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SPIELFELD
13.09.2016

eSports? Nur nach unseren Regeln

Die virtuelle Spielewelt ist längst keine Randerscheinung mehr. Weltweit gibt es mehr als 1,7 Milliarden Spieler, im Jahr 2014 waren 89 Millionen davon eSportler. Inzwischen haben erste Bundesligisten eigene Teams aufgebaut. Im Interview erklärt unser Psychologe Prof. Dr. Jan Mayer, wie sich Hoffenheim in der Frage des "Gaming" positioniert.

Herr Mayer, wie ist der Status Quo in der Bundesliga beim Thema eSports?

Jan Mayer: Derzeit beschäftigen sich viele Bundesligisten mit der Frage, wie mit dem Trend eSports umzugehen ist. Ist es eine Chance, sich dort zu engagieren wie zum Beispiel der VfL Wolfsburg, der 2015 ein eigenes FIFA eSports-Team gründete oder auch der FC Schalke 04, der 2016 ein League-of-Legends-eSports-Team kaufte? Das Argument, warum sich Vereine auf eSports einlassen, hat Klaus Allofs recht klar formuliert. Der Geschäftsführer Sport und Kommunikation der Wolfsburger sieht ein Ziel des Engagements darin, wie er wörtlich sagte, die Verbindung zwischen realem und digitalem Fußball herzustellen.

Wie stellt sich die TSG Hoffenheim zu diesem Trend? Könnte es bald ein eSports-Team unter dem TSG-Label geben, das in der FIFA Bundesliga startet?

Mayer: Wir haben uns auf eine klare Position festgelegt, dass eSports in dieser Form für uns kein Betätigungsfeld und kein Angebot an Kinder und Jugendliche sein wird. Die TSG Hoffenheim will durch Sport, durch Fußball die jungen Menschen erreichen und sie überzeugen. Anders gesagt, bei der TSG sollen mehr als nur zwei Daumen und die Finger bewegt werden, um zu einem Erfolgserlebnis zu kommen.

Nun kann das Spielen von FIFA 16, der aktuellen Ausgabe dieses millionenfach verkauften Videospiels, ja nicht wirklich etwas Schlechtes sein. Warum möchte die TSG keine puren Gamer anlocken?

Mayer: Es wird ja nicht nur FIFA 16 oder die früheren Versionen gespielt. eSports wird derzeit dominiert von Battle- und Ego-Shooter-Videospielen. Und diese sind nach Auffassung der TSG Hoffenheim weder mit dem Selbstverständnis des Klubs noch mit der eigenen Ausbildungsphilosophie sowie der Philosophie kooperierender Organisationen wie 'Anpfiff ins Leben' zu vereinbaren. Um es ganz deutlich zu sagen: Wir wollen nicht systematisch in einen Sporttrend investieren, von dem zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, dass er Jugendliche aggressiv macht und ein emotionales Abstumpfen begünstigt.

Sie führen damit die Auswüchse des Trends an. Aber gibt es denn nicht durchaus Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass eSports positive Effekte haben kann?

Mayer: Deswegen spielt Gaming bei der TSG Hoffenheim auch eine bedeutende Rolle in der Ausbildung von jugendlichen Fußballspielern. Allerdings mit einem fast gegensätzlichen Ansatz, dem andere folgen. Das Gemeinsame liegt darin, dass beim eSports kognitive Fähigkeiten ausschlaggebend sind. Zu diesen Exekutivfunktionen, wie man sie nennt, zählen Wissenschaftler unter anderem die kognitive Flexibilität und die Reaktionsschnelligkeit sowie andere Fähigkeiten, die auch im modernen Fußball zu immer wichtigeren Komponenten für die sportliche Leistung werden.

Das heißt, bei der TSG werden Elemente von eSports bzw. verwandte Techniken eingesetzt, um die Spieler zu verbessern?

Mayer: Das machen wir schon länger. Bei der TSG sollen die Spieler ja nicht nur körperlich fit gehalten werden, sie trainieren auch ihre Exekutivfunktionen, sie absolvieren regelmäßig Gehirntraining. Wir haben mit unserem Innovationspartner SAP eine App entwickelt, die eine Gaming-Variante einschließt, mit der kognitive Fähigkeiten durch Training gezielt verbessert werden können. Das ist von großer Bedeutung, denn das echte Fußballspiel wird immer schneller. Wir wissen ja aus zahlreichen Studien zum Thema Video Game Play, dass sich unter anderem die Reaktionszeiten, die Arbeitsgeschwindigkeit, die visuelle Aufmerksamkeit und das Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben durch Spielen verbessern lassen.

Bei der TSG werden junge Menschen zu Fußballern ausgebildet und als ein Nebeneffekt des umfassenden Gehirntrainings können sie auch zu guten eSportler werden?

Mayer: Durchaus. Es könnte tatsächlich sein, dass unsere Jugendlichen sich auch zu guten Gamern entwickeln. Das interessiert uns aber weniger. Uns interessiert, dass sie schneller im Kopf werden und damit eine weitere Kompetenz entwickeln, um möglichst erfolgreich Fußball zu spielen.

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