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SPIELFELD
16.08.2017

Helfende Hände

Ob Bänderriss oder Muskelzerrung, Verletzungen gehören beim Fußball leider einfach dazu. Damit die Frauen und Juniorinnen im Leistungsbereich der TSG schnell wieder fit werden, kümmern sich neben zahlreichen Ärzten auch vier Physiotherapeuten um das Wohlergehen der Spielerinnen. Ein Knochenjob.

Es ist oft nur ein falscher Schritt oder ein unglücklicher Zweikampf. Wenn sich eine Spielerin der TSG im Spiel verletzt, macht sich Hendrik Wahl an der Seitenlinie schon bereit. Die Schiedsrichterin winkt ihn herein und der Physiotherapeut des Bundesligateams läuft mit großen Schritten aufs Feld. Wo tut es weh? Wie schlimm ist es? „Im Leistungssport muss man immer unter einem gewissen zeitlichen Druck arbeiten und Entscheidungen treffen, das macht riesigen Spaß“, betont er. „Man hat immer das Ziel, die Spielerinnen schnellstmöglich wieder fit zu machen.“

Seit acht Jahren betreut Hendrik Wahl die Spielerinnen der TSG als Physiotherapeut. Die erste Frauenmannschaft war damals gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen, als er sich nach seiner Weiterbildung zum Sportphysiotherapeuten am Förderzentrum der TSG vorstellte. „Die medizinische Abteilung steckte noch in Kinderschuhen und sollte aufgrund des sportlichen Aufstiegs ebenfalls mehr Struktur bekommen“, so Wahl. „Ich habe mir die Aufgaben damals dann mit einem Kollegen geteilt. Zwei Tage übernahm er, zwei Tage arbeitete ich.“

Großes Ärztenetzwerk

Mittlerweile hat sich die Anzahl der Physiotherapeuten verdoppelt. Damit ist gewährleistet, dass an jedem Wochentag mindestens ein Physiotherapeut insbesondere für Behandlungen der Spielerinnen aus dem Frauen-Mannschaften zur Verfügung steht. „Gerade bei Langzeitverletzten sind wir aber auf die Kooperation mit der achtzehn99 Reha angewiesen“, erklärt Wahl. „Bei schwereren Verletzungen ist es nicht mit einer halben Stunde Behandlung getan, da muss man auch mal zwei bis drei Stunden täglich mit den Spielerinnen zusammenarbeiten.“ Da eine solch intensive Betreuung am Förderzentrum nicht machbar ist, wird die Reha dann in Zuzenhausen vorgenommen.

Außerdem profitiert der Frauen-Bereich von dem über viele Jahre entstandenen Netzwerk aus Ärzten verschiedenster Fachbereiche. Im Universitätsklinikum Heidelberg haben die TSG-Frauen zudem mit Dr. Jutta Bletzer und Dr. Tilman Walker ihre zwei Mannschaftsärzte gefunden, die bei Verletzungen die ersten Ansprechpartner sind. Neben der Kommunikation mit den Ärzten gehört auch der Kontakt mit Gesundheitspartner adViva zum Aufgabengebiet von Hendrik Wahl: „Wir arbeiten sehr eng zusammen, stehen in ständiger Rücksprache und koordinieren beispielsweise die individuellen Bewegungsanalysen, deren Ergebnisse uns bei der Vorbeugung von Verletzungen helfen.“ Auch die Bestellungen von Material, die Abrechnungen, Krankmeldungen und Arztberichte gehören bei Wahl zum Alltag. „Für uns Physiotherapeuten geht es nicht immer nur darum, Verletzungen vorzubeugen oder bestmöglich zu versorgen“, ergänzt Jonathan Schulz, der sich seit 2014 bei der TSG insbesondere um die Betreuung des Zweitligateams, schmunzelnd. „Im Trainingslager springt man auch mal als Busfahrer oder Ersatztorhüter ein.“

Hohe Leidensfähigkeit

Für die Physiotherapeuten der Frauen- und Mädchenabteilung ist die TSG dennoch kein Vollzeitjob. Hendrik Wahl und seine drei Kollegen arbeiten zusätzlich in einer Praxis, erst am Nachmittag oder an den Wochenenden führt ihr Weg dann ans Förderzentrum oder auf die Sportplätze in ganz Deutschland. „Ich bin für die Spielerinnen in Notfällen trotzdem immer erreichbar, auch wenn ich eigentlich nicht im Dienst bin“, so Wahl. „Sie sollen sich gut aufgehoben fühlen.“  So muss er auch mal zu später Stunde noch die Abläufe für den nächsten Tag koordinieren oder den Spielerinnen Tipps zur Erstbehandlung geben. Ausgenutzt werde das Angebot der permanenten Erreichbarkeit eigentlich nie, betont der 34-Jährige, man müsse akzeptieren, dass man bei so einem Job viel mit nach Hause nehme.

Viele Verletzungen haben die vier Physiotherapeuten in ihrer Zeit bei der TSG schon betreut. Wenn Spielerinnen mit schweren Verletzungen und langen Fußball-Pausen kurz vor oder nach ihrem Comeback wieder durch Rückschläge zurückgeworfen werden, sei das hart, betont Physiotherapeut Jonathan Schulz. Johannes Föhrenbacher, der bereits seit vier Jahren die Spielerinnen der TSG behandelt und mit Celina Blaschke das Physio-Quartett der Frauenfußballerinnen komplettiert, ergänzt: „Wenn man selbst lang Fußball gespielt hat, leidet man oft mit. Gerade wenn es beispielsweise um Kreuzbandrisse geht.“ Oft sind es jedoch nur kleinere Blessuren, die sie auf den zwei Liegen im Physio-Raum am Förderzentrum behandeln müssen. „Im Frauenbereich sind Sprunggelenksverletzungen am häufigsten“, erklärt Hendrik Wahl. „Dafür gibt es weniger Muskelverletzungen als bei den Männern. Insgesamt bringen die Spielerinnen eine extrem hohe Leidensfähigkeit und Professionalität mit.“

"Die beste Bezahlung ist die Wertschätzung"

Beim großen Ehrgeiz der Frauen und Mädchen, so schnell es geht wieder mit dem Ball am Fuß auf dem Platz zu stehen, muss Hendrik Wahl sogar meist gegensteuern. Umso dankbarer sind dann diejenigen, die durch die gewissenhafte Arbeit der Physiotherapeuten Verletzungen auskurieren und ohne Schmerzen trainieren und spielen können. „Die beste Bezahlung ist die Wertschätzung“, betont Wahl. „Man investiert viel Zeit, gewinnt und verliert mit der Mannschaft, das macht niemand von uns Physiotherapeuten ohne Herzblut.“

 

 

 

 

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