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04.03.2020

Imam Toraman: Der Verteidiger mit dem Tornado-Kick

Es in die U12 der TSG zu schaffen und damit zu den besten Fußballern seines Jahrgangs zu gehören, ist ja eigentlich schon Errungenschaft genug. Doch Imam Toraman verfügt nicht nur beim Kicken über enormes Potenzial, er gilt auch als großes Taekwondo-Talent. Mit nur zwölf Jahren ist der Baiertaler bereits zweifacher Vize-Europameister.

Ansatzlos schraubt sich Imam Toraman in die Luft, dreht sich ein und lässt sein Schwungbein in die Höhe schnellen. „Das nennt sich Tornado-Kick“, sagt Imam und grinst. Seine Teamkollegen bei der U12 und teilweise sogar Gegenspieler wollen die anspruchsvolle Tritttechnik immer wieder sehen und sind begeistert von dem zweiten sportlichen Standbein ihres Innenverteidigers. Auch der Spagat ist für den Zwölfjährigen kein Problem.

Dass jemand gleich zwei Sportarten auf Leistungsniveau betreibt ist sicherlich ungewöhnlich. Doch nicht bei den Toramans, wie Vater Ugur erzählt. Imams beide jüngeren Brüder Hasan (10) und Hidir (7) sowie die Schwester Imren (5) spielen allesamt Fußball und betreiben Taekwondo. Haydar, der zweijährige und damit jüngste Sprössling der deutschen Familie mit türkischen Wurzeln aus Baiertal bei Wiesloch, wird demnächst anfangen – natürlich mit beiden Sportarten. Fünf Kinder mit jeweils zwei Sportarten, das klingt kompliziert. „Es geht“, sagt Vater Ugur. „Meine Frau Gülden und ich machen am Freitagabend einen Plan fürs Wochenende und schauen dann, wer zu welchem Wettkampf oder Spiel mitgehen kann und bei wem die Kinder sonst mitfahren können. Das klappt ganz gut.“

Erleichternd kommt für die Familie hinzu, dass das Taekwondo-Training zum Teil im hauseigenen Übungsraum stattfindet. Ugur Toraman fungiert nämlich nicht nur als Fußballtrainer der F2 des FC-Astoria Walldorf und hat dort auch seinen Sohn Hidir in der Mannschaft, sondern trainiert bei sich in Baiertal als mittlerweile staatlich zertifizierter Trainer für Taekwondo auch seine anderen Söhne und Tochter Imren sowie deren Vereinskameraden. Der Vater war es auch, der seinen Erstgeborenen zum Taekwondo gebracht hat. „Eigentlich bin ich Boxer, aber das wollte ich für Imam nicht wegen der vielen Kopftreffer. Im Taekwondo sind die Kinder besser geschützt.“

Zweifach verpasster EM-Titel ärgert Imam noch immer

Bei den Bambini im Wieslocher Taekwondo-Verein machte Imam seine ersten Versuche und wurde aufgrund seines Talents bald zu den Älteren gesteckt. „Er war schon immer flink und hat schnell gelernt“, erinnert sich Vater Ugur an die ersten Taekwondo-Schritte seines ältesten Sohnes. Im Alter von sieben Jahren wurde der Sechstklässler des Wieslocher Ottheinrich-Gymnasiums zum ersten Mal Baden-Württemberg-Meister. Ein Titel, den er inzwischen schon fünf Mal gewonnen hat. Auch die Berlin-Open, einer der wichtigsten Wettkämpfe im Taekwondo, hat Imam bereits gewonnen. In diesem Jahr steht zudem erstmals die Deutsche Meisterschaft an – und auch dort will sich Imam natürlich gerne durchsetzen.

Höhepunkte seiner bisherigen Kampfsportlaufbahn waren aber die beiden Teilnahmen an Europameisterschaften. Im spanischen Marina d’Or schaffte er es ins Finale und unterlag dort einem ukrainischen Kontrahenten, bei der nächsten EM in Sindelfingen ging es ebenfalls bis in den Kampf um Gold, in dem sich Imam diesmal einem italienischen Taekwondo-Talent geschlagen geben musste. „,Dass ich zwei Mal so knapp am EM-Titel vorbeigeschrammt bin, ärgert mich immer noch“, sagt Imam, der mittlerweile den zweiten Dan des schwarzen Gürtels abgelegt hat. Im Dezember steht die nächste Europameisterschaft an. „Und diesmal will ich gewinnen.“

Auch im Fußball feierte der flinke Verteidiger aus Baiertal schnell Erfolge. Seine ersten Schritte machte er bei der SG Baiertal/Schatthausen. Bei einem der AOK-Talenttage im Grundlagenzentrum der TSG hatte Vater Ugur dann seinen Sohn und weitere Jungs aus Baiertal angemeldet. Imam überzeugte die TSG-Trainer und wurde ins Kinderperspektivteam aufgenommen. Da aber erst zur U12 ein fester Wechsel zur TSG möglich ist, machte er noch einen Zwischenschritt und ging zum FC-Astoria Walldorf. Im vergangenen Sommer wechselte er schließlich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Darijo Ebert fest von Walldorf nach Hoffenheim.

Fußball hat Priorität

Das anspruchsvollere Training und die Wettkämpfe in ganz Deutschland machen es für Imam und seine Familie nun etwas schwieriger, Taekwondo und Fußball unter einen Hut zu bekommen. „Ich will aber gerne so lange wie möglich beides weitermachen“, sagt der Verteidiger. Vater Ugur hebt das große Verständnis hervor, dass U12-Cheftrainer Arne Stratmann und sein Trainerteam für Imams Zweitsportart haben. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Gleichzeitig ist für Imam und seinen Vater klar, dass Fußball die Nummer eins ist. „Wenn die TSG sagen würde, dass Imam mit Taekwondo aufhören muss, würden wir das machen“, sagt Ugur Toraman. Nur für die nächste EM würde Imam mit Einverständnis der TSG Taekwondo dem Fußball vorziehen. „Wenn es da mit dem Titel klappen würde, wäre das wirklich super“, betont er noch einmal.

Bis es soweit ist und die volle Konzentration auf den Fußball ansteht, wird im Hause Toraman aber weiterhin beiden Sportarten nachgegangen. Meistens zwei bis drei Mal pro Woche steht Taekwondo auf dem Programm. Dazu kommen für Imam drei Trainingseinheiten mit der TSG-U12 im Grundlagenzentrum und ein Besuch im Footbonauten pro Woche. Am Wochenende folgen schließlich noch Wettkämpfe – ob im Fußball oder im Taekwondo. Und dann geht der Gymnasiast natürlich auch noch zur Schule. Die dürfe unter seinem Sport nicht leiden, sagt Vater Ugur, der seinem Sohn aber ordentliche Schulleistungen attestiert – trotz der doppelten sportlichen Belastung.

Auch Ibrahimović in beiden Sportarten aktiv

Die Fertigkeiten, die Imam durch den Taekwondo-Sport entwickelt hat, helfen dem Zwölfjährigen auch im Fußball. Der Spagat und der Tornado-Kick zwar weniger, aber die Sprungkraft, der Körperkontakt und die Reaktionsfähigkeit sind bei dem Verteidiger besonders gut ausgeprägt. Dementsprechend bezeichnet Imam Schnelligkeit, Zweikampf und zudem noch Spielübersicht als seine Stärken. Arbeiten muss der Sechstklässler nach eigener Aussage noch an seiner Technik.

Noch vor dem EM- oder gar WM-Titel im Taekwondo steht für Imam das Ziel, es als Fußballprofi zu schaffen. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, weiß er. Dass Taekwondo als Ergänzung zum Fußball aber nicht die schlechteste Wahl ist, weiß er eben auch. So hat auch Zlatan Ibrahimović seine außergewöhnlich gute Körperbeherrschung und Beweglichkeit davon, dass er seit seiner Jugend Taekwondo betreibt.

Es geht also durchaus beides – auch wenn Imam bei seinem Weg zum Fußballprofi sicherlich irgendwann auf die Taekwondo-Wettkämpfe verzichten müsste. Momentan ist jedoch noch kein Ende von dem doppelten Leistungssport abzusehen. „Ich habe immer Lust auf beides – auf Fußball und auf Taekwondo“, betont Imam und zeigt zum Abschluss noch einmal seinen beeindruckenden Tornado-Kick, an dessen Ende er sogar noch den Fußball in die Luft feuert.

Zlatan lässt grüßen. 

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