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SPIELFELD
26.05.2016

Mike Diehl - Die Stimme der TSG

Er ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der TSG. Seine markante Stimme haben schon viele Millionen Menschen gehört, sein Charakterkopf fehlte seit 2005 bei keinem Heimspiel. Die Rede ist von Mike Diehl, dem Stadionsprecher und Leiter der Abteilung Fanwesen bei der TSG.

Der 52-Jährige ist ein Urgestein von Radio Regenbogen, dem Partner der TSG. Als Moderator schuf er sich dort einen Namen über die Grenzen von Kraichgau und Kurpfalz hinaus. Diehl sorgt für Stimmung in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena. "Es macht mir tierisch Spaß", sagt er. "Ich freue mich auf jedes Spiel und dass ich privilegiert bin, es machen zu dürfen." Dabei ist er selbst einer der treuesten Fans des Klubs.

"Ich kann vor Spielen nicht richtig schlafen, weil ich so aufgeregt bin. Aber nicht wegen meiner Moderation, sondern weil ich seit Jahren Hoffenheim-Fan mit Herz und Blut bin. Ich freue mich mit, ich leide mit. Wenn man im Fernsehen Shows moderiert hat oder auf einer Bühne vor einer Million Menschen stand, dann macht es einem nichts mehr aus, im Stadion zu 30.000 Leuten zu sprechen. Nur ein klein bisschen Lampenfieber hat man, das braucht man sogar, um selbst richtig in Stimmung zu kommen."

Mike Diehls Karriere begann vor mehr als 20 Jahren. Vielen Menschen in der Region ist er aus tausenden Sendungen als Regenbogen-Moderator bekannt. Auch bei hunderten Events, die der Mannheimer Sender in der Region durchführte, stand Diehl auf der Bühne. Im ZDF präsentierte er in der Sendung "Chart Attack" fünf Jahre lang die Musik-Stars der 90er Jahre. Bei einem Ereignis erreichte er sogar halb Deutschland.

"Ich war der Moderator, der in der ersten Sendung im neuen Jahrtausend für das ZDF aufgetreten ist, live aus Berlin von der Silvestershow '99/2000. Diese Nacht vor einer Million Menschen, das war imposant. Überragend."

Doch wie fand er dann eigentlich zur TSG, die damals noch in der Oberliga spielte? Bei der Eröffnung des Golf Clubs St. Leon-Rot im Jahr 1997 hatte er Dietmar Hopp kennengelernt. Man traf sich anschließend bei vielen Veranstaltungen in der Region, lernte sich näher kennen – und verstand sich gut.

"Irgendwann hat Herr Hopp mir erklärt, dass er aus Hoffenheim etwas Gescheites machen möchte, ein Stadion bauen, vielleicht Bundesliga-Fußball in der Region integrieren. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen, weil ich doch als bekannte Person viele Kontakte in der Region hätte. Zuerst habe ich nebenher weiter bei Radio Regenbogen moderiert. Später wurde es immer intensiver. Es hat einfach so gut gepasst, dass ich dann 2005 fest eingestiegen bin."

Mike Diehl hat aber nicht über die TSG zum Fußball gefunden, der Sport hat ihn schon immer gefesselt. Er ist Hesse, war Schulkamerad von Bruno Labbadia in Darmstadt. Den Aufbruch der TSG, die Blütezeit mit den drei Aufstiegen zwischen 2001 und 2008 erlebte er als echter Fußball-Liebhaber mit. Sein erstes TSG-Spiel sah er am 9. Juni 2001. Damals feierte das Team von Hansi Flick durch einen 3:0 Sieg beim VfR Heilbronn den Aufstieg in die Regionalliga Süd. Es war der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte.

"Als Junge habe ich im Stadion am Böllenfalltor die Bundesligaspiele der Lilien gesehen. Als ich klein war, war der Gladbacher Allan Simonsen mein Lieblingsspieler. Heute hänge ich als Fan an der TSG. Gerd Oswald von SAP, mit dem ich befreundet bin, hatte mich zum ersten Mal zu einem Heimspiel mitgenommen. Ich habe also die ganze Geschichte der TSG miterlebt. Der Fußball, den Hoffe spielt, hat mir immer schon gefallen. Und im Dietmar-Hopp-Stadion, oben auf dem Berg in Hoffenheim, herrschte oft eine tolle Atmosphäre."

Seit 2009 spielt die TSG standesgemäß in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena vor durchschnittlich 26.000 Zuschauern, aber angefangen hat alles recht bescheiden. In der Regionalliga, so erzählt Mike, standen bei den Heimspielen "30 Fans hinter dem Tor". Zum Konzept, hochklassigen Fußball in der Rhein-Neckar-Region zu integrieren, gehörte auch ein Plan, eine Fangemeinde aufzubauen. Mike Diehl, der Fanbeauftragte, schritt zur Tat.

"Ich habe auf einer Karte um Sinsheim herum Kreise von 15, 30 und 40 Kilometer gemacht und die Gemeinden, die darin lagen, angerufen: Hallo, hier ist Mike Diehl, dürfte ich mal den Bürgermeister sprechen? Dann habe ich jeden Mittwochabend woanders unser Konzept vorgestellt und Freikarten für die Regionalligaspiele verteilt. So fing es an."

Es wurde eine Erfolgsgeschichte, parallel zum großen sportlichen Aufschwung. Das damals neue Dietmar-Hopp-Stadion wurde zur besten Fußball-Adresse, die TSG bot als Regionalligist guten Fußball. Die Begeisterung für die Blauen aus Hoffenheim wuchs und wuchs.

"Es war urig, gemütlich bei den Heimspielen, es hatte Dorfcharakter, aber war professionell organisiert. In der Regionalliga hatten wir am Ende drei Fanclubs, nach nur einem Jahr in der zweiten Liga waren es schon 25."

Dann kam der 18. Mai 2008, der Aufstieg in die erste Bundesliga mit dem 5:0 gegen Fürth. Es war der größte Moment in der Geschichte der TSG – und auch für Mike Diehl das bis heute intensivste und schönste Erlebnis unter vielen anderen.

"Das habe ich alles in Trance miterlebt. Das Stadion in Hoffenheim war schon lange ausverkauft. Deswegen hatten wir die Messehalle in Sinsheim gemietet, um dort ein Public Viewing anzubieten. Wir dachten, es kommen 1.000 oder 2.000 Leute. Aber am Spieltag riefen die Kollegen aus der Halle an: 'Mike, hier kommen Leute, Leute, Leute.' Ich habe erwidert, das wäre doch wunderbar, es würden ja 10.000 Menschen reinpassen. Die Antwort war: Die Messehalle ist voll. Eine Stunde vor Spielbeginn waren da 10.000 Leute! Und das Stadion war mit 6.500 Fans auch voll besetzt. Dieses Spiel gegen Fürth, die riesige Euphorie in der ganzen Region, es war unglaublich. Das ist für mich bis heute das allergrößte Erlebnis mit der TSG."

Aber das großartige Aufstiegserlebnis vor acht Jahren war nicht alles. In der Bundesliga wirbelte Hoffenheim plötzlich die etablierten Klubs durcheinander. Nach der Hinrunde war das Team Herbstmeister. Die Euphorie war grenzenlos.

"Nach der Hinrunde 2008 hatten wir plötzlich 120 Fanclubs, das waren 90 mehr als ein halbes Jahr vorher. Das alles war schier nicht mehr zu packen. Die Mannschaft hat damals ein Tempo vorgegeben, dass die Mitarbeiter rundherum gar nicht standhalten konnten. Mit den Jahren aber haben wir im Fanwesen eine sehr anständige Basis geschaffen. Was heute bei uns in der Südkurve los ist, kann sich wirklich sehen lassen."

Die Arbeit mit den Fans ist eine Daueraufgabe. Respekt, Fairplay und Gewaltfreiheit sind der Maßstab. Ein Ziel der TSG ist es, die Zahl der Herzblut-Fans stetig zu vergrößern, aber dem Bemühen sind Grenzen gesetzt.

"Eine Fan-Basis aufzubauen dauert Jahre, man kann nichts künstlich erwirken. Mit dem achten Jahr Bundesliga sind wir für den deutschen Fußball noch ein Start-Up. Viele andere Vereine wie die Bayern, Gladbach oder Köln haben in unserer Region immer noch fast mehr Fans als wir. Ich habe es erlebt, dass Hoffenheim-Fans, wenn einer dieser Gegner kommt, ihr TSG-Trikot aus- und das Trikot des Gegners anziehen. Im nächsten Heimspiel sind sie wieder für Hoffenheim. Wir sind, im Profifußball, ein junger Club. Es dauert noch 15 Jahre, bis die Kinder, die jetzt sechs sind, als TSG-Herzblutfans den Kern bilden. So wie wir als Kinder in den 70ern die Gladbacher oder die Bayern im Herzen hatten. Aber insgesamt können wir zufrieden sein. Die Fangemeinde baut sich weiter auf, die Fans werden in sich emotionaler, als Einheit, als Gemeinschaft immer besser."

Nach dem Bundesliga-Aufstieg gab es zunächst echte Schockerlebnisse für die Fans. Sie bekamen zu spüren, dass das kleine, aufstrebende Hoffenheim für die Fanatiker im Umfeld anderer Clubs zum Roten Tuch geworden war.

"Es war unglaublich, wie wir beleidigt wurden die ersten ein, zwei Jahre. Das ist manchmal leider immer noch so. Unser Fanwesen besteht heute noch aus vielen Frauen, Kindern und älteren Leuten aus der Region. Wir sind zu den Auswärtsspielen gefahren, haben an nichts Böses gedacht und wurden plötzlich durch die Stadt gejagt. Wir wussten gar nicht, was da auf uns zukommt in der Bundesliga."

Die TSG-Fans und der Club stehen nicht allein vor dem Problem, massiven Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Der pöbelnde und aggressive Anhang weniger anderer Klubs macht Stimmung gegen jeden Gegner. Mike Diehl aber hat festgestellt, dass sich das Image der TSG insgesamt gebessert hat.

"Das Traditionsgebabbel werden wir uns immer wieder mal anhören müssen. Aber wir sind nun seit 2008 in der Bundesliga, kämpfen jetzt gegen den Abstieg und sind einmal fast abgestiegen. Wir werden langsam zu einem normalen Bundesliga-Verein. Ich glaube, das sehen die anderen Clubs auch so. Sie erkennen, dass wir nicht mit Millionen um uns werfen, sondern das wir gezielt auf die eigene Jugendarbeit bauen. Es gibt wenige Bundesligavereine, die im Moment so viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Kader haben wie Hoffenheim. Darauf können wir wirklich stolz sein."

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