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ALLGEMEIN
10.05.2012

„Wir wollen eine gute Adresse im deutschen Fußball sein“

Frank Briel ist seit 2006 bei der TSG 1899 Hoffenheim, hat die Aufstiege bis in die Bundesliga miterlebt und begleitet die Etablierung der TSG in der Bundesliga seit 2010 als Geschäftsführer für die Bereiche Finanzen und Organisation – kommissarisch derzeit auch im Bereich Sport. Mit ihm hat sich achtzehn99.de unterhalten – über die wirtschaftliche und personelle Entwicklung der TSG, über Preisentwicklungen in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena und über die Zukunft des Profifußballs im Kraichgau.

Herr Briel, die Zuschauerzahlen sind im Vergleich zur vergangenen Spielzeit leicht rückläufig. Sind Ihrer Meinung nach sportliche Gründe für den Rückgang verantwortlich? Und wie wollen Sie die Zuschauer wieder ins Stadion locken?

In erster Linie waren die sportliche Entwicklung im Allgemeinen und die Leistungsschwankungen unserer Mannschaft in den Heimspielen im Besonderen ausschlaggebend. Wahrscheinlich haben aber auch die personellen Umbrüche, die wir in der laufenden Saison durchgemacht haben, ihren Teil dazu beigetragen. Diese Phase haben wir aber nun hinter uns und sind gut aufgestellt für die Zukunft. Unsere Mannschaft fährt außerdem wieder positive Ergebnisse ein. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei den letzten beiden Heimspielen wieder eine gut gefüllte WIRSOL Rhein-Neckar-Arena erleben werden.

Werden sich die Ticketpreise in der neuen Saison verändern?

Nein, wir sind sehr froh, dass wir auch im fünften Bundesligajahr insbesondere für unsere Dauerkarteninhaber die Preise stabil halten können und keine Erhöhungen notwendig werden. Vielmehr werden durch die Einführung neuer Platzkategorien und zusätzlicher Rabatte für Kinder relative Vergünstigungen zum Vorjahr geschaffen. Bundesliga-Fußball in der Metropolregion bleibt bezahlbar.

Wird es neue Angebote im Bereich des Ticket-Verkaufs geben?

Ja, wir planen die Einführung weiterer vergünstigter Sitzplatzkategorien in den Kategorien 1 und 2, also im unteren Preissegment. Außerdem führen wir Kinderrabatte in sämtlichen Platzkategorien des Stadions ein, das war bislang nur im stark nachgefragten Familienblock der Fall.

Als Geschäftsführer für Finanzen, Organisation und Sport bei der TSG konnten Sie vor kurzem vermelden, die TSG habe ihre Verluste gesenkt. Sehen Sie einen Wendepunkt?

Wir sind dabei, unsere Betriebsergebnisse zu optimieren und einen wirtschaftlich vernünftigen Kurs zu fahren. Unser Ziel muss sein, die Vorgaben des UEFA Financial Fairplay zu erreichen. Allerdings ist das ein Prozess, der nicht immer linear in eine Richtung führen muss. Und er ist nicht zuletzt auch abhängig vom sportlichen Erfolg. Wir befi nden uns auf einem guten Weg, haben allerdings in den kommenden Jahren noch viel Arbeit vor uns.

Wie lange dauert es noch, ehe die TSG zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben wird?

Das wird sehr bald der Fall sein, denn wir werden aller Voraussicht nach bereits in der laufenden Saison 2011/2012 erstmalig ein positives Betriebsergebnis ausweisen. Dies ist aber vor allem der Erwirtschaftung außerordentlicher Transfererträge und der Optimierung der Personalkosten geschuldet. Zum jetzigen Zeitpunkt ein willkommener Ausreißer in einem sich bereits positiv abzeichnenden Trend. Unser übergeordnetes Ziel sind wie gesagt die Kriterien des UEFA Financial Fairplay, also unter Abzug der Aufwendungen für die Jugendarbeit und die Abschreibungen für Infrastruktur und Sachanlagen ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften. Dies steht naturgemäß in enger Verbindung mit unserer sportlichen Entwicklung. Die Wahrung der sportlichen Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Vernunft ist der Schlüssel für langfristigen Erfolg. Wir sind auf einem guten Weg und die künftig steigenden Einnahmen aus der Fernsehvermarktung werden uns dabei sicherlich helfen können.

Wie hat sich der Club aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?

Nach den zwei Aufstiegen in Folge und der furiosen Herbstmeisterschaft haben wir uns in der Bundesliga etabliert, aber wir können uns hierauf nicht ausruhen. Normalität gibt es in diesem Geschäft nicht. Jede Saison müssen wir uns als Unternehmen und Klub aufs Neue behaupten und den entscheidenden Tick besser sein als der ein oder andere Mitbewerber. Beruhigend ist allerdings, dass viele Prozesse im Hintergrund, also innerhalb des geschäftlichen Betriebs routinierter werden. Das hilft.

Die WIRSOL Rhein-Neckar-Arena war in dieser Saison zum 50. Mal Schauplatz eines Spiels der TSG. Wie fällt Ihr Fazit unabhängig von der sportlichen Situation aus? Hat die Region die Spielstätte angenommen?

Absolut. Wir haben eine Stadionauslastung von über 90 Prozent und bieten regelmäßig Spitzenfußball vor der Haustür. Die Arena ist eine der modernsten in ganz Europa. Diesen Komfort wissen die Menschen in der Region zu schätzen, regelmäßige Rückmeldungen von Zuschauern bestätigen dies auch.

Inwiefern kontrollieren Sie als derzeit kommissarischer „Geschäftsführer Sport“ den Trainer und Manager Markus Babbel?

Es geht im Grunde nicht um die Kontrolle sondern vielmehr um die Kooperation und Koordination. Alleine als Geschäftsführer Finanzen ist es vorrangig meine Aufgabe, ein Auge auf die wirtschaftlichen Daten des Klubs zu werfen. Dies erfolgte schon vor der Zeit von Markus Babbel in enger Abstimmung mit der sportlichen Abteilung. Daran hat sich nichts geändert. Kontrollorgan ist und bleibt der Gesellschafterausschuss, der unter Einbezug des Beirates sowohl meine als auch die Arbeit von Jochen Rotthaus und von Markus Babbel prüfend begleitet.

Inwieweit werden Investitionen von Herrn Babbel mit Ihnen abgesprochen?

Wie oben beschrieben. Im sportlichen Bereich hat Markus Babbel derzeit als Manager und Trainer das Sagen. Er sichtet Spieler und er macht Vorschläge zu möglichen Transfers. Die Entscheidungsgewalt im Rahmen des vorher genehmigten Budgets obliegt in finanziell minderschweren Fällen dem Manager und der Geschäftsführung gemeinsam. Wenn es um bestimmte Investitionsvolumen geht, erfolgt die Abstimmung zusammen mit den Gesellschaftern unter Einbezug des Beirates.

Sind Sie schon auf der Suche nach einem Nachfolger für den ehemaligen Manager Tanner?

Nein. Wir bleiben bei unserem Plan, jetzt zunächst einmal alle Konzentration dem erfolgreichen Ende dieser Saison zu widmen. Die Lösung mit Markus Babbel als Trainer und Manager in Personalunion funktioniert bislang sehr gut und macht glücklicherweise keinen Aktionismus notwendig. Für die anstehende Transferperiode ist Herr Babbel als Manager gesetzt und wird das Team für die nächste Saison zusammenstellen. Insofern haben wir keine Eile und werden uns dieser Personalie erst im Sommer widmen.

Markus Babbel hat bisher gestandene Spieler verpflichtet. Sind damit der Sparkurs und der selbst auferlegte Jugendstil schon wieder beendet?

Nein, denn erstens sind Stephan Schröck, Matthieu Delpierre und Tim Wiese ablösefrei zu uns gekommen. Nur für Eren Derdiyok mussten wir eine Ablösesumme entrichten. Schröck ist 25 Jahre alt und hat den Großteil seiner Karriere noch vor sich, gleiches gilt für Derdiyok, der noch zwei Jahre jünger ist. Dazu kommen mit Michael Gregoritsch und Kevin Volland zwei weitere Nachwuchstalente dazu. Markus Babbel sagt darüber hinaus und richtigerweise, dass wir erfahrene, gestandene Spieler brauchen, die dieses junge Team führen können.

Wo sehen Sie die TSG 1899 Hoffenheim in fünf Jahren?

Auf jeden Fall in der Fußball-Bundesliga. Und ich sehe einen Verein, der es geschafft hat, sich nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich zu etablieren und der von den Menschen respektiert wird – auch wenn sie nicht Fans der TSG Hoffenheim sind. Dafür arbeiten wir hier sehr hart und werden versuchen, in der kommenden Saison den nächsten Schritt zu machen.

Welche Kernaufgabe stellt sich in Ihren Augen einem modernen Fußballclub?

Ein moderner Fußballclub muss nach wie vor in erster Linie sportlich erfolgreich sein, um sich seine Anerkennung und einen exponierten Platz in der öffentlichen Meinung zu sichern. Darüber hinaus wird es wichtig sein, die Strukturen um den sportlichen Betrieb herum zu professionalisieren, so wie wir es hier in Hoffenheim machen. Es ist zu viel Geld im Spiel, zu viel Druck und zu viel Öffentlichkeit, um als Fußballbundesligaverein immer noch in alten Vereinsstrukturen zu denken. Dass wir gleichzeitig den Spagat schaffen müssen und wollen, unseren Fans nahe zu sein, glaubwürdig und authentisch, das ist eine der großen Aufgaben für die kommenden Jahre. Alles in allem: wir wollen eine gute Adresse im deutschen Fußball sein.

Was planen Sie im Sommer? Urlaub an der Nordsee oder schauen Sie sich Spiele der EM an?

Idealerweise beides.

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