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ALLGEMEIN
17.02.2012

„Jedem ist bewusst: Es geht um die TSG“

Viel wurde geschrieben in den letzten Wochen – über Transfers, Trainerwechsel und die Rolle von Dietmar Hopp bei der TSG. achtzehn99.de bemüht sich um Aufklärung und lud dafür drei der wichtigsten Entscheidungsträger zum Interview: Ernst Tanner, Manager und Geschäftsführer, Peter Hofmann, Präsident des Vereins und Dietmar Hopp, Gesellschafter und Vorsitzender des Beirats.

achtzehn99.de: Hallo Herr Tanner, Herr Hofmann und Herr Hopp. Wie waren die letzten Tage? Stressig?

Ernst Tanner: (lacht) All zu viel Schlaf habe ich die letzten Tage nicht bekommen. Aber so ist das in dem Geschäft in manchen Phasen eben.

Dietmar Hopp: Es waren schon aufregende Wochen mit vielen Sitzungen und Gesprächen bis in die Nacht hinein. Jetzt sollte langsam aber sicher wieder Ruhe einkehren.

Peter Hofmann: Ich kann mich den Beiden nur anschließen. Kaum war die Transferperiode vorbei, mussten wir uns mit dem Trainerwechsel auseinandersetzen. Die nächsten Wochen können wir uns hoffentlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren – nämlich den Fußball auf dem Platz.


achtzehn99.de: In den Medien wurde viel über eine Uneinigkeit zwischen Dietmar Hopp und Ernst Tanner diskutiert, vor allem beim Leihgeschäft von Srdjan Lakic. Es wurde außerdem der Anschein erweckt, Dietmar Hopp hätte sich in die operativen Geschäfte eingemischt. Wie war Ihr Eindruck?

Tanner: Wir haben uns, wie bei vielen anderen Dingen, auch beim Lakic-Transfer ausgetauscht. Es ist doch völlig normal, dass über eine so wichtige Personalie spricht. Und es ist auch normal, dass es im Spannungsfeld zwischen sportlicher und unternehmerischer Verantwortung immer mal wieder zu Diskussionen kommt. Im Endeffekt waren wir uns darüber einig, dass wir den Spieler haben wollten. Dietmar Hopps Ansicht hat aus vielen Gründen Gewicht, von einer Einmischung ins operative Geschäft kann aber keine Rede sein.

Hopp: Ich habe mich bis zum Jahr 2010 nicht um die Finanzen des Spielbetriebes gekümmert, sondern nur um die Infrastruktur wie Stadion, Trainingszentrum, Nachwuchsleistungszentrum etc. Das habe ich aus eigenen Mitteln finanziert. In meiner Doppelrolle als Gesellschafter und Vorsitzender des Beirats bringe ich mich auch bei Spielerinvestitionen ein, zumindest was deren Finanzierbarkeit angeht – schließlich geht es um mein Geld.. Mit Einflussnahme auf das operative Geschäft hat das nichts zu tun. Bei der Verpflichtung des Spielers Lakic war es mir wichtig, dass wir nach dem wohl unvermeidlichen Weggang von Vedad Ibisevic die sportliche Lücke einigermaßen schließen können. Gleichzeitig aber und vor dem Hintergrund unserer Bemühungen zur wirtschaftlichen Konsolidierung konnten wir kein zu hohes, finanzielles Risiko eingehen. Mit dem Leihgeschäft haben wir eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden.

achtzehn99.de: Das wurde in der öffentlichen Darstellung der Ereignisse allerdings anders transportiert…


Tanner: Es wurde und wird von der Öffentlichkeit und den Medien viel in die Aussagen der Verantwortlichen hinein interpretiert. Damit müssen wir leben. Intern darf und muss diskutiert werden, nach außen müssen wir unsere Worte zukünftig noch besser wählen. Es wird eben alles auf die Goldwaage gelegt. Das müssen wir beachten.


Hofmann: Es geht um die TSG 1899 Hoffenheim. Das ist jedem bewusst und das ist auch das Entscheidende. Eine gesunde, interne Diskussion ist in diesem Zusammenhang unerlässlich. Sie hilft der sportlichen Leitung, die richtigen
Entscheidungen zu treffen und so den Verein voranzubringen.

achtzehn99.de: In dem Zusammenhang wurde jüngst auch die Trennung von Trainer Holger Stanislawski heftig diskutiert. Vor allem die TSG-Fans sind mit dem Abschied von „Stani“ sehr unglücklich…


Hopp: Holger Stanislawski ist ein ganz besonderer Mensch und ein Typ, den ich sicher genau so mag, wie die Fans. Dem hohen Sympathiewert stand jedoch die Erkenntnis unserer sportlichen Führung entgegen, dass die sportliche Perspektive sehr düster zu beurteilen sei, mit deutlichen Hinweisen auf eine reale Abstiegsgefahr. Ich verstehe unsere Anhänger, die jetzt enttäuscht darüber sind, dass eine solche Identifikationsfigur den Club verlassen hat. Aber die Fans müssen auch den Verein verstehen, weil im Fall des Abstiegs keiner mehr nach Sympathiewerten gefragt hätte. Für alle Beteiligten war es schmerzvoll zu der Entscheidung zu kommen, dass wir den ‘undenkbaren Schritt‘ gehen sollten.


Tanner: Stani hat vieles richtig gemacht. Er hat seine Qualität als Trainer und ist ein besonderer Typ. Er war bei allen Mitarbeitern der TSG überaus beliebt, weil er generell jedem Menschen auf Augenhöhe gegenübertritt. Aber man muss die sportliche Bilanz nüchtern beurteilen. Er hat die Mannschaft nicht dazu bewegt, unsere Spiel-Philosophie umzusetzen. Vor allem die Partien nach dem sechsten Spieltag haben uns zunehmend vor Augen geführt, dass etwas nicht stimmt. Das war auch für die Fans im Stadion ersichtlich. Wir haben diese Situation bereits im Dezember analysiert und mit den Trainern darüber gesprochen. Aber es hat sich auch in der Rückrunde nicht gebessert. Und Stani selbst wirkte auf uns teilweise ratlos. Das hat zu einer frühen, aus unserer Sicht aber nicht zu frühen Entscheidung geführt.

achtzehn99.de: Verstehen Sie dennoch den Frust der Fans über Stanis Abschied und ihre Sorgen um den Verein insgesamt?

Tanner: Natürlich haben wir Verständnis für diese Sorgen, wissen aber auch, dass man als Fan eher auf die kurzfristige Lage als auf die langfristigen Aussichten achtet. Wir dagegen müssen auch die mittel- bis langfristigen Auswirkungen berücksichtigen. Viele unserer Entscheidungen zielen auf ihre langfristige Wirkung und waren absolut notwendig.


Hopp: Wir alle arbeiten daran, der TSG die Identität zu verschaffen, die wir alle wollen: ein bodenständiger, sympathischer Verein, der seinen Profikader möglichst mit eigenen, jungen Leuten speist und in dem soziale Verantwortung kein Fremdwort ist. Damit können auch die Fans etwas anfangen. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, was uns allen bewusst ist. Und natürlich wissen alle, dass uns Stani dabei sehr viel hätte helfen können. Wir werden dennoch unseren Weg weitergehen. Aber wir brauchen Zeit, vielleicht sogar viel Zeit, das muss uns allen klar sein. Wir können nur an die Geduld der Fans appellieren.

achtzehn99.de: Es heißt immer: „Wir haben die Entscheidung getroffen…“. Wer genau ist wir?

Tanner: „Wir“ bedeutet in diesen Fällen die sportliche Leitung, also vorrangig ich als Manager und Geschäftsführer für den Bereich Sport. In meiner Abteilung gibt es aber eine Reihe von Fachleuten, auf deren Meinung ich großen Wert lege. Dazu zählen Leute wie Bernhard Peters. Dazu kommt bei der Entscheidungsfindung der Beirat als Kontrollgremium sowie die beiden Gesellschafter Dietmar Hopp, der auch Vorsitzender des Beirats ist und Vereins-Präsident Peter Hofmann.

Hopp: Wir im Beirat haben die Aufgabe, wichtige Entscheidungen, sportlich wie wirtschaftlich, zu prüfen und gegebenenfalls Empfehlungen gegenüber der letztlich verantwortlichen, sportlichen Leitung auszusprechen. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist im Übrigen bei vielen anderen Unternehmen/Fußballvereinen genauso.

achtzehn99.de: Können Sie die Rolle des Beirats genauer beschreiben?

Hofmann: Der Beirat ist ein wirtschaftliches Kontrollgremium. Er steuert und kontrolliert die Geschäftsführung der Spielbetriebs-GmbH und überprüft die wirtschaftliche Tragfähigkeit ihrer Entscheidungen. Zusätzlich kommt ihm eine beratende Funktion zu. Die sportliche Gesamtleitung und das operative Tagesgeschäft obliegen dem Manager. Er trägt die Verantwortung für die Kaderplanung, das Scouting und die konzeptionelle Ausrichtung des Vereins.

achtzehn99.de: Neuer Trainer ist Markus Babbel. Was waren Ihre Anforderungsprofile und wie ist der erste Eindruck?

Tanner: Das Anforderungsprofil an unseren Cheftrainer hat sich nicht geändert. In Hoffenheim benötigen wir einen jungen, dynamischen Trainer, der die Sprache der jungen Leute spricht. Außerdem sollte er unsere Vorstellungen vom Spielsystem und die Philosophie, die hinter allem steht, teilen und repräsentieren können. Das ist bei Markus Babbel der Fall. Mit Rainer Widmayer haben wir außerdem einen Co-Trainer unter Vertrag nehmen können, der sich mit unseren Vorstellungen identifiziert und ein absoluter Fachmann in seinem Gebiet ist.

Hopp: Ich habe mich mit Markus Babbel ausführlich ausgetauscht, auch schon in seinem Arbeitszimmer im Trainingszentrum. Ich halte ihn für sympathisch, gradlinig und seriös. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und hat als Spieler und junger Trainer schon überzeugende Arbeit abgeliefert. Die Kombination mit seinem Co-Trainer Rainer Widmayer halte ich für ausgezeichnet, sie ergänzen sich sehr gut.

Hofmann: Ich schätze Markus Babbel als absoluten Fachmann, aber mir imponiert auch Co-Trainer Rainer Widmayer, der früher schon durch sehr gute Jugendarbeit beim VfB Stuttgart auf sich aufmerksam gemacht hat.

achtzehn99.de: Wo haben Sie das Spiel gegen Bremen verfolgt? Wie waren Ihre Eindrücke?

Tanner: Wie bei allen Bundesligaspielen dieser Saison habe ich auch in Bremen auf der Bank gesessen. Mein Eindruck war, dass die Mannschaft leidenschaftlichen gekämpft hat und dass die Ordnung im Spiel gegen den Ball wirklich gut funktionierte. Etwas ärgerlich ist dabei nur, dass wir so kurz vor Schluss um den verdienten Lohn gebracht wurden.

Hopp: Ich habe das Spiel mit Freunden am Fernseher verfolgt und ich war nach den enttäuschenden Darbietungen der letzten Wochen heilfroh, dass die Mannschaft mal wieder ihre wahren Stärken gezeigt hat. Man hatte den Eindruck, dass die Blockade der vergangenen Zeit gelöst worden ist.

achtzehn99.de: Was ist die Saison noch drin für Hoffe?

Hopp: Wir dürfen keine Wunderdinge von den neuen Trainern erwarten. Ich hoffe sehr, dass wir uns nicht mehr allzu lange Gedanken über einen möglichen Abstieg machen müssen. Wenn die Mannschaft ihr Potenzial wieder regelmäßig abruft, können wir die Platzierung der beiden letzten Jahre erreichen.

Hofmann: Im Fußball ist alles möglich. Platz Sieben ist immer noch drin für uns.

Tanner: Jetzt geht es erst mal darum, dass wir uns wieder fangen und hoffentlich bald wieder einen Dreier einfahren. Ich bin optimistisch, dass wir unser Saisonziel, einen einstelligen Tabellenplatz, erreichen werden.

achtzehn99.de: Bitte vervollständigen Sie den Satz: Im Jahr 2016 spielt Hoffenheim…

Tanner: … in der Europa League!

Hopp: … guten und attraktiven Bundesligafußball, am liebsten mit sechs Eigengewächsen im Kader!

Hofmann: … mit Nationalspielern im Kader, die aus der eigenen Jugendförderung stammen.

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