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SPIELFELD
22.01.2019

Geiger: "Ich weiß, was ich kann"

Dennis Geiger (20) zog sich im März einen Muskelbündelriss und einen Sehnenanriss im rechten Oberschenkel zu. Nach einem Rückschlag im Reha-Training verpasste er die restliche vergangene Saison sowie beinahe die komplette Hinrunde der aktuellen Spielzeit. Nun ist er wieder fit und spricht im Interview über die Gefühle während der Verletzungspause, die Spielpraxis bei der U23, das Champions-League-Spiel in Manchester und die Ziele in dieser Runde.

Dennis, Du hast neun Monate pausieren müssen. Nun bist Du wieder gesund in die Wintervorbereitung gestartet. Wie groß ist die Erleichterung? Inwieweit hat Dich diese Zwangspause aber auch verändert?

"Es war natürlich eine extrem lange und harte Zeit für mich. So lange nicht zu spielen, nicht mal trainieren zu können, das war schon extrem für den Kopf. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich ein anderer Mensch geworden bin, aber natürlich gehst du manche Sachen anders und bewusster an. Ich bin froh, dass ich wieder voll trainieren kann und dass es mir gut geht. Das Wichtigste 2019 ist für mich, dass ich einfach gesund bleibe, trainieren und spielen kann. Der Rest kommt von allein wieder zurück."

Hast Du denn nie gezweifelt?

"Ich war zu Zeiten der U19 auch schon einmal fünf Monate verletzt. Das war extrem bitter, auch wenn man es nicht vergleichen kann, weil es noch bei den Junioren war. Aber seither weiß ich, dass ich nach einer langen Pause ebenso stark wieder zurückgekommen bin und das werde ich jetzt auch wieder machen. Du darfst in solchen Momenten nicht allzu negativ denken. Du musst immer positiv bleiben."

Du hattest damals eine Schambeinentzündung. Auch eine komplizierte Verletzung, bei der nie ganz klar ist, wie lange es dauert bis zur vollständigen Genesung. 

"Das ist ja grundsätzlich das Bittere. Wenn du dir ein Bein brichst, weißt du genau, dass du eine bestimmte Anzahl an Wochen raus bist, aber danach ist wieder alles gut. Hier nicht. Im vergangenen Jahr war es so wie bei der Schambeinverletzung. Nach einer bestimmten Zeit hatte ich eigentlich keine Schmerzen mehr, aber es war eben innen drin noch nicht gut. Ich war noch nicht so weit."

"Es war nicht einfach für mich"

Dabei hattest Du ja fest geplant, zu Saisonbeginn wieder voll einzusteigen.

"Ich hatte sogar gedacht, dass ich am 34. Spieltag vielleicht noch spielen kann, und spätestens zur Vorbereitung im Sommer zu einhundert Prozent fit bin und dann angreifen kann. Durch den Rückschlag im Reha-Training war es dann unumgänglich, bis zum Spätherbst zu warten. Wenn man von zwei bis drei Monaten Pause ausgeht, es am Ende aber neun werden, dann ist das wahnsinnig brutal. Der Rückschlag war nochmal das I-Tüpfelchen auf die Verletzung. Es war nicht einfach für mich, aber jetzt bin ich fit."

Wie wichtig war es für Dich, in der Regionalliga bei der U23 wieder Spielpraxis zu sammeln?

"Es war vor allem wichtig für den Kopf. Für mich selbst zu sehen, dass alles hält, wenn ich eine Bewegung mache, die ich sonst im Training nicht mache. Natürlich ist man etwas vorsichtiger, wenn etwas zwickt, aber das wurde auch gut gesteuert von unseren Physiotherapeuten und Athletik-Trainern. Die Spiele mit der U23 haben dann die Gewissheit gebracht: Alles passt. Es kann wieder losgehen."

Aber Du hörst jetzt schon stärker in Deinen Körper hinein?

"Definitiv. Hätte ich vor der Partie gegen Wolfsburg (in der er sich verletzte; d. Red.) schon Erfahrungen mit Muskelverletzungen gehabt, hätte ich dort gar nicht erst gespielt. Aber danach ist man immer schlauer. Ich habe daraus gelernt, besser auf meinen Körper zu hören. Lieber einmal 90 Minuten pausieren als 277 Tage."

"Manchester war ein Highlight für mich"

Wie wichtig war dann für Dich das Manchester-Spiel? Dieses Gefühl auf der höchsten europäischen Bühne spielen zu dürfen?

"Ich würde es als Belohnung des Trainers werten für die Leistungen der vergangenen Saison. Dass der Coach Nadiem (Amiri; d. Red.) und mir die Möglichkeit gegeben hat, in der Champions League zu spielen und dann auch noch im Spiel bei Manchester City, war natürlich ein Highlight für mich. Obwohl ich damals natürlich noch nicht bei 100 Prozent war. Aber solche Einsätze sind wahnsinnig gut, für das eigene Spiel, die Wettkampfpraxis, aber auch für den Kopf. Daher war das eine super Aktion."

So gesehen war die Partie in Manchester quasi eine Art Neustart. Dein Stern ist im August 2017 für Außenstehende beim Liverpool-Spiel an der Anfield Road aufgegangen, wo Du in der Startelf standst. Jetzt musst Du wieder von vorn beginnen.

"Nein, ich fange ja auf keinen Fall wieder bei null an. Ich weiß, was ich kann, wenn ich fit bin. Und der Trainer weiß es auch. Der Coach, der ganze Klub hat mir auch schon in der Vergangenheit immer das Vertrauen geschenkt, den Rücken gestärkt. Wenn ich zu 100 Prozent fit bin, dann bin ich mir sicher, dass ich in der Rückrunde meine Spiele machen werde."

Auf welcher Position?

"Das ist mir, um es vornehm auszudrücken, vollkommen egal. Hauptsache, ich mache meine Spiele." 

"Wir könnten viel besser stehen"

Was traust Du der gesamten Mannschaft in der Rückrunde zu? Man hat als Spieler ja einen anderen Blick, wenn man solange raus ist.

"Ich denke, dass wir viel besser stehen könnten, als wir es im Moment tun. Wir haben richtig viele Punkte in der Hinrunde verschenkt. Wir haben Spiele unentschieden gespielt oder sogar verloren, die wir vom Spielverlauf und den Chancen betrachtet mit zwei oder drei Toren Unterschied gewinnen mussten. Ich glaube, kein anderes Team außer Borussia Dortmund hat in der Hinrunde mehr Chancen herausgespielt als wir. Wenn man sieht, mit wieviel Aufwand wir spielen und mit wieviel Aufwand der Gegner spielt, dann ist es bitter gewesen, wie wir Punkte verschenkt haben. Es muss unser Anspruch sein, dass wir das in der Rückrunde besser machen. Und wenn uns das gelingt, dann kommen wir auch unter die ersten Vier."

Es spricht für Eure Entwicklung, dass Ihr so mutig, so selbstbewusst seid.

"Wenn man zwei Jahre nacheinander unter die ersten Vier kommt, dann darf man ruhig den Anspruch haben, es auch in diesem Jahr zu schaffen. Erst recht, wenn man sieht, wie wir Fußball spielen."

Weil nur Nuancen fehlen zum Erfolg?

"Es geht schlicht um Effektivität. Es könnten ja auch mal vier Chancen reichen, um ein Tor zu erzielen. Es müssen nicht immer sieben sein. Das ist natürlich besser, als wenn man sich gar keine Chancen herausspielt und nicht weiß woran es liegt. Das ist eigentlich einfacher hinzukriegen, als besser spielen zu müssen."

Ist die Qualifikation für die Champions League in dieser Saison nochmal ein besonderer Anreiz und Motivation, weil Du in dieser Saison nur das eine Spiel bestritten hast?

"Jeder Spieler würde gerne in die Champions League. Wir wollen es als Mannschaft erreichen und nicht, weil ich diese Saison nur ein Spiel in dem Wettbewerb gemacht habe. Es ist natürlich immer toll, in der Champions League zu spielen. Ich bin aber erst 20 und habe hoffentlich noch mehr als zehn Jahre, um meine Ziele zu erreichen."

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