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AKADEMIE
29.11.2017

Die Çalhanoğlu-Brüder: Endlich wieder vereint

Seit sie gemeinsam mit dem Fußballspielen begonnen haben, sind Kerim und Turan Çalhanoğlu eigentlich unzertrennlich. Doch vergangene Saison spielten sie erstmals bei unterschiedlichen Vereinen, bevor sie nun wieder beide das gleiche Trikot tragen – das der TSG. Kerim bei der U16, Turan bei der U15. Dort verfolgen sie den Traum vom Profifußball und eifern damit ihrem prominenten Cousin Hakan nach.

Ungewohnt, fremd, irgendwie merkwürdig – so hat es sich für Turan Çalhanoğlu angefühlt, als er sich im Sommer 2016 plötzlich alleine in die Mannheimer Straßenbahnlinie 1 setzen musste, um vom Süden in den Norden der Quadratestadt zu kommen und beim SV Waldhof zu trainieren. „Das war ein komisches Gefühl, und ich fand es schon schade“, sagt der 14-Jährige.

Zuvor hatte Turan stets Seite an Seite mit seinem ein Jahr älteren Bruder Kerim gespielt. Erst im heimischen Hinterhof im Mannheimer Stadtteil Rheinau, wo beide im Alter von vier Jahren erstmals gegen den Ball traten, dann beim SC Pfingstberg-Hochstätt, beim VfL Kurpfalz Neckarau und schließlich beim SV Waldhof. Da Turans Talent früh erkannt wurde, spielte er stets bei den ein Jahr älteren Teams mit und war somit jeweils auch mit seinem Bruder in einer Mannschaft.

„Ich rede mit Turan über alles“

Dann wagte der große Bruder jedoch vor etwas mehr als einem Jahr den Schritt heraus aus Mannheim und hinein in das Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten. Als Neuzugang in der U15 der TSG hatte der älteste von insgesamt vier Brüdern anfangs allerdings ein paar Anlaufschwierigkeiten. Zwar kannte Kerim mit Erdem Özdemir, der ebenfalls aus Mannheim kommt, bereits einen seiner neuen Mitspieler, gewöhnungsbedürftig war für ihn die neue Situation dennoch. „Am Anfang war ich schon ein bisschen nervös, und auch sportlich habe ich gemerkt, dass es nun ernst wird. Die Konkurrenz war plötzlich viel stärker.“

Denn nun war Kerim nicht immer der Beste und auch nicht in jedem Spiel für die erste Elf gesetzt. Sein damaliger Trainer Wolfgang Heller deckte zudem die Schwachstellen des dynamischen Linksaußen auf: „Das war zuerst etwas schwierig für mich, aber jetzt bin ich dankbar dafür, denn ich merke, dass ich eine Entwicklung hinter mir habe und mich beispielsweise im defensiven Zweikampf stark verbessert habe.“ Auch für Danny Galm, seinen aktuellen Trainer in der U16, findet der Linksaußen nur lobende Worte: „Man kann mit ihm über alles reden, und außerdem lernt man taktisch und technisch sehr viel.“

Das erste Jahr ohne Turan an seiner Seite war auch für Kerim nicht einfach, denn sein „kleiner“ Bruder ist für den 15-Jährigen gleichzeitig der beste Freund. Beide besuchen die Konrad-Duden-Realschule in Mannheim und haben den gleichen Freundeskreis. „Ich rede mit Turan über alles, und obwohl wir so viel Zeit miteinander verbringen, sind wir nie genervt voneinander“, sagt Kerim. Häufiges Thema bei diesen Brüder-Gesprächen ist natürlich der Fußball. „Wir geben uns gegenseitig Tipps und motivieren den anderen."

Cousin Hakan als Freistoß-Vorbild

Doch nicht nur zwischen Kerim und Turan dreht sich vieles um den Sport, die ganze Familie Çalhanoğlu ist fußballbegeistert. Vater Kemalettin spielte einst selbst und schaffte es im Trikot des SV 98 Schwetzingen bis in die Oberliga. Bei Mutter Mürüvet war das Interesse zwar nicht von Anfang an da, nun ist sie aber genauso begeistert bei den Spielen ihrer Söhne dabei. Und auch die beiden jüngeren Brüder Tunahan (10) und Sirac (5) sind bereits im Verein aktiv. Vor allem Tunahan, der wie einst Kerim und Turan aktuell beim SC Pfingstberg-Hochstätt spielt, lässt schon ähnliches Talent erkennen – wenn nicht sogar mehr. „Er ist besser, als wir es in seinem Alter waren“, sagt Kerim nicht ohne Stolz.

Und dann ist da ja auch noch der Cousin der beiden TSG-Çalhanoğlus. Zwar bestehe zu Hakan, der aktuell für den AC Mailand aufläuft und bereits mehr als 30 Länderspiele für die türkische Nationalmannschaft absolviert hat, kaum Kontakt, doch dass es einer von ihnen bereits so weit geschafft hat, verrät doch einiges über das Talent in der Familie Çalhanoğlu. „Und als Freistoßschütze ist er auch mein Vorbild“, sagt Kerim, der wie Turan vor allem Cristiano Ronaldo bewundert.

Kerim bereits mit fünf Saisontoren

Es einmal in die Nationalmannschaft der Türkei zu schaffen, ist auch Kerims großes Ziel, während Turan eher von der deutschen Auswahl träumt. Beide sind in Deutschland geboren, auch ihre Mutter ist hier zur Welt gekommen. Die Verbindung zur Türkei ist trotzdem immer noch da. In der nordostanatolischen Stadt Bayburt liegen die Wurzeln der Familie, und dorthin reisen auch Kerim und Turan noch häufig. Kerim absolvierte auch bereits Länderspiele für die türkische U16-Nationalmannschaft, während Turan zuletzt bei einem Trainingslager der deutschen U15-Auswahl dabei war.

Auch bei der TSG läuft es für die beiden in dieser Saison richtig gut. Kerim spielt mit der U16 eine starke Runde und erzielte bereits fünf Treffer – vier davon in den vergangenen drei Spielen. Turan, der in der Abwehr und im Mittelfeld nahezu jede Position spielen kann, ist Teil der famosen U15, die alle ihre bisherigen 13 Saisonspiele gewann und mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze der C-Junioren-Regionalliga thront. „Wir werden deshalb aber nicht nachlassen“, betont der jüngere der beiden Çalhanoğlu-Brüder.

Dass Kerim und Turan nun nach einem Jahr Pause wieder im gleichen Klub spielen, macht sie sehr froh. Zwar sind ihre Fahrtwege zum Training jetzt länger als früher, doch sie sitzen nun wieder gemeinsam in den Bussen der Akademie – und nicht mehr alleine in der Straßenbahn.

 

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