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SPIELFELD
25.09.2017

Serge Gnabry - Lernen & begeistern

Er ist U21-Europameister und holte mit den deutschen Junioren bei Olympia 2016 die Silbermedaille nach einem grandiosen Finale gegen Brasilien im Maracana-Stadion. Doch seine größten Taten will Serge Gnabry in dieser Saison bei der TSG Hoffenheim vollbringen.

Um den Titel "Wunderkind" verliehen zu bekommen, muss man auch in England einiges leisten. Und so war die Bezeichnung der englischen Medien eine große Anerkennung für die Leistungen des damaligen Teenagers, die er für den FC Arsenal in der Premier League zeigte. Auch sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft im vorigen Herbst war spektakulär. Als Neuling, erst 21 Jahre alt, spielte er unbeschwert auf und erzielte drei Tore beim 8:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen San Marino in Serravalle. "Serge ist sehr schnell, hat einen guten Rhythmus und einen guten Abschluss", lobte Bundestrainer Joachim Löw den damaligen Debütanten – den er für die WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und Norwegen Anfang September erneut nominierte. Aufgrund einer Verletzung musste der Hoffenheimer die Länderspielreise aber absagen.

Dennoch ist er fest im Blick des Bundestrainers. Dabei hatte Gnabry es im November 2016 gar nicht glauben wollen, dass er zu den Auserwählten von Joachim Löw gehörte. "Ich musste kurz überlegen, ob das jetzt echt ist oder nicht. Es gibt ja diese Jux-Anrufe vom Radio. Davon wollte ich kein Opfer werden", erzählte Gnabry später. Nun ist es sein Traum, im Sommer 2018 zu den 23 Spielern zu gehören, die Löw für die WM in Russland nominiert. Und der Start in Hoffenheim zeigt, dass der eingeschlagene Weg für alle Beteiligten vielversprechend ist. Die Herausforderung im Kraichgau hat er bewusst gesucht. Gnabry wünschte sich nach seinem Wechsel von Bremen nach München die Ausleihe vom Rekordmeister ebenso so wie die TSG Hoffenheim. "Das war meine Entscheidung, genauso habe ich das gewollt", erklärt Gnabry. Gelassen verfolgte er im Urlaub, den er nach dem Triumph bei der U21-Europameisterschaft genoss, wie sich die Vereine auf das Ausleihgeschäft einigten. "Ich habe versucht, zu der Sache Abstand zu halten. Die Erholung stand immer im Vordergrund."

"Viel Gutes aufgezeigt"

Voller Tatendrang stieß er schließlich im Trainingslager in Windischgarsten zu seinen neuen Kollegen. "Im ersten Gespräch hat Serge gleich gesagt, dass es sein Wunsch ist, dass er etwas lernen will bei uns. Er wünscht sich, dass man sich mit ihm beschäftigt und er auch theoretische Inhalte bekommt", gab Julian Nagelsmann den Kern des "Vorstellungsgesprächs" wieder.

Gnabry war zwar mit 17 Jahren der drittjüngste Profi nach den Topstars Jack Wilshere und Cesc Fabregas, der bei Arsenal in der Premier League debütierte, aber den fußballerischen Reifeprozess erhofft er sich nun in Hoffenheim. Seine Torgefährlichkeit, die Eigenschaft, mit schnellen Tempodribblings den möglichst direkten Weg zum gegnerischen Tor zu suchen, stellte er schon unter Beweis. In Extra-Schulungen im Trainingslager hatte Nagelsmann ihm schon gezielte Laufwege vermittelt. Gnabry mag den Nagelsmann-Fußball. Er betont, dass es die oft begeisternde Art und Weise war, mit der die TSG in die deutsche Spitze stürmte und sich für den Europapokal qualifizierte, die ihn überzeugt hatte. "Wie die Mannschaft letztes Jahr gespielt hat, da hat man einfach gesehen, was dahintersteckt. Jetzt erlebe ich im Training selber, wie viel sich individuell verbessern lässt. Das sind die Dinge, die ich mir vorher erhofft hatte", sagt Gnabry. "Julian hat mir schon in wenigen Wochen viel Gutes aufgezeigt. Es geht mir vor allem um taktische Dinge und Spielverständnis."

Hilfe von Özil & Mertesacker

In London hatte er einen furiosen Start hingelegt, nachdem er als 16-Jähriger vom VfB Stuttgart zu Arsenal gewechselt war. Chefcoach Arsene Wenger gab ihm mit 17 den ersten Profivertrag. "Von daheim wegzugehen, aus dem gewohnten Wohlfühlumfeld, war damals schon ein großer Schritt. Es war schwer in der Anfangszeit, aber ich wollte etwas Neues ausprobieren", sagt er rückblickend. "Fußballerisch war es großartig. Der Stil von Arsenal prägt einen, man ist es gewohnt, als Mannschaft viel Ballbesitz zu haben. Das ist für einen Offensivspieler wie mich top", sagt der flexible Angreifer. Links wie bei der TSG, rechts wie bei Arsenal, auch in der Mitte oder auf der Zehn wie in seinen sechs Jahren in der Jugend des VfB – Gnabry kann auf jeder Position für Gefahr sorgen.

Bei Arsenal gelang ihm trotz Wunderkind-Status nicht der erhoffte ganz große Durchbruch. Trainieren mit der ersten Mannschaft, spielen mit der Reserve, mal ein Kaderplatz im Profiteam – das war plötzlich sein Los im Jahr 2015 nach einer vorherigen Ausleihe zu West Bromwich. Aber Gnabry bekam viel Rückhalt von Per Mertesacker, Mesut Özil und zeitweise auch von Lukas Podolski, den bei Arsenal unter Vertrag stehenden deutschen Nationalspieler. "Mit ihrer Erfahrung haben sich Mesut und Per um mich gekümmert, mir Tipps gegeben und geholfen. Mit meinem 18 Jahren damals, als ich in die erste Mannschaft kam, konnte ich das genauso gut gebrauchen wie die jungen Spieler bei der TSG, denen die Älteren zur Seite stehen."

Gefährlicher als in Bremen werden

Als U21-Nationalspieler stand er aber immer noch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hoch im Kurs. In den Plänen des damaligen Sportdirektors Hansi Flick und des Cheftrainers Horst Hrubesch war er eine feste Größe für die Olympischen Spiele in Brasilien. Und während dieser Zeit sprach er auch häufiger schon über Hoffenheim. Denn Jeremy Toljan ist sein bester Kumpel – beide teilten in Brasilien ein Zimmer und bewegen sich immer noch auf einer Wellenlänge. Insofern war es logisch, dass sich Gnabry zuerst bei Toljan einquartierte, als sie aus dem Trainingslager zurückkamen. WG reloaded, nur eben im Kraichgau statt nahe der Copacabana. Schließlich fand der Neuzugang aber eine Wohnung in Heidelberg.

Nun ist er wieder nahe an seine schwäbische Heimat gerückt. Denn Serge Gnabry wurde in Stuttgart geboren, in Weissach wuchs er auf, dort fing er beim TSV mit dem Fußball an und kam nach einigen anderen Stationen zum VfB Stuttgart. Die Eltern Birgit und Jean-Hermann, der von der Elfenbeinküste stammt, können jetzt wieder häufiger als früher die Spiele ihres Sohnes live sehen. Und sie dürfen viel erwarten: "Wir wollen die bestmögliche Saison abliefern. Wir müssen bestätigen, dass es im vergangenen Jahr nicht nur eine Glückssaison war. Wir wollen oben angreifen und das vor allem auch in den internationalen Spielen zeigen." Seine persönliche Zielsetzung ist es, neben der fußballerischen Weiterentwicklung möglichst viele Tore zu erzielen. "Je mehr es werden, desto besser ist es. Ich versuche die Torgefährlichkeit vom letzten Jahr noch weiter auszubauen. Ich nehme mir jeden Sommer vor, noch besser zu werden.“ Dann dürfen sich die TSG-Fans freuen: In der vorigen Saison schoss Gnabry in 27 Bundesligaspielen elf Tore.

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