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AKADEMIE
21.05.2020

Matthias Güldner: Kickschuhe gegen Laptop getauscht

Als Spiel- und Videoanalyst der U19 ist Matthias Güldner ein elementarer Teil des Trainerteams geworden und hat stets die Übersicht über die Trainingseinheiten und Spiele. In die Welt seiner Jungs kann sich der 33-jährige gebürtige Magdeburger gut hineinversetzen, denn früher lebte er selbst als junges Talent in einem Fußballinternat.

Mit nur 14 Jahren stand für Matthias Güldner bereits die erste große Entscheidung im Leben an. Als talentierter Verteidiger des Oscherslebener SC und Landesauswahlspieler hatte er größere Klubs auf sich aufmerksam gemacht und nun wollte ihn der 1.FC Magdeburg in sein Fußballinternat holen. „Meinen Eltern ist die Entscheidung sehr schwergefallen, aber ich wollte schon gerne, diese Chance ergreifen“, erinnert sich Güldner.

Als Vorbild diente dem fußballbegeisterten Teenager der eigene Vater, der als talentiertes Judoka einst ebenfalls ein Sportinternat besucht hatte „Das war mein Ansporn“, so Güldner. Der Schritt aus der heimischen 1.700-Einwohner-Gemeinde Wefensleben ins rund 50 Kilometer entfernte Magdeburg war zwar von der reinen Entfernung her kein allzu großer, doch mit nur 14 Jahren mehr oder weniger auf sich alleine gestellt zu sein, erwies sich natürlich als Herausforderung.

Eine Herausforderung, die Güldner jedoch rückblickend als großen Gewinn bezeichnet: „Die Jahre im Fußballinternat waren wahnsinnig spannend. Ich habe mich dadurch als Persönlichkeit sehr entwickelt und bin viel selbstständiger geworden.“ Dass die Zeit in einem Nachwuchsleistungszentrum junge Menschen nicht nur sportlich weiterbringt, sondern auch ihre Persönlichkeit schneller reifen lässt, kann Güldner seinen heutigen Spielern also mit voller Überzeugung erzählen. Er hat es selbst erfahren.

Mit Marcel Schmelzer für Magdeburg am Ball

Fußballerisch lief es beim 1.FC Magdeburg ordentlich für den Verteidiger, der von der U15 bis zur U19 für den Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt auflief und unter anderem mit dem späteren Nationalspieler Marcel Schmelzer in einem Team spielte. Doch der direkte Sprung in das frisch in die damals noch drittklassige Regionalliga aufgestiegene Profiteam wurde ihm nicht gewährt. „Man hat mir damals angeboten, bei der zweiten Mannschaft zu spielen und bei den Profis zu trainieren. Aber ich habe da schon gemerkt, dass es einige Jungs gab, die talentierter waren als ich, und dass es für mich daher für den Profifußball nicht ganz reichen wird.“

Es folgte der Schritt zurück in die Heimat. Güldner wechselte zum Verbandsligisten TSV Völpke, begann in Magdeburg ein Sportwissenschaftsstudium und zog wieder in sein Elternhaus ein. „Nach den Jahren im Internat war ich gern erst mal wieder daheim.“ Der Schritt in die Ferne kam früh genug. Nach seinem Bachelor-Abschluss 2010 zog Güldner für das Master-Studium an der Deutschen Sporthochschule nach Köln.

Dort wurde er auch Teil des Spielanalyse-Teams, das für die deutsche Nationalmannschaft Gegneranalysen erstellt. Ursprünglich wollte Güldner eigentlich Reha-Trainer im Fußball werden, doch die Analysearbeit packte den Magdeburger sofort. „Die technischen Möglichkeiten, die wir dort hatten, haben mir einen ganz neuen Blick auf das Spiel gegeben. Das fand ich unglaublich spannend.“

Lehramt als zweites Standbein

Nach seinem Abschluss 2012 zog Güldner aus privaten Gründen nach Heidelberg. Hier in der Region wollte er auch seine ersten beruflichen Schritte machen. Bei der TSG war eine Stelle als Filmer ausgeschrieben, also bewarb sich der Sportwissenschaftler. „Ich habe dann aber schnell nicht nur reine Filmertätigkeiten, sondern auch schon Analysen gemacht und dem damaligen U19-Videoanalysten Timo Gross zugearbeitet.“

Seine Arbeit gefiel den TSG-Verantwortlichen und so erhielt Güldner 2014 eine Werkstudentenstelle als Spiel- und Videoanalyst für die U14 und die U15. Student war der damals 27-Jährige nämlich zu der Zeit wieder. Denn, um ein zweites Standbein zu haben, nahm er in Heidelberg ein Lehramtsstudium für Geografie auf.

Das erste Staatsexamen schloss Güldner noch ab, doch schon früh wurde klar, dass sein Weg nicht als Geografie- und Sportlehrer in die Klassenzimmer und Schulturnhallen, sondern als Spiel- und Videoanalyst in die Trainerbüros führen würde. Als Timo Gross im Sommer 2017 zu den Profis aufrückte, wurde die Stelle als Analyst der U19 frei und Güldner bekam den Job. „Das war natürlich super für mich. Ab da habe ich gemerkt, dass ich beruflich im Fußball unterkommen kann.“

Youth-League-Spiele als sportliche Höhepunkte

Güldner kam nicht nur unter, er wurde ein wichtiger Teil des U19-Trainerteams um Chefcoach Marcel Rapp und Co-Trainer Jens Schuster. „Mit Marcel und Jens hat es sofort gepasst. Wir waren schnell auf einer Wellenlänge und haben uns super ergänzt.“ Während der Spiele sitzt Güldner auf erhöhter Position vor seinem Laptop und schickt Co-Trainer Schuster bereits erste Szenen auf die Trainerbank. Über Funk stehen die beiden zudem in ständigem Kontakt. Für die Halbzeit bereitet Güldner zudem einzelne Szenen vor, die der Mannschaft schnell vor Augen führen sollen, was sie in den zweiten 45 Minuten besser machen kann.

Die Erfolge nach Güldners erster Festanstellung ließen nicht lange auf sich warten. In der Saison 2017/18 wurde die U19 Süddeutscher A-Jugend-Meister und in der Spielzeit darauf sorgte die TSG in der Youth League für Furore. Die Spiele auf internationalem Parkett und der Einzug ins Halbfinale der Champions League für Junioren bezeichnet Güldner auch als Highlights seiner bisherigen Zeit in Hoffenheim. „Wobei der eigentliche Höhepunkt eigentlich schon war, dass ich fest bei der TSG anfangen durfte. Dafür bin ich den Verantwortlichen immer noch sehr dankbar.“

Auch die angenehme Atmosphäre innerhalb des Trainerteams und die Wertschätzung, die er von erfahrenen Trainern wie Rapp und Schuster erhalten hat, weiß Güldner zu schätzen. „Ich habe mich nie ausgeschlossen gefühlt. Wir sprechen vor Spielen oft zwei, drei Stunden über die richtige Taktik. Das ist schon ein sehr angenehmes Zusammenarbeiten.“

Heidelberg als neue Heimat

Auf all dies muss auch Güldner aktuell verzichten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen auch den Analysten zum Homeoffice. „Ich schaue sehr viele Spiele und habe auch unsere bisherige Saison noch mal komplett analysiert und statistisch ausgewertet. Es macht mir großen Spaß, daraus neue Schlüsse zu ziehen und in Abstimmung mit den Trainern unsere Spielphilosophie etwas anzupassen.“ Auch mit den Spielern ist Güldner nach wie vor in Kontakt. Wenn auch nicht so oft wie normalerweise, wo er in vielen Einzelsitzungen den Spielern am Bildschirm ihre Stärken und Schwächen veranschaulicht.

Auch wenn sich der Magdeburger seiner Heimat noch sehr verbunden fühlt, möchte er aus Heidelberg und von der TSG nicht so schnell weg. „Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt ganz klar hier. Ich bin kein Großstadtmensch, finde Heidelberg als Stadt ideal und die Region sehr schön.“ Auch die Menschen hier sind Güldner ans Herz gewachsen. „Ich weiß, was ich den Verantwortlichen der Akademie und dem Trainerteam der U19 für meinen beruflichen Werdegang zu verdanken habe."

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