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15.12.2010

Demba Ba trifft Björn Schoo

Ein Treffen auf Augenhöhe war es sicherlich nicht. Björn Schoo misst stolze 2,13 Meter. Dagegen kam sich selbst der mit 1,89 Meter auch nicht gerade zwergenhafte Ba etwas klein vor. Zumindest, wenn es ins direkte Duell ging, das sich der vom Basketball begeisterte Ba nicht nehmen lassen wollte. Beim dritten Versuch, ohne am hünenhaften Heidelberger vorbeizukommen, musste er jedoch neidlos anerkennen: „Du bist einfach zu groß.“ In der Serie Sportler trifft Sportler begegnen sich unterm Korb Demba Ba und Björn Schoo, Center beim Basketballclub USC (Universitätssportclub) Heidelberg.

Auch wenn er selbst nur mit Freunden gespielt hat, kennt sich Demba mit Basketball sehr gut aus. Das liegt vor allem an der familiären Situation des Senegalesen: „Mein Bruder war Basketballprofi in Frankreich. Er spielte in der ersten Liga bei Saint Thoma Le Havre. Natürlich beschäftigt man sich da mit dem Sport." Demba schaut sich vor allem Spiele der gerade gestarteten NBA-Saison an, dem Aushängeschild des Sports. „Klar, die NBA ist was ganz Besonderes und die mit Abstand beste Liga der Welt," bestätigt auch Schoo. Lässt es die Zeitverschiebung und der Bundesliga-Alltag zu, kann Demba nichts von dem Spektakel NBA abhalten: „Die Zusammenfassungen und Highlights verpasse ich nie, über die Tabellenstände bin ich immer informiert und so oft es geht, schaue ich mir Live-Übertragungen an." Dank einer 30 Mannschaften umfassenden Liga und einer Mammut-Saison mit 82 Spieltagen (plus Playoffs nach der regulären Saison!) gibt es dafür genügend Gelegenheiten.

New York Knicks und Michael Jordan

Sein Lieblingsteam ist eines der Urgesteine der Liga: „Die New York Knicks. Irgendwann holen die auch mal wieder den Titel." Das letzte Mal ist ihnen dies in den 1970ern gelungen. Auf die Frage, wer denn dieses Jahr Meisterschaftsfavorit sei, beweist Demba Fachwissen: „Die Boston Celtics gehören wie immer zu den Favoriten. Und natürlich auch der Titelverteidiger, die Los Angeles Lakers." Beide standen sich bereits im Finale der abgelaufenen Saison gegenüber - mit dem besseren Ende für L.A. Dembas Favorit ist aber die Mannschaft von der Ostküste: „Bostons Starting Five ist einfach zu stark. Die packen das." Fragt man ihn nach seinem absoluten Lieblingsspieler, bekommt man die einfachste und logischste Antwort: „Michael Jordan, was denn sonst?" Jordan, auch „His Airness" oder schlicht „Air" genannt, ist für Basketball, was für Fußball eine Mischung aus Pele, Beckenbauer, Maradonna und Zidane wäre. Der Überflieger, im wahrsten Sinne des Wortes.

Schoo - geboren für den Korbsport

Aber wie sieht es umgekehrt aus? Björn Schoo interessiert sich für Fußball und hat „die Geschichte von 1899 Hoffenheim natürlich mitbekommen", wie der 29-Jährige bestätigt. Selbst gespielt hat er jedoch nur selten: „Wir spielen im Training gelegentlich Fußball. In der Regel aber nur als Belohnung, wenn wir eine Einheit besonders gut erledigt haben. Manchmal auch zum Aufwärmen, dann aber ohne Körperkontakt." Bei seiner Körpergröße, die ihn zum zweitgrößten Spieler der Liga macht, ist er sowieso für das Spiel mit dem Korb prädestiniert.

Auch Schoo entstammt einer Basketballfamilie. Sowohl der Vater als auch der Onkel waren aktiv. Seit er sieben ist, spielt er selbst. Spätestens als sich abzeichnete, dass er größer als die meisten seiner Freunde werden würde, war klar: Björn bleibt beim Basketball. Über Stationen beim College-Basketball in den USA, in der griechischen Liga und in der französischen kam der Center schließlich zum USC nach Heidelberg.

Viel Basketball-Tradition in Heidelberg

Basketball hat stark ausgeprägte Wurzeln in Heidelberg. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Stadt zum Zentrum des deutschen Korbsports. Ganze zehn Meistertitel gingen in den Jahren zwischen 1948 und 1963 in die Region Heidelberg. Einen weiteren Schub erhielt der Sport durch die Ansiedlung vieler amerikanischer Soldaten, die in ihrer Freizeit neben Football und Baseball vor allem Basketball spielten. Etliche Vereinsgründungen und der Aufbau von Basketballabteilungen in bestehenden Vereinen datieren aus diesen Jahren in der Region. Eine davon war die Schaffung einer Basketballabteilung des USC Heidelberg 1952. Die schickte sich direkt an, die Vorherrschaft in der deutschen Basketballszene zu übernehmen. Dokumentiert wird dies durch sechs Meistertitel infolge zwischen 1957 und 1962. Viele der Endspiele, die der USC in dieser Epoche bestritt, gerieten zu Heidelberger Stadtmeisterschaften.

Die fortschreitende Professionalisierung des Basketballsports in Deutschland führte zum Niedergang des USC und löste die bis dato stark ausgeprägte Vormachtstellung des Heidelberger Basketballs auf. Der USC stieg ab und befindet sich heute in der ProA-Liga, der 2. Bundesliga der Herren. Bleiben möchten die ambitionierten Basketballer dort jedoch nicht: „Unser Ziel ist es, den Verein in den nächsten vier bis fünf Jahren wieder in der Bundesliga zu etablieren," sagt Thomas Bösinger. Ein Grund, warum Spieler wie Schoo überhaupt zum USC wechselten. „Der Club schaut mittelfristig nach oben. Das ist mir wichtig," so Schoo, den auch die Studiumsmöglichkeiten nach Heidelberg verschlugen. „Ich studiere Sportmanagement. Hier lässt sich das optimal mit der Ausübung von meinem Sport verbinden."

Das Duell

Nach einigen versenkten Korblegern, etwas Anschauungsunterricht durch Dunkings von Schoo und einigen Tipps von diesem, fühlt sich Demba offenbar sicher genug, um den Center herauszufordern. Im Eins gegen Eins hatte er keine Chance, also muss ein anderes Spiel her. Als ob er darauf spekulieren würde, dass Center in der Freiwurfstatistik oft schlecht dastehen - man denke nur an Shaquille O'Neal - schlägt er genau dies vor. Jeder fünf Freiwürfe.

Demba beginnt - und trifft. Und trifft. Und trifft. Selbst Schoo scheint von der Treffsicherheit des Fußballers überrascht. In bester Stürmermanier bleibt Ba cool und versenkt vier von fünf. Ein guter Wert, den Björn erstmal erreichen muss. Der Hüne gibt sich aber keine Blöße und zieht mit: ebenfalls vier von fünf. Ein Unentschieden, dass es im Fußball gibt, im Basketball eigentlich nicht. Nur heute, da lassen wir's als solches durchgehen.

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