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AKADEMIE
04.02.2020

Vom Football lernen: Kultur schlägt Strategie

Am Montag war der Superbowl-Sieg der Kansas City Chiefs gegen die San Francisco 49ers großes Gesprächsthema in der TSG-Akademie. Da passte die Trainerfortbildung am Dienstag sehr gut ins Programm: Praktikant Jonathan Kuban referierte im Dietmar-Hopp-Stadion über Kaderstrukturen, Rostermanagement und Trainingsplanung im American Football. Die Einstellung, von anderen Sportarten lernen zu wollen, ist in der TSG-Akademie seit jeher fest verankert.

Verletzungsbedingt musste Kuban seine eigene Laufbahn früh beenden, seit seinem 19. Lebensjahr ist der gebürtige Mönchengladbacher als Football-Trainer aktiv. Erst bei seinem Heimatverein Mönchengladbach Mavericks (heute: MG Wolfpack), später in Münster, wo er derzeit Sports-Science studiert, bei den Mammuts.

Nach einem kurzen Überblick über die Strukturen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland sowie ein paar interessanten Zahlen, wie etwa dass gerade mal 0,08 Prozent aller High-School-Footballer später einen NFL-Vertrag erhält, ging es in den für die 20 anwesenden Trainer interessanten Teil über: Wie sind die Trainerteams strukturiert? Wie die Kader? Welche Prinzipien spielen bei der Kaderführung und der Trainingsplanung eine wichtige Rolle?

„Der Head Coach steht über allem, er hält sämtliche Zügel in der Hand“, so Kuban. Eine Hierarchie-Ebene darunter agieren die Koordinatoren für Offensive, Defensive und Special Teams, darunter wiederum die „Position Coaches“ für sämtliche Positionen vom Quarterback und Wide Receiver bis zum Defensive-Line-Coach. Der Head Coach, der während der Einheiten keine konkreten Aufgaben hat, und die Koordinatoren geben die strategische Richtung vor und machen die Vorgaben für die Position Coaches.

"Jede Woche wie ein Autounfall"

Kuban berichtete von seinen eigenen Erfahrungen und unterstrich immer wieder die Bedeutung von hoher Disziplin. „In den Spielpausen müssen zum Beispiel die Wechsel reibungslos erfolgen. Jeder muss genau wissen, was er zu tun hat. In kaum einer anderen Sportart hängt der Mannschaftserfolg so sehr vom perfekten Zusammenspiel jedes einzelnen ab. Der beste Quarterback kann nichts machen, wenn die Wide Receiver nicht wissen, wie die Laufwege sind.“

Eine weitere große Rolle spielt die Wertevermittlung. „Wenn die Head Coaches nicht das vorleben, was sie von ihren Spielern erwarten, wird es schwierig“, so Kuban, der den Titel eines Football-Buchs zu seinem Motto gemacht hat: „Culture defeats strategy.“ Allerdings musste er auch einräumen: „Den perfekten Plan gibt es nicht.“

Schließlich gab Kuban einen Einblick in die Trainingsplanung, die bedingt durch die lange Pause – in der NFL von Januar bis Juli – anders zu gestalten ist. „Hier kommt es hauptsächlich auf Erholung und individuelle Kleinarbeit an“, sagt Kuban. „Es gibt nur einen Tag im Jahr, an dem ein NFL-Profi topfit ist: Der Tag vor dem offiziellen Start in die Saisonvorbereitung. Von da an wird er immer wieder von kleinen Wehwehchen bis hin zu schlimmeren Verletzungen geplagt sein.“ Der ehemalige deutsche Football-Profi Björn Werner, der bereits mit 27 Jahren seine Karriere beenden musste, sagte einst in einem Interview: „Als Stammspieler hast du die ganze Saison über Schmerzen und bist angeschlagen. Die Saison fühlt sich ungefähr so an, als hättest du jede Woche einen Autounfall. Du gehst immer mit einem körperlichen Trauma vom Feld.“

Ein Mannschaftstraining als solches gibt es im American Football nicht, alle Einheiten trainieren für sich. „Mit hoher Intensität, keiner steht auf dem Feld herum. Jeder ist ständig in Bewegung“, so Kuban, der am Ende seines einstündigen Vortrags noch für die Fragen der TSG-Trainer zur Verfügung stand.

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