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PROFIS
15.01.2020

Skov: Spätstarter auf Entdeckungstour

Geboren in Spanien, aufgewachsen in Dänemark, Profi in Deutschland – Robert Skov hat Erfahrung mit Veränderungen. Das gilt auch für die Profi-Karriere. In Hoffenheim wurde aus dem Rechtsaußen ein Linksverteidiger. In Marbella erlebte der 23-Jährige nun ein Rendezvous mit der Vergangenheit – und hofft auf weitere mit der TSG Hoffenheim.

Für viele Menschen ist Marbella ein kleines Paradies. Gelegen an der Costa del Sol, umgeben von Meer und Bergen – das andalusische Städtchen lässt keine Touristenwünsche offen. Als die TSG Hoffenheim im Januar ins Trainingslager nach Marbella aufbrach, reiste Robert Skov allerdings nicht primär in eine Urlaubsoase. Der 23-Jährige kehrte vielmehr in seinen Geburtsort zurück: Am 20. Mai 1996 hat Robert Skov in Marbella das Licht der Welt erblickt. Dass ihn sein Weg ein halbes Jahr nach seinem Wechsel in die Bundesliga zurück zu seinen Ursprüngen führen würde, kam auch für den Dänen überraschend. Umso mehr freute er sich über die Rückkehr: „Es ist natürlich witzig, dass wir unser Trainingslager hier absolviert haben. Ich bin zum zweiten Mal wieder hier.“

Dass der für einen deutschen Klub spielende Däne in Spanien geboren wurde, wusste auch innerhalb der Mannschaft kaum jemand. Die Eltern des Nationalspielers lebten von 1994 bis 1997 in Marbella, weil sein Vater damals in einer Bank in Gibraltar arbeitete. Da er nur die ersten neun Monate seines Lebens in Spanien verbrachte, fühlt Skov sich naturgemäß nicht als Iberer. „Ich bin Däne und habe keine besondere Beziehung zu Spanien. Es ist nur ganz lustig, dort geboren zu sein. Vor allem, weil wir mit der TSG nun nach Marbella zurückgekehrt sind. Aber meine Heimat ist Silkeborg, dort bin ich aufgewachsen und habe mit dem Fußball begonnen.“

Bundesliga-Besuche aus Dänemark

Fernweh und Reiselust sind in seiner Familie allerdings tief verankert. Schon lange bevor Robert Skov zur TSG Hoffenheim wechselte, war er in der Bundesliga Stammgast und reiste regelmäßig nach Deutschland. Mit seinen Freunden fuhr er als Teenager an den Wochenenden regelmäßig über die Grenze, um Spiele in verschiedenen Stadien zu schauen. Hamburg, Wolfsburg, Bremen, Hannover oder Dortmund – die Reisegruppe scheute keine Entfernungen: „Ich habe bestimmt 20 Spiele gesehen. Von meinem damaligen Wohnort Silkeborg waren es bis Hamburg etwa dreieinhalb Stunden. Da sind wir morgens los, haben das Spiel geschaut und sind abends wieder nach Hause gefahren. Ich musste ja am nächsten Tag selber spielen.“

Dass er nur wenige Jahre später selbst in den Stadien auflaufen würde, war damals noch nicht abzusehen. Skov spielte bei seinem Heimatklub Silkeborg IF, erst in der U19, dann in der Superligaen – der höchsten Liga Dänemarks. Zwar wurde er auch damals schon in die Junioren-Nationalmannschaft  berufen, der große Durchbruch aber war noch nicht vorhersehbar. „Im Alter von 15, 16 gehörte ich nicht mal zu den besten Spielern in der Jugend von Silkeborg. Ich war eher klein. Das war hart für mich, als die anderen alle gewachsen sind. Aber ich habe viel gelernt, weil man als kleiner Spieler viele Situationen anders lösen muss. Ich habe sehr hart trainiert – und dann bin auch ich gewachsen und hatte plötzlich einen Vorteil. Ich bin ein Spätstarter.“

Torschützenkönig in Dänemark

Doch die zähe Anfangsphase der Karriere zahlte sich aus. In der zweiten Liga sammelte Skov, dessen Name übersetzt „Wald“ bedeutet, seine ersten Profi- Erfahrungen, kämpfte sich dann mit Silkeborg durch die dänische Liga. „Jeder Punkt war hart erarbeitet“, erinnert er sich an die Ankunft im Senioren- Fußball. Die Arbeit in den Spielen und vor allen in den Zusatzschichten im Training zahlte sich aber aus, im Januar 2018 wechselte er zum Top-Klub FC Kopenhagen. Einem schweren ersten Halbjahr folgte der Durchbruch: Skov wurde Torschützenkönig, Meister und „Spieler der Saison“.

Noch immer wirkt er ein bisschen verwundert über den eigenen Leistungssprung: „Das ging alles sehr schnell – auch für mich.“ Vielleicht liegt es an dieser besonderen Entwicklung, dass Skov keinerlei Allüren hat. Nicht im Privatleben – und auch nicht auf dem Platz. Ruhig, konzentriert und in beachtlich gutem Deutsch unterhält sich der 23-Jährige, der in Dänemark längst ein Star geworden ist. Lockere Freizeitklamotten, strubbeliges Haar – Skov ist kein Glamour-Kicker, der die eigene Markenbildung mehr verfolgt als die Karriere. Auch in der täglichen Arbeit auf dem Platz gilt: Es geht nur darum voranzukommen. Ehrgeiz und Motivation sind groß, Ablenkung gibt es kaum.

So akzeptierte der Däne auch sogleich die neue Rolle, die Alfred Schreuder für den Angreifer gefunden hatte: Von rechts vorn ging es für den Torschützenkönig nach links hinten. „Ich bin mir nicht zu fein dafür, Verteidiger zu spielen und auch kein Typ, der sagt: ‚Das mache ich nicht.‘ Wenn der Trainer das möchte, muss ich versuchen, mein Bestes zu geben. Bislang hat das ganz gut geklappt.“ Zu Beginn war die neue Rolle dennoch eine große Herausforderung: „Ich habe die Position noch nie in meiner Karriere gespielt, aber das ist der moderne Fußball. Man muss flexibel sein. Ich habe viel Unterstützung vom Trainerteam erhalten, versuche mein Bestes und lerne jeden Tag dazu.“

Die Reisen zur dänischen Nationalmannschaft sind auch durch den Positionswechsel willkommene Abwechslungen. Im Team des norwegischen Trainers Åge Hareide kommt er noch immer als Angreifer zum Einsatz – und überzeugt auch dort. Drei Treffer in den ersten vier Länderspielen sind eine beachtliche Bilanz – die Skov auch auf die Weiterbildung bei der TSG zurückführt: „Es hilft mir, dass ich jetzt als Angreifer besser weiß, was meine Gegenspieler denken, da ich selbst Verteidiger spiele.“ Und umgekehrt sei es genauso: Als Linksverteidiger ahne er als gelernter Rechtsaußen besser, was seine Gegenspieler vorhaben.

Auswärtsspiel in Dänemark als Wunsch

Langfristig möchte Skov auch im Verein wieder weiter vorn spielen. Die „Nähe zum Tor“ fehlt dem Torjäger ein wenig. Argumente für eine erneute Versetzung sammelte er auf den Länderspielreisen – als das Schicksal Skov im Herbst wieder zu einem Treffen mit der familiären Vergangenheit leitete. Denn sein erstes Länderspieltor für die A-Nationalmannschaft erzielte er auswärts – beim 6:0 in Gibraltar. „Mein Vater war leider nicht da, aber er hat sich sehr gefreut und fand es natürlich lustig, dass ich mein Premierentor dort geschossen habe, wo er gearbeitet hat. Da hat sich ein Kreis geschlossen.“

Die Entdeckungsreise des jungen Dänen ist noch längst nicht vorbei. Ob Länder, Positionen oder Erfahrungen – Skov freut sich über neue Eindrücke. Die will er auch mit der TSG sammeln: „Ich hoffe, dass wir nächste Saison international spielen. So wie es zuletzt für mich gelaufen ist, würde sicher 
ein weiteres Rendezvous mit der Vergangenheit dazu kommen. Ein Spiel mit der TSG in Dänemark wäre wunderschön.“

 

Das Porträt über Robert Skov und viele weitere interessante Geschichten finden Sie in der Januar-Ausgabe des Klubmagazins SPIELFELD, das am Freitag (17. Januar) erscheint. 

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