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AKADEMIE
16.04.2019

Ilay Elmkies über die Kraft des Fußballs gegen Ausgrenzung

Dass Ilay Elmkies nicht nur ein hervorragender Fußballer, sondern auch ein starker Botschafter ist, bewies der U19-Spieler der TSG Hoffenheim eindrucksvoll bei einer Veranstaltung in Bad Schönborn. Auf Einladung des Vereins „Lernort Zivilcourage und Widerstand“ (LZW) beantwortete der 19-Jährige Fragen der Judaistin Dr. Esther Graf und beeindruckte die vielen Besucher mit seinem sympathischen Auftreten.

Das Setting passte perfekt. Die Veranstaltung ging nämlich in der Aula der Michael-Ende-Schule über die Bühne. Der 1995 gestorbene deutsche Schriftsteller hatte sich in seinen Kinderbüchern (u.a. „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“) indirekt mit der Rassenpolitik des Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Und genau darum ging es an diesem Abend. Der 2012 gegründete gemeinnützige Verein „Lernort Zivilcourage und Widerstand“ hat sich das Motto „Geschichte begreifen – Demokratie erleben“ auf die Fahnen geschrieben und Elmkies eingeladen, über seine Erfahrungen zum Thema „Die Kraft des Fußballs im Kampf gegen Ausgrenzung“ zu sprechen.

Der in Israel geborene und aufgewachsene Elmkies hatte in dem im Juni 2018 erschienenen Centropa-Film „Zahor – Erinnere Dich!“, der die Geschichte der aus Hoffenheim vertriebenen Brüder Menachem Mayer und Fred Raymes aufarbeitet, als Darsteller und Sprecher mitgewirkt und wurde von einigen Ehrengästen an diesem Abend mit Spannung erwartet. Der Kontakt zu den Filmemachern vom „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ war über Elmkies‘ Geschichtslehrer Michael Heitz entstanden, der die Dreharbeiten mit dem Team von „Anpfiff ins Leben“ und der TSG Akademie begleitete.

Nach den Grußworten von Bad Schönborns Bürgermeister Klaus Detlev Huge und der LZW-Vorsitzenden Angelika Messmer hielt die Kulturhistorikerin und Judaistin Dr. Esther Graf einen interessanten Vortrag über die jüdischen Einflüsse in der deutschen Fußballgeschichte und die Untaten der Nationalsozialisten, die etwa den früheren Nationalspieler Julius Hirsch im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten, den ungarischen Trainer des 1.FC Nürnberg Jenő Konrád als „missratene Gestalt“ bezeichneten oder den FC Bayern München wegen seines jüdischen Präsidenten Kurt Landauer als „Judenclub“ diskreditierten. Dr. Grafs Vortrag stand unter dem Titel „Rausgekickt: Beteiligung und Ausgrenzung im deutschen Fußball“ und ebnete den Weg für das anschließende Gespräch, das sie mit Elmkies führte.

Einer für alle, alle für einen?

„In der TSG Akademie sind Spieler aus zwölf Nationen. Alle sind hier super aufgenommen worden“, so Elmkies, der über den Fußball den Zugang zu einer neuen Sprache und Kultur sowie zu einem Land fand, dessen Geschichte in Bezug auf seine Heimat sehr problembehaftet ist. „Für die jungen Menschen ist dieses Thema nicht so präsent wie für die älteren Generationen, in meinem Leben gibt es weder Anfeindungen gegen mich wegen meiner Herkunft noch habe ich Ressentiments für Dinge, die vor über 70 Jahren passiert sind. Dennoch sollten wir alle unseren Beitrag leisten, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät“, sagte Elmkies am Rande der Veranstaltung, zu der zahlreiche Medienvertreter erschienen waren und auch der Sportliche Leiter von Makkabi Deutschland, Ariel Leibovici, aus Frankfurt angereist war.

Das Gespräch wurde unter dem Leitfaden „Einer für alle, alle für einen?“ geführt und nach 20 Minuten unter der Moderation des TSG-Stadionsprechers Mike Diehl von der Bühne auf die Sitzreihen ausgedehnt. Was ihm denn an Deutschland am meisten beeindrucke, wollte beispielsweise ein Besucher wissen. „Die Professionalität“, antwortete Elmkies schlagfertig. Und er verriet während der lockeren Fragerunde, dass er besonders die „Entspanntheit“ der Deutschen schätze.

Elmkies wurde schließlich mit einem kleinen Präsent verabschiedet und stand im inoffiziellen Teil noch für Fotos und weitere Fragen zur Verfügung. Die LZW-Vorsitzende Angelika Messmer bedankte sich vielmals beim TSG-Spieler für dessen Engagement und schloss mit den Worten: „Der Fußball ist der Schlüssel zu einer weltoffenen, toleranten und vielfältigen Gesellschaft und somit ein Friedens- und Demokratiestifter.“

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