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03.06.2022

Der perfekte Elfmeter

Sie sind eine der großen Faszinationen des Fußballs: Elfmeter. Jedes Mal aufs Neue steigt die Spannung, wenn ein Schütze sich in der Bundesliga den Ball zurechtlegt. Neben TSG-Rekordtorjäger Andrej Kramarić wird ein Spieler in der TSG-Historie ganz besonders mit der speziellen Herausforderung vom Punkt verbunden. Klublegende Sejad Salihović trat zwischen 2008 und 2014 in der Bundesliga für Hoffenheim insgesamt 32-mal zu einem Strafstoß an – und verwertete 28. Für SPIELFELD ist der 37-Jährige in seiner Spezialdisziplin gegen Maskottchen Hoffi angetreten und erklärt, worauf es beim Eins-gegen-eins gegen den Torwart ankommt und wie er seinen Ablauf perfekt gestaltet.

Der Elfmeterpfiff

„Das Wichtigste ist zuerst einmal: sich auf den Elfmeter freuen, Ruhe bewahren, cool bleiben und sich sofort nach der Schiri-Entscheidung konzentrieren. Das ist gerade für junge Spieler natürlich eine große Herausforderung. Eine bedeutende Voraussetzung für einen guten Strafstoß ist auch die Fitness. Wenn ich anlaufe, dabei einen Puls von 120 habe und mich deswegen nicht konzentrieren kann, beeinflusst das die Ausführung. Denn es geht beim Elfmeter um ein Zusammenspiel von Konzentration, Kraft und Präzision. Was man niemals vergessen darf: Wenn man sich nicht gut fühlt oder einen schlechten Tag hat, sollte man den Strafstoß immer einem Mitspieler überlassen. Ein Tor für das Team ist immer wichtiger als ein eigener Treffer. Ein Fehlschuss ist immer bitter, vor allem wenn dadurch Punkte verloren gehen.“

Die Entscheidung

„Man schaut nur ein wenig auf den Torwart, denkt an seine vergangenen Elfmeter und entscheidet sich dann für eine Variante. Ich habe mich immer schnell für eine Ecke des Tores oder die Mitte entschieden, dabei aber auch oft auf mein Bauchgefühl gehört. Meistens habe ich auch die hohe Variante gewählt, da es für die Torhüter so viel schwieriger oder fast unmöglich ist, an den Ball zu kommen, wenn er in der oberen Hälfte einschlägt, möglichst nahe neben dem Pfosten. Dann kann der Keeper zwar die richtige Ecke wählen – aber der Ball schlägt trotzdem ein. Man muss klar im Kopf sein, denn wenn beim Anlaufen die gegnerischen Fans pfeifen und man sich dann noch einmal anders entscheidet, wird der Schuss nicht so sicher sein und die Fehlschuss-Quote wird höher.“

Der Ball

„Ich habe ihn mir immer so hingelegt, dass die Aufschrift zu mir gezeigt hat. Andere Schützen legen den Ball immer so hin, dass das Ventil nach oben oder zur Seite zeigt. Der Ball soll bei jedem Elfmeter genau gleich hingelegt werden. Damit hat man einen guten Punkt zum Anvisieren. Ich habe den festen Ablauf immer geschätzt, da er zum Teil meiner Konzentration gehörte. Ebenso wie das Glätten des Rasens durch einige Tritte rund um den Elfmeterpunkt, da es dort oft viele Unebenheiten gibt.“

Das Mentalduell

„Oft verzögern Torhüter die Ausführung, um den Schützen aus der Ruhe zu bringen. Oder sie übergeben dir den Ball, um noch auf dich einzureden und dich aus dem Konzept zu bringen. Ich war da aber eigentlich immer recht entspannt, es gehört dazu – und ich wusste in diesem Moment ja ohnehin schon, wohin ich schießen werde. Es ist gut, eine gewisse Coolness zu haben und eher darüber zu lachen, als sich auf Scharmützel einzulassen. Provokationen und Fans ausblenden, voller Fokus auf den Schuss – das war immer mein Erfolgsrezept.“

Der Anlauf

„Mittlerweile hüpfen, springen oder gehen viele Schützen zum Ball – ich bin immer durchgelaufen, ohne Theater oder Show und habe von diesem Zeitpunkt an auch den Torwart nie angeschaut, das lenkt nur ab. Auch der Anlauf sollte immer gleich sein, bei mir waren es vier Schritte. Da ich fast immer mit Effet geschossen habe, stand ich als Linksfuß etwas nach rechts versetzt zum Ball, um den perfekten Winkel für den Schuss zu haben. Ganz wichtig ist es auch, sich Zeit zu nehmen und nicht sofort loszulaufen, wenn der Schiedsrichter pfeift. Du entscheidest selbst, wann du startest, nicht der Pfiff. Und das Wichtigste: niemals während des Anlaufs umentscheiden, wohin man schießt.“

Der Schuss

„Nun kommt die Kraft ins Spiel. Ein perfekt geschossener Elfmeter geht auch ins Tor, wenn der Keeper die richtige Ecke wählt. Darum waren mir kraftvolle Elfmeter eigentlich lieber als gechippte oder ausgeguckte. Denn wenn er gut geschossen ist und gehalten wird, muss man sich nichts vorwerfen. Wenn man den Ball dem Torwart aber in die Arme spielt, sieht man blöd aus. Das Tor ist zwar groß, aber man muss schon ein bisschen schießen können, wenn man die kraftvolle Variante wählt. Ich habe zudem fast immer auch mit viel Effet geschossen, das macht es für den Torwart noch schwieriger, weil sich der Ball von ihm wegdreht. Es kommt auf die perfekte Verbindung von Kraft und Präzision an. Meistens weißt du schon, ob der Ball ins Tor fliegt, denn man spürt bereits beim Kontakt, ob man ihn gut getroffen hat. Den Moment habe ich genossen, da es bekanntlich kaum ein schöneres Gefühl gibt, als zuzusehen, wie der eigene Schuss im Netz einschlägt.“

Der Jubel

„Klar ist die Freude nach jedem Tor riesig, zumal man vorher durch das Duell mit dem Torwart ja angespannter ist als vor einem normalen Treffer. Aber ich habe nicht besonders gejubelt, meistens nur ein wenig mit dem ausgestreckten Zeigefinger. Da ich den Ball meist so fest ins Netz geschossen habe, ist er mir oft wieder entgegengesprungen. Ich habe ihn dann gefangen und mit dem Ball in den Händen gejubelt. Es ist ein schöner Moment, denn er ist auch eine Belohnung für die harte Trainingsarbeit. Denn einen Elfmeter zu verwandeln, sieht zwar oftmals leicht aus, ist aber das Ergebnis von Extraschichten auf dem Trainingsplatz. Ich habe schon als Kind und später in meiner gesamten Karriere immer Zusatzeinheiten im Training eingelegt, um Elfmeter und Freistöße zu üben. Das war die Grundlage für meine vielen Standard-Tore in der Bundesliga.“

Vollspann gegen Großkreutz, Chip gegen Leno

Am 18. Mai 2013 spielten sich in Dortmund dramatische Szenen ab, die Partie zwischen dem BVB und der TSG am 34. Spieltag ist eines der legendärsten Bundesliga-Duelle. Vor mehr als 80.000 Fans führte die Borussia, die eine Woche später im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern antrat, lange mit 1:0. Die TSG stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 17 der Live-Tabelle, der direkte Abstieg schien besiegelt.  Doch dann kam Sejad Salihović. Der Bosnier verwertete zwei Elfmeter, den zweiten gegen Feldspieler Kevin Großkreutz, der für den vom Platz gestellten Roman Weidenfeller ins Tor gegangen war. Ein nervenaufreibendes Finale, an das sich Salihović noch bestens erinnert: „Jürgen Klopp hatte seine beste Elf aufgestellt, die wollten uns unbedingt runterschießen. Wir hätten auch längst 0:5 zurückliegen müssen. Es war ein Wunder, dass wir nochmal zurückgekommen sind. Den ersten Elfer in der 77. Minute habe ich ganz souverän rechts oben getroffen, beim zweiten wurde es dann ein bisschen turbulenter.“

Doch Salihović blieb eiskalt im bebenden Fußballtempel. „Als der zweite Elfer gepfiffen wurde, bin ich erst einmal zur Bank gegangen, um etwas zu trinken. Auf dem Weg dorthin habe ich mir gedacht: Ich schieße auf jeden Fall hoch in die Mitte. Wenn er stehen bleibt, ist das halt so. Auf dem Weg zurück zum Strafraum habe ich dann erst gesehen, dass Großkreutz im Tor steht. Er hampelte auf der Linie rum und wollte mich irritieren. Das war mir aber egal, ich hatte meine Entscheidung ja getroffen und sie dann auch durchgezogen. Als der Ball im Netz einschlug, war es aber schon ein geiles Gefühl. Diesen Tag werde ich nie vergessen, ich hätte auch zum ganz großen Verlierer werden können. Aber ich habe auf meine Fähigkeiten vertraut und bin ruhig geblieben. Der Ball schlug ein, wir gewannen 2:1 und haben so die Relegation gegen Kaiserslautern erreicht. Dort habe ich zwar einen Elfer verschossen, aber wir haben uns gerettet“, erzählt „Sali“ und lacht.

Auch an die wenigen verschossenen Elfmeter kann er sich genauestens erinnern – und auch an die Revanche-Gelüste: „Bernd Leno hat mal für Leverkusen einen von mir aus der rechten Ecke geholt. Der war gut geschossen und überragend gehalten. Da habe ich allen gesagt: Wenn wir da noch mal einen Elfer bekommen, chippe ich ihn über Leno. So ist es dann auch gekommen, das war dann schon ein kleines persönliches Duell, nach dem Spiel haben wir aber drüber gelacht.“

 

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