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14.06.2018

#TSG10 | Sejad Salihovic: "Hier ist mein Zuhause"

30 Spiele in der Regionalliga, 19 Einsätze im DFB-Pokal, 27 Partien in der 2. Bundesliga und 171 Mal das blau-weiße Trikot der TSG Hoffenheim in der ersten Liga übergestreift: Kein anderer Profi bestritt mehr Partien für "Hoffe" als Sejad Salihovic. Im Rahmen von #TSG10 erinnert sich der Bosnier für achtzehn99.de an neun bewegende Jahre bei der TSG zurück.

Hallo Sejad. Wie blickst du auf deine Zeit in Hoffenheim zurück?

Sejad Salihovic: „Es war eine positive Zeit, wir haben große Erfolge zusammen gefeiert. Dazu kommt, dass ich viele Freunde gewonnen und mich hier immer wohlgefühlt habe. Ich kann schon sagen, dass das die emotionalste Zeit in meinem Leben war.“ 

Was wusstest du vorher über Hoffenheim? 

Salihovic: „Ehrlich gesagt habe ich im Vorfeld nie viel gehört von Hoffenheim. Ich hatte mich damals in Berlin nicht mehr wohlgefühlt. In der Zeit hat Ralf Rangnick angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, zur TSG zu wechseln. Ich wusste nicht, wo Hoffenheim liegt, wusste nur, dass es irgendwo in der Nähe von Stuttgart ist.“ 

Was war damals euer Erfolgsgeheimnis? 

Salihovic: „Unsere Philosophie, dass kein Spieler über dem Verein steht, der Team-Spirit war das wichtigste. Wir hatten immer eine gute Stimmung und Spaß. Nur so kann man Erfolg haben. Schon in der zweiten Liga hatte keiner erwartet, dass wir so erfolgreich sind. Für uns Spieler war das eine Herausforderung und wir haben sie gemeinsam angenommen. Wir waren alle topfit, das war die Grundlage. Durch den Erfolg kam das Selbstvertrauen. So haben wir zum Teil unglaublichen Fußball gespielt und die Leute begeistert.“

Ein Highlight war sicherlich das erste Gastspiel beim FC Bayern als Tabellenführer…

Salihovic: „Die ganze Welt hat auf das Spiel geschaut. Im Vorfeld gab es ein paar Sticheleien – das gehört alles dazu im Fußball. Wir haben die Partie am Ende unglücklich verloren, trotzdem ist das ein Spiel, das man nicht vergisst.“

Stichwort: Unvergesslich. Das war auch die Rettung vor dem Abstieg im letzten Spiel in Dortmund.

Salihovic: „Das war einer der wichtigsten Momente in meiner Karriere. Wir waren ja schon abgeschrieben und hatten eigentlich keine Chance, in der Liga zu bleiben. Aber wir haben uns nie aufgegeben. Dann fiel das 1:0 für den BVB nach sechs Minuten. Vom Spielverlauf her hätte der BVB auch irgendwann 5:0 führen können. Obwohl sie eine Woche später das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern gespielt haben, haben sie in voller Besetzung gespielt. Wir haben dann als Mannschaft Stärke bewiesen und das Unmögliche möglich gemacht. Mir war dann auch klar, dass wir mit diesem Aufwind auch die Relegation gewinnen.“ 

Deine beiden Elfmeter waren entscheidend, um die Relegation zu erreichen. Wie nervös warst du vor der Ausführung? 

Salihovic: „Ich hatte vorher schon viele Elfmeter geschossen und denke nie viel nach am Punkt. Ich wusste, dass ich die reinhauen muss und habe geschossen wie immer. Etwas Aufregung war schon dabei und beim zweiten Elfmeter musste ja auch noch ein Feldspieler vom BVB ins Tor, das war schon kurios. Ehrlich gesagt habe ich Kevin Großkreutz zuerst gar nicht wahrgenommen und sehe plötzlich, dass er sich das Torwarttrikot überzieht. Ich habe mich beim Elfmeterschießen oft für die Mitte entschieden, weil die wenigsten Torhüter stehenblieben. Großkreutz hat noch versucht, mich zu irritieren, indem er auf der Linie hin- und her gesprungen ist. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, in die Mitte zu schießen.“ 

Kannst du uns eine Anekdote aus deiner Zeit verraten, die bisher geheim geblieben ist?

Salihovic: „Vor unserem 5:0-Auswärtssieg in Berlin haben Sven Schipplock und ich beide nicht damit gerechnet, in der Startelf zu stehen. Auf dem Hotelzimmer haben wir also bis 1 Uhr nachts Playstation gespielt. Es hat auch keiner mit uns im Vorfeld gesprochen, sodass wir fest davon ausgegangen sind, auf der Bank zu sitzen. In der Mannschaftssitzung hat der Trainer dann das Blatt mit den Namen der ersten Elf umgedreht: Sven und ich wurden von Anfang an aufgestellt. Wir dachten ‚Oh Gott wären wir nur besser schlafen gegangen‘. (lacht) Zum Glück haben wir beide Tore und Assists zum höchsten Auswärtssieg in unserer Geschichte beigesteuert.“

Die Fans haben damals unter anderem auch deine Vereinstreue sehr geschätzt. Hattest du nie den Wunsch, zu einem anderen Verein zu wechseln?

Salihovic: „Meine Familie ist mir immer das Wichtigste, deshalb habe ich auch viele Angebote ausgeschlagen. Wir waren immer glücklich hier und es gab nie einen Grund, den Verein zu wechseln. Mir ist es stets leicht gefallen, meine Verträge zu verlängern und ich bin der TSG sehr dankbar. Hierher zu kommen, war der wichtigste Schritt in meinem Leben und ich empfinde große Dankbarkeit, was ich dem Verein immer zeigen wollte.“

Was hast du an der TSG so geschätzt?

Salihovic: „Es ist ein großer Vorteil, hier seine Ruhe zu haben, um sich zu entwickeln und an seinen Zielen zu arbeiten. Außerdem halten die Menschen bei der TSG zusammen, das ist das Wichtigste hier. Es ging schnell bergauf und der Erfolg hat den hier arbeitenden Menschen Recht gegeben. Unser Zeugwart Heinz Seyfert war zum Beispiel immer eine wichtige Bezugsperson für mich. Ich habe riesen Respekt davor, was er für die Jungs tut. Er ist eine Legende, auch wenn ich mir manchmal Mühe geben musste, seinen Dialekt zu verstehen.“ (lacht)

Wie sieht deine persönliche Zukunft aus?

Salihovic: „Ich will noch ein oder zwei Jahre Fußball spielen und dann mit Dietmar Hopp sprechen, was bei der TSG möglich ist. Hier ist mein Zuhause.“

 

Am 16. August 2008 hat die TSG Hoffenheim ihr erstes Kapitel in der Bundesliga geschrieben. Auf achtzehn99.de, TSG.TV und unseren Social-Media-Kanälen blicken wir aktuell mit dem Hashtag #TSG10 auf die vergangenen zehn Jahre zurück. 

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