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AKADEMIE
28.03.2020

Historische Spiele (2): Ein Meistertitel zum Geburtstag

Ein Wochenende ohne Spielberichte ist irgendwie komisch. Leider wird sich das bis mindestens Mitte April nicht ändern. Auf achtzehn99.de blicken wir daher in den kommenden Tagen in loser Reihenfolge auf „historische Partien“ zurück, erzählen die dazugehörigen Geschichten nach und rufen sie wieder in Erinnerung. Heute: Das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der B-Junioren-Oberliga 2013.

Die Saison 2012/13 war für die U16 eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Herbstmeisterschaft, Trainerwechsel, Verlust frühzeitig hochgezogener Talente und der Tabellenführung – und schließlich gipfelte alles in einem Entscheidungsspiel gegen den VfB Stuttgart. An dessen Ende hatte Coach Dominik Drobisch gleich doppelten Grund zur Freude. Doch der Reihe nach…

Im September 2012 hieß der U16-Trainer noch: Julian Nagelsmann. Sein Team startete als Favorit in diese Oberliga-Saison, schließlich hatten die 1997er im Vorjahr die C-Junioren-Regionalliga Süd souverän für sich entschieden. Überhaupt waren sie das Feiern gewohnt, denn seit der U12 hatte dieser Jahrgang in schöner Regelmäßigkeit Titel gehamstert und in diesen vier Spielzeiten nur vier Partien verloren. Nun also U16, Oberliga Baden-Württemberg. Die beste Platzierung einer TSG-Mannschaft in dieser Liga war bis dahin ein vierter Rang.

„Verlieren“ blieb weiterhin ein Fremdwort, im Winter standen die Hoffenheimer an der Tabellenspitze. Ungeschlagen. Dann aber wurde Chefcoach Julian Nagelsmann als Co-Trainer zu den abstiegsbedrohten Profis hochgezogen. Und die beiden Junioren-Nationalspieler aus diesem Kader – Philipp Ochs und Benedikt Gimber – rückten vorzeitig in die U17 auf.

Drobisch übernimmt für Nagelsmann

Dominik Drobisch, der heutige Leiter Akademie und bis dahin „Co“ unter Nagelsmann, hatte nun die schwierige Aufgabe, unter erschwerten Bedingungen das Team auf Kurs zu halten. Dabei assistierten ihm der damalige U12-Trainer Carsten Kuhn (heute U17-Co) und Paul Tolasz, damals Koordinator der Kinderperspektivteams.

Der VfB Stuttgart II spielte eine fantastische Rückrunde, gewann seine abschließenden elf Spiele (unter anderem 3:1 in Hoffenheim) und spazierte im Kalenderjahr 2013 von Sieg zu Sieg. Am 17. Spieltag schloss der VfB zur TSG auf und in den kommenden fünf Begegnungen endete das Fernduell um den Titel remis, weil sich beide Mannschaften schadlos hielten und punktgleich durchs Ziel marschierten. Da das Torverhältnis bei der Vergabe der Meisterschaft keine Rolle spielte, musste ein Entscheidungsspiel her, das nur vier Tage nach Saisonende auf neutralem Boden angesetzt wurde. So viel zum Setting.

200 Zuschauer – darunter auch Nagelsmann, Gimber und Ochs – kamen am 12. Juni 2013 ins Bad Rappenauer Waldstadion, die meisten waren sich einig: Der VfB mit seinem unglaublichen Lauf und Torschützenkönig Prince Owusu war der Favorit. Doch Drobisch motivierte seine Jungs um Kapitän Pascal Söll – dem heutigen TSG-U13-Trainer – bis in die Haarspitzen. „Wir waren zuletzt auch fünf Mal ungeschlagen und haben uns unsere Stärken ins Bewusstsein gerufen“, gab er sich vor diesem „Finale“ siegessicher. „In so einem Spiel kann alles passieren“, wusste auch VfB-Trainer Tomislav Marić. Der ehemalige Bundesliga-Profi war mit der TSG bestens vertraut: Er hatte im Kraichgau seine aktive Karriere ausklingen lassen und war mit seinen Toren maßgeblich am Aufstieg in die 2. Bundesliga beteiligt.

Traumtor Nufer, Doppelpack Beck

Mit einem extrem disziplinierten Auftritt und starker Vorwärtsverteidigung kaufte die Drobisch-Elf den Stuttgartern früh den Schneid ab. und ging durch einen sehenswerten Volleyschuss Pascal Nufers, der die Kugel von der Strafraumgrenze in den Winkel nagelte, 1:0 in Führung (12.). In der 24. Minute bediente Patrick Kapp mit einem schönen Pass in die Spitze Adrian Beck, der noch einen Gegenspieler vernaschte und mit einem Linksschuss in die kurze Ecke auf 2:0 erhöhte. „Bis dahin hatten wir die Partie absolut im Griff“, so Drobisch, der aber dann mit ansehen musste, wie Miguel Malheiro kurz darauf mit einem 25-Meter-Freistoß, der TSG-Keeper Luca Bieber, nunja, unglücklich durchrutschte, auf 2:1 verkürzte (28.). Bis zur Pause gaben die Stuttgarter noch einmal Vollgas, doch die TSG rettete den Vorsprung in die Pause.

Der VfB war nun wieder im psychologischen Vorteil, doch nach dem Wechsel schlug erneut Beck eiskalt zu. Der gelernte Stürmer Matthias Stüber, zuletzt als Linksverteidiger gefordert, marschierte bis zur Grundlinie durch und legte in die Mitte, wo Beck für das verdiente 3:1 sorgte (54.). Es ging nun hoch und runter. Bieber machte seinen Fauxpas aus dem ersten Durchgang mehrfach wieder gut, Nufer vergab freistehend per Kopf – und fünf Minuten vor dem Ende machte es Owusu noch einmal spannend. Der spätere Hoffenheimer, der von Januar 2017 bis Juni 2018 im U23-Kader stand, drückte einen Eckball aus drei Metern über die Linie. Es blieb spannend bis zur letzten Sekunde, als ein VfB-Freistoß noch einmal Millimeter über das Tor flog.

Dann der Schlusspfiff, grenzenloser Jubel im Waldstadion! An der Meister-Humba beteiligte sich auch ein junger Mann im Baumfällerhemd: Julian Nagelsmann, der gerade mit den Profis unter Cheftrainer Markus Gisdol die Relegation gegen Kaiserslautern gewonnen und den Bundesliga-Klassenerhalt geschafft hatte, jubelte kräftig mit. Während der 80 Minuten hatte er sich dezent im Hintergrund gehalten und Drobisch das Coaching überlassen.

Die Interviews nach der Partie liefen etwas aus dem Ruder, denn sie wurden allesamt durch besonders klebrige Cola-Duschen empfindlich gestört. „Das war eine fußballerisch richtig starke Vorstellung“, jubelte Drobisch, der nun kurzfristig die weiteren Feierlichkeiten planen musste. Spontan wurde ein gemeinsames Abendessen in Sinsheim angesetzt, bei dem ausnahmsweise auch weniger sportlergerechte Nahrung erlaubt war. Geschlossen feierte der TSG-Tross anschließend im Leistungszentrum den ersten U16-Titel ausgelassen weiter, ehe die Meistergesänge um Mitternacht in ein „Happy Birthday“ übergingen. „Schöner kann es nicht sein“, freute sich Drobisch, der seinen 27. Geburtstag wohl nie vergessen wird.

VfB Stuttgart II – TSG 1899 Hoffenheim II 2:3 (1:2)
Stuttgart:
Buntić – Marianek (68. Ikeokwu), Schlimgen, Krauß, Baloğlu, dos Santos, Malheiro (55. Groiß), Hoti (55. Bräuning), Owusu, Uygun, Schweizer.
Hoffenheim: Bieber – Zucknick, Stüber, Kapp, Kalteis, Söll, Nufer (78. Schneider), Teufel, Kölmel (80. Çakar), Beck (80. Lorenz), Şentürk (54. Hafiz).
Tore: 0:1 Nufer (12.), 0:2 Beck (24.), 1:2 Malheiro (28.), 1:3 Beck (54.), 2:3 Owusu (75.). Zuschauer: 200. Schiedsrichter: Tobias Hauck.
Bad Rappenau, Waldstadion, 12. Juni 2013

Historische Spiele

1 | Triumph im Schatten des Olympiastadions | U19: TSG Hoffenheim - Hertha BSC 2:1 | Finale DFB-Junioren-Pokal 2010

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