatz stehen und seine Mannschaft coachen. „Für die Jungs wird es ja auch langsam schwierig, sich bei Laune zu halten. Wir merken, dass sie unbedingt wieder als Gruppe trainieren wollen.“

Hastert würde ihnen gerne diesen Wunsch erfüllen, doch er weiß auch, dass es momentan viele Menschen gibt, die weitaus größere Probleme haben. „Ich mache mir neben den gesundheitlichen Aspekten große Sorgen um die Wirtschaft und um meine Freunde, die aktuell in Kurzarbeit sind.“ Auf positive Nachrichten und eine Trendwende wartet Hastert sehnsüchtig. Er wird sie aus erster Hand erfahren, wenn das Handy klingelt und sein Bruder dran ist.

 

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