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AKADEMIE
06.09.2019

Niklas Süle: Über alle Stolpersteine hinweg

Vor wenigen Tagen feierte Niklas Süle seinen 24. Geburtstag. Trotz seines jungen Alters hat der frühere Akademie-Spieler und TSG-Profi, der heute beim FC Bayern München unter Vertrag steht, schon eine Menge erlebt. Im Akademie-Guide blickt er auf seine Zeit in der Sinsheimer Straße zurück, spricht über das Thema Schule und über die Hürden auf dem Weg zum Profi.

Als wir Niklas Süle ans Handy kriegen, ist er gerade mit Django, seiner französischen Bulldogge, spazieren. Die Zwei sind im Münchner Vorort Straßlach unterwegs. Und auch wenn Django gerade viel Aufmerksamkeit einfordert, nimmt sich Süle gerne die Zeit, um ein bisschen über die alten Zeiten zu reden. Er ist zwar längst nicht mehr der „kleine Junge“, der als U15-Spieler (mit 1,90 Meter Körpergröße) zur TSG kam, wirkt aber im Gespräch immer noch wie damals, im Januar 2010.

Niklas, Du bist Deutscher Meister und Pokalsieger mit dem FC Bayern München und blickst bereits auf eine WM-Teilnahme mit der Nationalmannschaft zurück – kannst Du Dich überhaupt noch an Deine Zeit in der Akademie erinnern?

Natürlich! Die Internatszeit war die schönste Zeit meiner Kindheit, wenn ich jetzt 17 noch als Kindheit bezeichnen kann. Ich habe mit meinen Teamkollegen unter einem Dach gelebt. Wir waren eine tolle Truppe und haben viel gemeinsam unternommen. Klar haben wir auch den einen oder anderen Blödsinn angestellt, aber ist das nicht normal in dem Alter? Es war ein sehr schöner Abschnitt in meinem Leben, an den ich oft zurückdenke und über den ich ein Buch schreiben konnte.

Die Jungs in der TSG-Akademie sind alle sehr talentiert und träumen denselben Traum. Ganz nach oben schaffen es aber nur die wenigsten. Welche Hürden waren für Dich die höchsten?

Ich bin damals mit 14 von zu Hause ausgezogen und habe viele Dinge aufgegeben. Ohne Freunde und Familie in Hoffenheim zu sein, war ein Wahnsinnsschritt für mich. Und dabei war meine Heimatstadt Frankfurt ja noch relativ nah, andere kamen von weiter her. Ich denke, es ist für jeden schwierig, ohne sein privates Umfeld in ein neues Leben zu starten. Wir haben wie Profis trainiert und mussten dazu noch die Schule bewältigen. Das war nicht einfach, und deshalb habe ich mich damals bewusst für das Spielerwohnheim entschieden, um alles unter einen Hut zu kriegen.

Stichwort Schule: Wie wichtig ist Dir heute als Bundesliga-Profi Dein Abschluss?

Ich bin sehr froh, meinen Abschluss gemacht zu haben – und das sage ich jetzt nicht, weil es sich gut anhört. Als ich damals zu den Profis hochgezogen wurde, steckte ich mitten in der Vorbereitung auf die Mittlere Reife. Herr Busch (Lehrer von Anpfiff ins Leben, Anm. d. Red.) hat mir damals extrem geholfen, diese Doppelbelastung zu meistern, und dafür bin ich ihm noch heute sehr dankbar.

Welche Tipps kannst Du unseren heutigen Akademie-Spielern mitgeben?

Dass sie Gegenwind standhalten müssen. Es wird immer Stolpersteine und Hürden geben, wie zum Beispiel einen Trainer, der eine andere Meinung hat, Probleme in der Schule oder mit der Freundin. Freunde, die feiern und trinken wollen. Das musst du alles ausblenden. Es läuft nicht immer alles so, wie man es gerne hätte. Jeder Spieler muss wissen, wie sehr er für seine Ziele kämpfen will. Dabei wird einem sehr viel geholfen, aber den entscheidenden Schritt muss jeder selbst gehen. Man wird gut vorbereitet, aber in die Rolle des Profis muss jeder noch reinwachsen, der Druck ist ein ganz anderer. Klar spielt Talent eine große Rolle, aber ich habe gelernt, dass sich fast alles im Kopf entscheidet. Dir wird auf dem Weg nach oben nichts geschenkt, aber Qualität setzt sich durch und Arbeit zahlt sich aus.

Dein Kreuzbandriss im Dezember 2014 war auch so ein Stolperstein…

Ich war gerade erst Stammspieler geworden und bin acht Monate ausgefallen. Zu einem Zeitpunkt, als ich dabei war, den nächsten Schritt in meiner Entwicklung zu machen. Das war ganz schwer zu verarbeiten, vor allem, weil ich nicht wusste, wann und wie ich wieder zurückkommen würde. Ich habe aber diese schwierige Situationen angenommen. Das ist das, was ich mit „Gegenwind“ meinte.

Du hast Dir den Traum von der Profikarriere erfüllen können. Welche Traume hast Du heute?

Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich mit 23 schon Deutscher Meister und Pokalsieger bin, hätte ich Luftsprunge vor Freude gemacht. Ich bin sehr froh über das, was ich erreicht habe. Aber ich habe noch Träume: Die Champions League gewinnen, viele große Turniere spielen und mit der Nationalmannschaft für mein Land Titel holen!

Was war denn für Dich Dein besonderer TSG-Moment?

Mein Profi-Debüt gegen den HSV. Ich war so nervös wie danach nie wieder und habe auch nicht gut gespielt, und dennoch war es der schönste Moment. Ich habe mir damals gesagt: Der lange Weg hat sich ausgezahlt, dieses eine Bundesliga-Spiel kann Dir niemand mehr nehmen.

Und aus Deiner Akademie-Zeit?

Ich denke gerne an das Halbfinale der Deutschen U17-Meisterschaft zurück, das wir beim 1.FC Köln 2:3 verloren haben. Das war das erste Mal, dass ich auf Vereinsebene vor einer größeren Kulisse gespielt und auch ein Tor geschossen habe. Und ich erinnere mich noch gut, als Alexander Rosen und Julian Nagelsmann am letzten Spieltag 2011/12 das Traineramt übernommen und wir mit der U19 gerade noch den Bundesliga-Abstieg verhindert haben. Leider habe ich in der Akademie keine Titel gewonnen, aber aus meinem Jahrgang haben es trotzdem viele Jungs in den Profibereich geschafft.

Mit wem bist Du noch in Kontakt?

Mit vielen Leuten Kontakt zu halten, ist mir sehr wichtig, aber in diesem Umfeld schwierig. Wenn wir in Sinsheim spielen, schaue ich immer gerne in der Kabine vorbei und unterhalte mich mit Otmar Rösch (Athletiktrainer, Anm. d. Red.), Manuel Kreuzberger oder Peter Geigle (beide Physiotherapeuten, Anm. d. Red.). Von meinen ehemaligen Hoffenheimer Teamkollegen habe ich noch zu Jeremy Toljan einen sehr engen Draht.

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