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AKADEMIE
18.12.2019

Rückblick (2/4) | Rapp: Emotionale zwölf Monate

Marcel Rapp geht in seine dritte Weihnachtszeit als TSG-U19-Trainer. Im Frühjahr 2017 hatte er das Amt von Domenico Tedesco übernommen, ein Jahr später gewann er mit seinem Team die Süddeutsche Meisterschaft. Im Gespräch mit achtzehn99.de blickt er auf sein bislang aufregendstes Kalenderjahr zurück, das mit dem Erwerb der Fußballlehrerlizenz und dem Erreichen des Youth-League-Halbfinals zwei große Momente für ihn bereithielt.

Marcel, ohne lange zu überlegen: Woran wirst Du im persönlichen Jahresrückblick an Silvester als Erstes zurückdenken?

Auch wenn es gefühlt schon wieder eine Ewigkeit her ist: An unser Youth-League-Spiel gegen Real Madrid. Das volle Stadion, die Stimmung, der Regen, und natürlich das Ergebnis – das war wirklich ein außergewöhnlicher Abend im Dietmar-Hopp-Stadion.

Die TSG bezwang die „Königlichen“ mit 4:2 und erreichte somit das Final Four in Nyon…

Das hat uns sehr stolz gemacht und war auch ein denkwürdiges Erlebnis, ein Highlight für den ganzen Verein: Der Besuch im UEFA-Hauptquartier, die Atmosphäre im Halbfinale gegen den FC Porto. Aber am Ende stand da nunmal eine ernüchternde Niederlage, die diese Dienstreise dann etwas getrübt hat. Mehr als das Ergebnis hat uns die Gewissheit darüber, dass an diesem Tag mehr möglich gewesen wäre, enttäuscht.

Zu diesem Zeitpunkt gab es auch einen Bruch in der Bundesliga. Zu viel Euphorie nach Madrid?

Nein, aber man darf nicht vergessen, dass das eine sehr kräftezehrende Zeit war und dass wir phasenweise die beste Rückrundenmannschaft in unserer Bundesliga-Staffel waren. Wir hatten dann aber mehrere Abstellungen für die U23, für die acht Spieler von uns debütiert und die uns dann wiederum gefehlt haben.

Kommen wir auf die aktuelle Saison zu sprechen. Am letzten Spieltag vor der Winterpause ist Dein Team von Platz eins auf Rang vier abgerutscht. Wie sehr wurmt das?

Das 1:3 gegen den VfB Stuttgart hat uns geärgert, aber wir reduzieren doch nicht die ganze Saison auf dieses eine Spiel. Es war erst unsere zweite Niederlage und wir standen ja nicht umsonst ganz oben, obwohl wir nicht mit den besten Voraussetzungen in die Runde gestartet sind.

Wie meinst Du das?

Erst haben uns von einigen Neuzugängen die Spielgenehmigungen gefehlt, dann hatten wir zwei Abstellungen für die U17-WM in Brasilien und mit Maxi Beier und Melayro Bogarde sogar schon zwei Spieler am Bundesliga-Spieltag im Profi-Kader. Aber das ist in Ordnung, schließlich ist genau das unser Auftrag. Und ich bin mir auch bewusst, dass andere Vereine dieselben „Probleme“ haben.

Also doch ein zufriedenes Fazit?

Natürlich! Wir stehen mit unseren 30 Punkten gut da, haben nur drei Zähler Rückstand auf Platz eins und mehrere Spieler, die am Profi-Kader schnuppern. Die Leistungsdichte ist sowohl in der Liga als auch in unserem Kader sehr hoch.

Welche Jungs sehen wir denn in der kommenden Saison im Profi-Kader?

Das sind Schlagzeilen-Fragen, die ich nicht beantworten will. Fakt ist, es kann viele Talente von uns „erwischen“, und zwei Namen habe ich ja im Zusammenhang mit der Berufung in den Profi-Spieltagskader schon genannt. In unserer U19 gibt es einige außergewöhnliche Spieler, die aber teilweise noch lernen müssen, ihre gute individuelle Klasse in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Unsere Hauptaufgabe im neuen Jahr wird es sein, aus ihnen eine gute Gruppe zu formen.

Und noch einmal ins Titelrennen einzugreifen?

Wir werden jetzt sicher nicht wegen drei Punkten Rückstand aufgeben und tiefstapeln. Unser Ziel ist es, weiterhin jedes Spiel zu gewinnen. Es ist mit Sicherheit noch einiges möglich.

Wie geht es nach den Winterferien weiter?

Wir starten am 3. Januar mit dem Training, anschließend stehen Vorbereitungsspiele gegen den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und die Herrenmannschaft des FC Nöttingen an. Und neben unseren Ambitionen in der Bundesliga haben wir auch den BFV-Pokal im Blick, wo wir unseren Titel verteidigen und uns für den DFB-Pokal qualifizieren wollen.

Du warst kürzlich beim Leadership-Festival in Frankfurt eingeladen, wo es mit prominenten Rednern wie etwa Oliver Bierhoff oder Dirk Nowitzki zwei Tage lang um die Themen „Führung“ und „Vorbilder“ ging. Was hast Du mitgenommen?

Das war an zwei Tagen sehr viel Input, den ich erst mal sacken lassen muss. Mir ist aber klar geworden, dass es bei der Arbeit mit Jugendlichen wichtig ist, nicht die neue Generation mit der eigenen zu vergleichen und entsprechend zu bewerten, sondern sie da abzuholen, wo sie sich befindet, ihre Werte zu akzeptieren und die eigenen gegebenenfalls anzupassen. Dass man sich eben ein Stück weit in diese Richtung committen muss, um ein gutes Team zu werden.

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